Kit Armstrong ehrt beim Klavierfestival seinen Lehrer Alfred Brendel

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Schnurrige Hommage an seinen Lehrer: Kit Armstrong spielte beim Klavierfestival Ruhr. ▪

Von Edda Breski ▪ MÜLHEIM–Was die Phantasie betrifft sind Kit Armstrong und sein Lehrer Alfred Brendel nicht weit voneinander entfernt: Armstrong, 19 Jahre alt, hat ein Klaviertrio zu Ehren seines Lehrers geschrieben, das durchaus geistesverwandt ist den schnurrigen Erzählungen, die Brendel nicht erst seit dem Ende seiner aktiven Pianistenkarriere veröffentlicht.

Das Klavierfestival Ruhr ehrte den Pianisten Brendel zu seinem 80. Geburtstag mit einer kleinen Veranstaltungsreihe in der Mülheimer Stadthalle. Brendel selbst las aus seinen Werken, und Kit Armstrong bestritt neben einem Soloabend einen Auftritt im Trio, für das er ein Auftragswerk komponiert hat. Am Cello saß Brendels Sohn Adrian, Dritter im Bunde war der junge ukrainische Geiger Andrej Bielow. Das Trio spielte ein umfassendes Programm mit Werken von Beethoven und, passend zum Thema des Klavierfestivals, Liszt. Die „Vallée d‘Obermann“ aus den „Années de pèlerinage“ in der Bearbeitung des Komponisten für Klaviertrio war das emotionale Herzstück des Abends. Hier ließ das sorgsam zusammenspielende Trio alle Reserve fahren, schuf aus behutsamer Interaktion ein gefühlvolles, hochdramatisches Stück Seelenerleben. Adrian Brendel ließ mit intensiver Phrasierung aufhorchen und mit einem Ton, so emotional, dass er bis zum Zerreißen gespannt schien. Bielow ist ein Geiger, dem die Emphase über den reinen Ton geht. Armstrong behandelte seinen Part, wie durchweg an diesem Abend, mit Achtsamkeit und Zurückhaltung.

Dem Jubilar ist das Auftragswerk des Klavierfestivals Ruhr „Time flies like an arrow“ gewidmet. Dieser grammatikalisch mehrdeutigen Satz – die ersten drei Wörter können jeweils als Verben benutzt werden – war Kit Armstrong Inspiration für ein Formspiel für Klaviertrio. Aus einer maschinenhaft sich wiederholenden Klavierphrase entwickelt sich ein Hin und Her punktierter Rhythmen und akzentuierter Figuren, die von Geige und Cello aufgenommen werden. Das ist wie beim Händeklappspiel: Wer am schnellsten ist, trifft die Finger des anderen. In Motivstücken umkreisen sich Cello und Geige. Das ist auch ein Spiel mit Zitaten: Im zweiten Teil scheinen die Streicher beständig kurz vor dem Übergang in ein neues Thema zu spielen – Übergänge wie in einer klassischen Sonate, hier perpetuiert. Adrian Brendel zupft swingendes Pizzicatoläufe. Den Ausklang gestaltet Armstrong solo mit weichem Anschlag und suchenden Intervallsprüngen. Das ist geistreich, aphoristisch und ein wenig lang geraten.

Kit Armstrong solo beim Klassiksommer Hamm: Heute, 20 Uhr, Gustav-Lübcke-Museum, Tel. 02381/17 55 15

Quelle: wa.de

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