Armin Rohde spielt den Cyrano in Bochum

Von Elisabeth EllingBOCHUM–Wie sehr liebt Cyrano die schöne Roxane. Wie zart ziseliert er die Worte, die sie verklären. Aber sich ihr offenbaren mit dieser riesigen Nase im Gesicht?

Keine Chance. Armin Rohde spielt am Bochumer Schauspielhaus Cyrano de Bergerac, den großen Dichter, Denker und Degenfechter aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Die romantische Komödie von Edmond Rostand (1899) wird von Katharina Thalbach inszeniert. Während sie das Stück zerfieselt in eine Folge unterschiedlich gelungener Nummern, behauptet Rohde den Cyrano als Kraftprotz, der keinem Hauen und Stechen aus dem Weg geht, der aber mehr noch seinem Wort und seinem Witz vertraut: „Beim nächsten Verse stech‘ ich!“

Rohde stattet den Helden mit einer leicht heiseren Gelassenheit aus, die die eigene Hässlichkeit ebenso schonungslos registriert wie die Schwächen der anderen: die Eitelkeit des Grafen Guiche (Werner Strenger), die naive Koketterie der Nonnen, die Dämlichkeit des gut aussehenden Christian de Neuvillette (Nicola Mastroberardino). Ausgerechnet in den hat Roxane sich verliebt.

Rohdes Cyrano hat tragisches Format, seine Sprechkunst verflüssigt Rostands Reime und lässt sie glitzern. Etwa wenn er von seiner Reise zum Mond fabuliert oder in der Balkonszene: Endlich kann Roxane all die geschmeidigen Schmeicheleien hören, die er für sie erdenkt. Allerdings flüstert Cyrano sie aus einem Versteck Christian zu, der sich zwar tollpatschig, aber erfolgreich mit den fremden Versen schmückt.

Hier beleuchtet der Kontrast zwischen Rohdes Sprachbehandlung und Mastroberardinos hölzerner Reimbetonung das intellektuelle Gefälle zwischen Cyrano und Christian. Während dieser gar nicht begreift, was Roxane an all den schnörkeligen Schwüren findet, bleibt Cyranos schmerzhafter Verzicht spürbar durch allen Slaptstick, zu dem sich die beiden Männer unter dem Balkon verhaken. Doch anschließend lässt Thalbach sie gemeinsam Polices „Roxane“ röhren.

Ähnlich rabiat wird weiterer Klamauk in die Komödie geschraubt: Der Zuckerbäcker und Möchtegern-Poet Ragueneau (Roland Riebeling) rappt mit seinen Gesellen über das Rezept für Zitronentörtchen (Choreografie: Danny Costello). Cyranos Regimentskollegen müssen ihr Imponiergehabe mit Gorilla-Gejohle verstärken.

Auch andere Figuren verflachen unter Thalbachs Regie: Christian ist bloß denkfaul, Roxane (Nadja Robiné) eine affektierte Zicke, die sich die Welt nach ihrem Geschmack zurechtschubst. Das erlaubt ihr das Bühnenbild von Ezio Toffolutti, der vor einen riesenblauen Nachthimmel eine schwarze Treppe und einen schwarzen Kasten stellt. Heraus klappt erst die Bäckerei und später das Kloster, in das sich Roxane nach Christians Tod zurückgezogen hat.

Thalbach will die wortreiche und aufklärerische Eleganz des Stücks umbiegen in einen turbulenten Bilderbogen. Die Fechtszenen bieten schmissiges Metallgeklingel (Choreografie: Klaus Figge), doch die gehören ins Stück. Thalbachs Zutaten hingegen zünden nicht. Eine aufgeregte Reporterin vermeldet eingangs am Rand eines roten Teppichs die vielen Figuren. Eine Tänzerin in Nacktkostüm und steif gestärkter Halskrause führt die Doppelmoral der Zeit vor. Und Cyranos Tod wird von einem schwebenden Double verkitscht zur Mondlandung.

Genau die erfand der Dichter in einem Roman; allerdings ging es da nicht um eine romantische Schwärmerei, sondern um deftige Gesellschaftskritik.

Die Februar-Aufführungen sind ausgebucht (4., 18., 27., 28. Februar), Termine im März werden noch bekannt gegeben.

Tel. 0234 / 33335555; www. schauspielhausbochum.de

Quelle: wa.de

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