Architektur im Olympia-Park Was Hadid, Populous, Hopkins und Co. in London gebaut haben

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Kernstück und Provisorium der Olympischen Spiele: Das Olympiastadion im Londoner Stadtteil Stratford. ▪

Von Jörn Funke ▪ LONDON–Der Osten Londons war lange für alles gut, was eine Millionenstadt zum Leben braucht, aber nicht so gerne vorzeigt: Fabriken, Lagerhäuser, Bahndepots, Kläranlagen und „Big-Brother“-Studios. Das East End galt lange als die schäbige Ecke der Metropole – sie wurde für die Olympischen Spiele gewaltig aufgemöbelt. Mit Milliardenaufwand wurde aus einer Industriebrache ein Olympiapark gemacht.

Gut eine halbe Stunde braucht die Untergrundbahn vom Stadtzentrum ins Olympiaviertel Stratford. Wer vom Bahnhof zum nahen Stadion will, muss erstmal durch das Westfield-Einkaufszentrum, angeblich Europas größtes. Wer zur Rückseite des Olympiaparks reist, nach Bromely-by-Bow, sieht Schnellstraßen und sozialen Wohnungsbau – und kleine Kanäle, die Industrieromantik wie im Ruhrgebiet bieten.

Das „Lower Lea Valley“, der Unterlauf des Flüsschens Lea, war die unwahrscheinlichste Wahl für ein Olympiagelände, aber für London ohne Alternative. Nirgendwo in der Acht-Millionen-Stadt war annähernd genug Platz, um Stadien, Sporthallen und ein Olympische Dorf zu bauen.

Die alte Industriefläche wurde zum Landschaftspark umgestaltet, was auch den Vorteil bot, der Olympiabewerbung die notwenige Portion Nachhaltigkeit zu geben. Damit habe man den Favoriten Paris eingeholt, heißt es heute bei den Organisatioren.

Doch während in der französischen Hauptstadt alle Sportstätten schon standen, musste London alles neu bauten. „Weiße Elefanten“, also riesige Arenen, die später niemand braucht, sollten dabei gar nicht erst entstehen. London setzt auf temporäre Architektur. Ein Teil der Olympiabauten soll nach den Spiele zurückgebaut oder ganz demontiert werden. Zum Beispiel das Olympiastadion selbst.

Der Neubau im Olympiapark ist ein Stahl- und Betonrund für 80  000 Zuschauer, das mit seinen deutlich sichtbaren Trägern und Querverstrebungen an einen Gasometer erinnert. Die Stahlrohe können als Gasleitungen wiederverwendet werden.

Der Entwurf stammt von Populous, einer Architekturfirma aus Kansas City, die seit 1996 im Olympiageschäft tätig ist. Als wohltuenden Gegensatz zu Herzog & de Meurons monströsem Pekinger Olympiastadion wollen die Architekten ihr Werk verstanden wissen – herausgekommen ist eine ziemlich biedere Schüssel. Ob sie später zum kleinen Leichtathtletikstadion umgebaut wird, ist fraglich – zwei Fußballvereine haben Ansprüche angemeldet.

Neben dem Stadion befindet sich der eigentliche Star unter den Olympiabauten: Das Aquatic Centre, die Schwimmhalle von Zaha Hadid. Eine Abneigung gegen rechte Winkel wird der Architektin nachgesagt, und so beugt sich das 3 000 Tonnen schwere Dach der Halle elegant über drei aufeinander folgende Becken. 160 Meter lang und 90 Meter breit ist die Konstruktion, sie ruht nur auf drei Punkten. Auch hier ist ein Rückbau versprochen: die Seitentribünen werden nach den Spielen entfernt, übrig bleibt ein ziemlich schickes Hallenbad.

Ganz erhalten werden soll das Velodrom des Londoner Architekturbüros Hopkins, das 1994 mit dem ländlichen Opernhaus in Glyndbourne bekannt wurde. Die flache Halle des Velodroms fügt sich mit ihrem nach innen gewölbten Dach und den holzverkleideten Wänden elegant in die Parklandschaft ein. Es ist der Gegenentwurf zum überschwänglichen Aquatic Centre, steht der Münchner Olympiaarchitektur näher als dem neuen Londoner Stadion.

Es gibt weitere überzeugende Bauten im Park: Die Handballhalle Copper Box („Waschkessel“), die als kommunales Sportzentrum erhalten werden soll, und die in jeder Hinsicht schräge Wasserballhalle, die wieder abgebaut wird. Temporär ist auch die Basketball-Arena des Londoner Büros Wilkinson Eyre, in die 12 000 Besucher passen. Es gibt dort keinen zentralen Eingang, der Bau ist im Erdgeschoss prinzipiell zu allen Seiten offen. Die Fassade ist mit weißer PVC-Folie überspannt, die dem massigen Klotz ein geradezu leichtes Aussehen gibt.

Bleiben soll das umstrittenste Bauwerk der Londoner Spiele: der Aussichtsturm „The Orbit“. Man brauche etwas, was Paris in den Schatten stelle, soll Bürgermeister Boris Johnson gefordert haben. Der Bildhauer Anish Kapoor entwarf daraufhin eine Art verbogenen Eiffelturm. Das 115 Meter hohe Stahlungetüm steht jetzt etwas verloren zwischen den Sportstätten. Nachhaltig ist er sicherlich nicht.

Die Arenen

Das Olympiastadion ist bereits das dritte in London. Für die Spiele von 1908 enstand im Westen der Stadt das White City Stadium, in dem später Hunderennen veranstaltet wurden; 1985 kam der Abrisshammer. 1948 war das Empire Stadium im Vorort Wembley Austragungsort der Wettkämpfe; das legendäre Stadion wurde 2007 zu einer reinen Fußballarena umgebaut und wird auch bei den aktuellen Spielen dafür genutzt.

Quelle: wa.de

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