Ballet Revolución ist eine Tanzshow aus Kuba – energiereich, erotisch, großartig

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Große Tanzshow der Individualisten: Szene aus „Ballet Revolución“, zu sehen in Köln. ▪

Von Achim Lettmann ▪ KÖLN–Achtung, wild! Mit einer Trillerpfeife wird das klassische Ballett von der Bühne gepfiffen. Tänzerinnen und Tänzer aus Kuba erobern die Kölner Philharmonie. Zum weltbekannten „Cumbanchero“ beginnt ein Tanzrausch, der das 25. Sommerfestival in dem großen Konzertsaal eröffnet. Ein heftiger Start, heiß, rhythmisch, mit Trommelwirbel und Fanfaren. Paare drehen sich, Sprungakrobaten fliegen und die Tanzformationen scheinen zu flackern, hipp hopp – „Ballet Revolución“.

18 Tänzerinnen und Tänzer bieten eine wechselvolle wie mitreißende Show für ein internationales Publikum. Eigentlich ist es eine Demonstration kubanischer Tanzkunst. Denn die „Ballet Revolución“ wird von Absolventen der Escuela Nacional de Arte in Havanna ausgelöst. Einer Schule, die 1961 nach der Rebellion von Fidel Castro gegründet wurde und mittlerweile zu den besten der Welt zählt. So wie Ry Cooder und Wim Wenders die kubanische Musik mit dem Doku-Film „Buena Vista Social Club“ bekannt machte, so treffsicher ist auch „Ballet Revolución“ auf den Weg gebracht. Erstmals in Köln, hat die Show bereits in Sydney, Singapur, London, Wien, Berlin und anderswo überzeugt. Neben der tänzerischen Klasse der „Ballet Revolución“-Companie wirkt auch die Tanz-Dramaturgie. Choreograf Aaron Cash zählte als Tänzer zu den Tap Dogs und arbeitete seinerzeit mit Kenny Ortega („Dirty Dancing“) zusammen. Mit dem kubanischen Choreografen Roclan Gonzales Chavez, der schon Shows mit Compay Segundo arrangierte, ist eine großartige Performance gelungen. Denn „Ballet Revolución“ verbindet kubanische Rhythmen und afrikanisches Bewegungsgefühl mit modernen Tanzstilen, R&B, Latin-Pop und Welthits.

Es wirkt ungemein intensiv, wenn zu Enrique Iglesias Schmachtfetzen „Hero“ ein Paar wundervolle Hebefiguren zelebriert – Romantik mit perfekten Körpern. Zum Mambo steigt die Partystimmung und einige Tänzer flachsen herum, um witzig zu sein – tanzen können sie besser. Wenn zu Shakiras „Hips don‘t lie“ eine schwül-erotische Latin-Nacht inszeniert wird. Dann glitzern Frauen in ihren Pailletten-Bustiers, und die Männer schwirren in gelben, grünen und roten Leibchen umher. Dass noch drei Grazien im ballettösen Wechselschritt durch die Szene spazieren, erinnert an die klassische Ausbildung auf der Escuela Nacional de Arte, ist aber nicht immer passend.

„Ballet Revolución“ führt den Spitzentanz allerdings nicht vor, sondern baut ihn immer wieder ein, um mit dem Leistungsvermögen seiner Companie zu punkten. Die Kubaner bieten Modern Dance, harten Industrial zu tiefen Groove-Tönen, artistische Beweglichkeit und echte Körperschaubilder. Wenn die spanische Gitarre erklingt, dann wird das Thema Liebe mit Mann, Frau und einem Stuhl gleich in zwei Spots dargeboten. Es sind sehnsuchtsvolle Pas-de-deux, die Leidenschaft und Hingabe zeigen, wie selten zuvor. Die Körper der Tänzer werden als muskulöse Oberflächen idealisiert, beinah wie beim Bodybuilding. Erotik paart sich mit Trainingsfleiß – weniger mit Sinnlichkeit.

Bei solchen Jungs sind die Mädels nur Beiwerk. Nach Bob Marley („No woman, no cry“) wird zu Ushers „DJ Got us Fallin in Love Again“ eine fiebrige Disco-Nummer geboten. Da würde John Travolta alt aussehen. Und bei so vielen scharfen Kerlen, die ihre T-Shirts wegwerfen, fehlt auch der getanzte Sex nicht („Forget you“, Cee Lo Green) – zu den Träumen einer Frau. Zu „Purple Rain“ von Prince gelingt ein Solo, das auch als super gute Slip-Reklame durchgehen könnte. Das Kostümdesign stammt von Jorge Gonzalez, der bei „Germanys next Top Models“ den Cat Walk der Mädchen trainierte und hier auf sehr straffe und knappe Outfits gesetzt hat. So dominieren Hormone und Athletik beim finalen Streetdancing.

„Ballet Revolución“ ist eine erstaunliche Show, die für Kuba eins auf jeden Fall sichert: olympisches Gold im Tanz-Wettbewerb.

Termine

Ballet Revolución, die Tanzshow aus Kuba: Köln, Philharmonie, bis 15. Juli (ausverkauft) und 7. bis 19. August. Dortmund, Konzerthaus 18. bis 31. Dezember, 24. und 25. Dezember keine Vorstellungen. Duisburg, Theater 19. Februar bis 3. März; Tel. 01805 / 2001 und 01805 / 570070 (14 Cent/min. aus dt. Festnetz)

Quelle: wa.de

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