Ausstellung „The Oil Show“ im Dortmunder U

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Rohre im Dortmunder U: Eine Installation der Künstlergruppe Ubermorgen.com. ▪

Von Marion Gay ▪ DORTMUND–Zwischen Palmen ragen Ölfördertürme auf. Manchmal aber tarnen sie sich. Verkleiden sich als Kirchen, Bürogebäude oder andere undefinierbare Objekte. In ihrem Filmprojekt spürt die kalifornische Künstlergruppe „The Center for Land Use Interpretation“ der unsichtbaren Präsenz von Ölfördereinrichtungen in Los Angeles nach.

Auf der 3. Etage des Dortmunder U präsentiert der Hartware MedienKunstVerein (HMKV) fünfzehn internationale künstlerische Positionen, die sich mit den geopolitischen, gesellschaftlichen und ökologischen Konsequenzen unserer Abhängigkeit vom Erdöl auseinandersetzen. Zu sehen sind Raum- und Videoinstallationen, Fotografien, Zeichnungen und Filme sowie Informationsgrafiken und Computerspiele. Die umfangreiche und hochinteressante „Oil Show“ zeigt, wohin uns der immense Ölverbrauch führt und fragt, was passiert, wenn der Bedarf an Öl weiter steigt.

Kuratorin Inke Arns, künstlerische Leiterin des HMKV, bekam die Idee zu dieser Ausstellung während eines Aufenthaltes in Nigeria im Juli 2010. Anlass war die 200teilige Fotoserie des nigerianischen Künstlers George Osodi, die nun in Dortmund zu sehen ist. Die Bilder geben Einblick in den Alltag im Nigerdelta, das auf erschreckende Weise vom Ölabbau gezeichnet ist. Kinder spielen unter einem schwarzen Himmel, zwischen Palmen steigt Rauch aus dem Boden, die Landschaft ist zerstört.

Dagegen erzählt die Künstlerin Ursula Biemann in zehn Videoclips, wie der Bau der Baku-Tiflis-Ceyhan-Ölpipeline die Region und das Leben zwischen Kaspischem und Schwarzem Meer verändert hat. Familien mussten ihre Häuser verlassen, Arbeiter kamen, Prostituierte zogen zu. Berührend auch die äußerst ästhetischen Filme des schwedischen Künstlerduos Hausswolff & Nordanstad, die Orte wie die japanische Insel Hashima, die ägyptische Oase Al Qasr und das texanische Electra zeigen. Orte, deren Rohstoffvorkommen ausgebeutet wurden und die heute trostlos und verwaist sind. Wie Standbilder wirken die Aufnahmen der verlassenen Gebäude mit ihren zurückgelassenen Möbeln.

Die russische Künstlergruppe „Chto Delat?“ thematisiert in ihrem Video „Singspiel“ den geplanten Bau eines Gazprom-Hochhauses mitten im historischen Zentrum von Sankt Petersburg. Wie in einem Brecht-Theaterstück kommen Befürworter und Gegner des Bauprojektes zu Wort. Gegensätzliche Positionen zeigen auch die beiden gegenübergestellten Filme des US-Künstlers Mark Boulos. Auf der einen Seite wird lautstark an der Börse mit Erdöl gehandelt, auf der anderen Seite erzählen nigerianische Fischer von ihrem Leben in einem rohstoffreichen Land, wo das Geld bei der Bevölkerung nicht ankommt.

Die von Inke Arns entworfenen Infografiken verdeutlichen unsere Abhängigkeit vom Öl, das nicht nur für Benzin gebraucht wird, sondern unseren Alltag u.a. als Inhaltsstoff von Düngemitteln, Spielzeug, Kosmetik und Elektronik beherrscht. Gleichzeitig verwundert die Dominanz des Öls nicht, wenn man erfährt, dass ein Liter Öl immer noch günstiger als ein Liter Mineralwasser ist. Zu lesen auf einer der Infotafeln. Eigens für die Ausstellung angefertigt wurde die raumgreifende Installation der österreichisch-schweizerischen Künstlergruppe Ubermorgen.com, die eine Ölraffinerie darstellt, deren chromglänzende Rohre sich über die Etage bis hin zu den Balkonen ausbreitet.

Bis 19.2.2012; di, mi 10 –18, do, fr 10 – 20, sa, so 11 – 18 Uhr; Tel. 0231/ 823106;

http://www.hmkv.de

Quelle: wa.de

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