Ausstellung „Entdeckung Korea!“ in Köln

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Formschön und bedeutungsvoll: Koreanisches Zeichen für „Schicklichkeit“. ▪

Von Ralf Stiftel ▪ KÖLN–Wunderbar leicht schwingen sich die Tuschzüge über das Papier. Was aussieht wie eine Architektur, ist ein Buchstapel. Darüber thront, fast zu fein neben dem kräftigen Zeichen, ein Kirin, ein koreanisches Fabelwesen, Mischung zwischen Drache und Schildkröte, das auf seinem Panzer Bücher trägt. Für westliche Augen wirkt die Hängerolle wie ein abstraktes Bild, wie ein kraftvoller Dialog zwischen ruhigen geometrischen Farbfeldern und dem dynamischen Spiel der Linie. Tatsächlich aber ist es ein Schriftzeichen für „Schicklichkeit“, eine der konfuzianischen Tugenden.

Das Wandbild aus dem 19. Jahrhundert gehört zu den Glanzstücken der Ausstellung „Entdeckung Korea!“ im Museum für Ostasiatische Kunst in Köln. Zehn deutsche Museen haben erstmals aus ihren Beständen eine Übersichtsschau gestaltet, die die Kunst dieser fernöstlichen Kulturnation nachzeichnet. Korea stand in Europa immer im Schatten seiner Nachbarländer. Während die Kultur von China und Japan immer wieder Spuren im Westen hinterließ, vom Porzellan bis zu Farbholzschnitten, haben viele Sammler lange geglaubt, Korea habe nicht viel zu bieten. Grund war auch ein geschicktes Marketing der anderen Länder, die schon früh Kulturgüter für den Export schufen und sich zum Beispiel auf Weltausstellungen geschickt präsentierten. Hinzu kam, dass Japan 1910 das Nachbarland besetzte und kolonialisierte.

Schlechte Voraussetzungen für eine Wertschätzung. Vor ungefähr 100 Jahren aber begannen Sammler wie das Ehepaar Adolf und Frieda Fischer, die Gründer des Museum für Ostasiatische Kunst, auch Korea zu entdecken. Sie legten die Basis für eine der bedeutendsten Kollektionen koreanischer Kunst in Deutschland. Heute werden in Köln rund 400 einschlägige Werke verwahrt. Mit Unterstützung der Korea Foundation wurde mit Leihgaben u.a. aus den Staatlichen Museen Berlin, den Völkerkundemuseen in Hamburg und Leipzig, dem Linden-Museum Stuttgart die Übersicht gestaltet. Die Schau wandert im Anschluss noch weiter nach Leipzig, Frankfurt, Stuttgart.

Die ausgestellten Werke umreißen fast 2000 Jahre. Die ältesten Exponate, Keramik und goldene Ohrringe, stammen aus der Epoche der drei Königreiche (57 v. Chr. – 668 n. Chr.). Den Besucher empfangen zwei monumentale Holzstelen in menschlicher Form, die größere fast drei Meter hoch, sogenannte Dorfwächter, die Siedlungen vor Krankheit schützen und zu guten Ernten verhelfen sollten. Die ausgestellten Stücke aus Berlin aus dem späten 19. Jahrhundert stehen für die Wirkmacht schamanischer Vorstellungen. Ihre Inschriften dienten aber auch praktischen Zwecken als Wegweiser für Reisende.

Großartige Beispiele für koreanische Malerei sind zu sehen. Die Seidenmalerei „Wasser-Mond-Avalokitesvara“ (14. Jahrhundert) hat einiges von ihrer Brillanz verloren, weil die Farben dunkelten. Doch man ahnt noch, wie sehr der Bodhisattva einst geleuchtet haben muss. Wunderbar erzählerisch und in den Farben besser erhalten sind die „Szenen aus dem Leben Buddhas“ (15./16. Jahrhundert). Einer der größten Schätze des Kölner Museums ist der achtteilige Stellschirm mit der „Vornehmen Versammlung im Westgarten“ (1794). In Tusche ist ein legendäres Motiv der koreanischen Literatur dargestellt.

Hinzu kommt eine Auswahl der Keramikarbeiten, die schon früh in die Nachbarländer exportiert wurden. Weinkannen, Schalen und Vasen bestechen durch schlichte Gestaltung. Bronzespiegel zeigen die hohe Kunst des Dekors mit floralen Ornamenten. Und eine meterbreite Landkarte zeigt den hohen Stand der koreanischen Kartographie. Nur in Köln gibt es zum Abschluss einen Blick auf die Moderne mit Nam June Paiks Videocollage „Global Groove“ von 1973.

Bis 17.7., di – so 11 – 17 Uhr, Tel. 0221/ 2212 8608, http://www.museenkoeln.de/mok/

Katalog 25 Euro

Quelle: wa.de

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