Arbeiten von Martin Noel in Iserlohn

+
Hommage an Pele in der Villa Wessel in Iserlohn: Martin Noels Arbeit „Edson Arantes do Nascimente“ (1994).

Von Marion Gay ISERLOHN - Wie bunte Rauchzeichen steigen die Kringel ins Weiß. Rot und Schwarz, aber vor allem Blau in vielen Schattierungen. Zum Teil überlagern sich die Farben. Das Bild ohne Titel malte Martin Noel in 2010, kurz bevor er an einem Hirntumor starb.

Die Arbeit gehört zur Retrospektive „… wenn es nicht so weit wäre“ mit rund 100 Werken des Bonner Künstlers, präsentiert vom Kunstverein Villa Wessel in Iserlohn. Die Ausstellung findet statt in Kooperation mit Margarete Noel, Witwe des Künstlers.

Zu sehen sind stille, minimalistisch-abstrakte Holz- und Linolschnitte, darunter die komplette Serie „John“ (1997 – 1999), bestehend aus 63 kleinformatigen Drucken. Es sind schwarze Linien oder Flecken auf farbigem Grund, Verästelungen oder Risse. Sie erinnern an Muster, die an Fassaden alter Gebäude zu finden sind, an Aufplatzungen im Pflaster, zufällige Kratzer, Sprünge in Fensterscheiben oder Reste von Graffitis.

Vor allem auf Reisen hielt Noel nach unscheinbaren Auffälligkeiten Ausschau, fotografierte Schatten und Unregelmäßigkeiten, hielt Strukturen in Skizzenbüchern fest. So bezieht sich die Arbeit „S. Marta“ (1990) konkret auf einen Ort in Venedig, wo Noel in jenem Jahr ein Aufenthaltsstipendium des Bundesinnenministeriums hatte. Im Ockergelb erscheinen zwei schwarze Formen, wie Risse im Mauerwerk.

Noel, geboren 1956 in Berlin, studierte freie Grafik und Malerei an der Fachhochschule Köln und erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, seine Arbeiten wurden in internationalen Einzelausstellungen gezeigt.

In einem Nachruf der FAZ hieß es, Noels Zeichnungen „erzählen von einer seltenen Fähigkeit, sich hinein zu fühlen in die Wirkung von Linien, Kreisen, Flächen und allen Formen von Sichtbarkeit…“. Rätselhaft wirkt auch der Holzschnitt „Edson Arantes do Nascimente“ (1994). Der Titel bezieht sich auf den ehemaligen brasilianischen Fußballspieler Pélé, zu sehen ist eine helle Form, die mit zwei Schleifen ins Schwarz ragt.

Eine Serie von Holzschnitten ist dem Künstler Otto Freundlich gewidmet, der bereits 1911 erste abstrakte Kompositionen schuf. So schneidet Noel in der Arbeit „Otto Nr. 19“ (2003) das Material so aus dem Holzträger, dass zwei längliche Flächen entstehen. Angestrichen in Rot-Orange, erinnern sie an Stoffbahnen oder Streifen einer Markise. Bei „Otto Nr. 47“ (2003) leuchtet die orange-rote Form wie eine Vier aus dem hellen Holz.

Dagegen ist die großformatige Holzschnittarbeit „San Siro“ (1991) eher organisch. Der Titel verweist auf den ersten Bischof von Pavia, während die schmalen schwarzen Linien vage eine Kopfform andeuten, mit Ohren und Haarstruktur.

Bis 29.3.; di – fr 15 – 19, sa 12 – 16, so 11 – 17 Uhr;

Tel. 02371/14238

www.villa-wessel.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare