Arne Bellstorfs Comic-Roman „Baby‘s in Blck“

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Wie fotografiert man Beatles: Bilder aus Arne Bellstorfs Graphic Novel „Baby‘s in Black“. Die Fotografin ist Astrid Kirchherr, ihr Verlobten Stuart Sutcliffe trägt Brille. ▪

Von Frank Osiewacz ▪ Erst kürzlich bezeichnete Fotografin Astrid Kirchherr in einem Interview den ersten Beatles-Bassisten Stuart Sutcliffe als die Liebe ihres Lebens. Sie habe nie wieder einen solch faszinierenden, liebenswerten und talentierten Mann kennengelernt. Kirchherr und Sutcliffe wurden Anfang der 60er Jahre ein Paar, als die Beatles in Hamburg spielten. Kirchherr verpasste ihm einst die erste Beatles-Frisur. Die Beziehung endete tragisch: Sutcliffe starb im April 1962 an einer Hirnblutung. Illustrator Arne Bellstorf hat die Geschichte des Paares in einem Comic-Roman festgehalten: „Baby‘s in black“.

In sieben Kapiteln auf gut 200 Seiten fasst er eine Dramaturgie zusammen, die das Leben schrieb. Eigentlich habe er nur eine Geschichte über das Hamburg der frühen 60er Jahre und seine Subkulturen erzählen wollen, sagt Bellstorf. In Hamburg lebt der 31-Jährige seit zehn Jahren. In der Recherche stieß er auf die Fotos von Astrid Kirchherr. Sie hatte die frühen Beatles als 22-Jährige erstmals professionell fotografiert und besuchte damals die gleiche Kunsthochschule wie Bellstorf später.

Heute sind die Bilder, die das Quintett unter anderem auf dem Anhänger eines Schausteller-Fahrgeschäfts zeigen, weltbekannt. Bellstorf fand Kontakt zu Kirchherr, und sie erzählte ihm die Geschichte von Astrid, Stu und den Beatles. Und von Klaus Voormann, dem ehemaligen Freund Kirchherrs und späterem Gestalter des „Revolver“-Covers. Drei Jahre inklusive Recherche arbeitete Bellstorf an seinem Bilder-Roman. In klar strukturierten Schwarz-weiß-Bildern hält er die Geschehnisse fest, die ab 1960 den Aufbruch in ein neues Pop-Zeitalter bedeuteten. Die kindlichen Gesichtsformen mögen vordergründig naiv wirken, korrespondieren aber sehr gut mit der Jugend, Unbefangenheit und „Unschuld“, die die Karriere der Beatles zu diesem Zeitpunkt noch prägte. „Ich bin kein naturalistischer Zeichner“, beschreibt Bellstorf seinen Stil. „Mein Ton ist nicht ganz so ernst. Darüber hinaus wollte ich keine Authentizität erzwingen oder rein dokumentarisch arbeiten.“

Stattdessen wählte er eine Bildsprache der Vereinfachung. „Es ist eher ein Spiel mit der Erkennbarkeit der Figuren“, sagt er. Durch die Reduktion und Abstraktion in der Darstellung der Pop-Ikonen schafft er Distanz zu vorhandenen Beatles-Bildern in den Köpfen der Betrachter, erzeugt eine Art Kunstwelt, in der sich die Figuren bewegen. „Die Darstellung in Schwarz-Weiß ist ein Verweis auf Astrid Kirchherrs Bildwelt und ihre ästhetisches Programm“, erklärt der Zeichner seine Farbwahl.

Die Dialoge – teils in englischer Sprache mit Übersetzung im Anhang – kommen auf den Punkt und ergänzen sich perfekt mit Bellstorfs Bildsprache. Oft ist weniger bei ihm mehr, reichen seine Zeichnungen vollkommen für das Kopfkino beim Betrachter. Insbesondere in der Dastellung des tragischen Endes besticht diese Graphic Novel durch ihre Feinfühligkeit ohne Worte.

Arne Bellstorf: Baby‘s in black. The Story of Astrid Kirchherr & Stuart Sutcliffe. Reprodukt Verlag, 214 Seiten; 20 Euro.

http://www.babysinblack.de

http://www.reprodukt.com

Quelle: wa.de

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