„Ben Hur“ in einer TV-Version bei ProSieben

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Sie galoppieren wieder: Judah Ben Hur (Joseph Morgan) beim Wagenrennen. ▪

Von Elisabeth Elling ▪ Viel Staub wird hier gefressen. Dabei dauert das Wagenrennen, das den Monumentalfilm „Ben Hur“ zur Legende machte, in der ProSieben-Neuausgabe gerade einmal sechs Minuten. Die Vierspänner des jüdischen Aristokraten Ben Hur und seines römischen Widersachers Messala durchkurven hier auch nicht den Nachbau eines kolossalen Circus Maximus in Jerusalem, sondern preschen bloß über eine Sandpiste irgendwo draußen in der Wüste. Da staubt‘s.

Die Abstriche an Komparsen, Kulissen und Kostümen, wie sie in der gigantischen Hollywood-Materialschlacht von 1959 aufgefahren wurden, kann man der internationalen TV-Koproduktion aber ernstlich nicht vorwerfen – und billig war sie mit 22 Millionen Dollar auch nicht. Sie hält sich mehr oder weniger an die Handlung des Hollywoodstreifens, polstert dabei aber die zwischenmenschlichen Problemlagen großzügig auf, fügt zum Beispiel eine Vater-Sohn-Geschichte hinzu. Schauspielerische Heldentaten werden nicht geboten, allenfalls James Faulkner als eiskalter Senator Marcellus fällt auf. Doch ist die Produktion durchaus ansehnlich, routiniert erzählt – und setzt mit einer Netto-Spieldauer von 159 Minuten eine gewisse Kondition beim ProSieben-Publikum voraus. Aber das hat sich ja bereits an Stefan Raabs Marathonshows gewöhnt.

In Jerusalem wird Messala (Stephen Campbell Moore) von der Familie seines Freundes Judah wie ein Sohn aufgenommen. Die Ben-Hurs sind adlige Kaufleute, dazu edel, hilfreich und gut. Messalas Mutter ist tot, sein ehrgeiziger Vater Marcellus kümmert sich nicht um ihn, sondern intrigiert sich lieber in Rom nach oben. Messala ist sein illegitimer Sohn und wird zeitlebens um die Zuneigung des Vaters buhlen.

Im Jahr 26 n. Chr. kehrt er nach seiner Soldatenausbildung als Militärtribun zurück und erwartet, dass Judah (Joseph Morgan) für ihn den Widerstand gegen die römischen Besatzer auskundschaftet. Doch der weigert sich. Als Roms neuer Statthalter Pontius Pilatus in Jerusalm einzieht, kommt es zu einem Unfall: Ein Dachziegel rutscht vom Haus der Ben Hurs. Judah wird als Attentäter bezichtigt und als Rudersklave auf eine Galeere verbannt. Messala weiß, dass sein Freund unschuldig ist, aber als verantwortlicher Sicherheitsoffizier rettet er lieber seine eigene Haut. Judah schwört Rache. Er entkommt vom Schiff, fischt einen römischen Offizier aus dem Mittelmeer, wird von diesem adoptiert, als Gladiator ausgebildet und kehrt steinreich nach Jerusalem zurück. Hier tritt er gegen Messala im Wagenrennen an und findet schließlich auch noch Mutter, Schwester und seine Verlobte Esther wieder.

All das entspricht grob dem Hollywood-Vorbild. Einen Unterschied gibt es jedoch: Die Handlung wurde deutlich säkularisiert. 1959 erzählte „Ben Hur“ auch eine Bekehrungsgeschichte, die Romanvorlage von Lew Wallace aus dem Jahr 1880 trägt sogar den Untertitel „Eine Geschichte von Christus“. Immer wieder kreuzen die Wege Ben Hurs die eines gewissen Jesus von Nazareth. Die Neuverfilmung hat die Zahl der Begegnungen allerdings zusammengestrichen und auch das Pathos reduziert. Am Ende werden Judahs Rachegelüste nicht nur von der Sanftmut dieses Fremden neutralisiert: Er kann sich mit dem sterbenden Messala aussöhnen. Und das ist schließlich auch ein Happy End.

ProSieben, 20.15 Uhr

Quelle: wa.de

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