Arbeiten des Malers Claude Viallat in Bochum

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Ein Gemälde der anderen Art: Claude Viallats Werk ohne Titel (2011) ist in Bochum zu sehen.

Von Marion Gay BOCHUM - Was früher als Militärzelt im Einsatz war, ist jetzt Malgrund. Kartoffelähnliche Formen überziehen die Stoffwand, dazu ein paar rote und grüne Streifen, ein blaues Dach. Nun erinnert das Gebilde an ein Zirkuszelt. Claude Viallat bevorzugt gelebte Stoffe statt traditionelle Leinwand. Stoffe mit Geschichte. Stoffe mit Zukunft.

Die Stiftung Situation Kunst präsentiert im Bochumer Kubus im Parkgelände von Haus Weitmar rund 40 Arbeiten des französischen Malers, der als einer der wesentlichen Vertreter der französischen Support/ Surface-Bewegung gilt. Zwischen 1966 und 1974 stellten Künstler wie Bernard Pages und André-Pierre Arnal die konventionellen Möglichkeiten der Malerei in Frage, suchten neue Themen und Motive und vor allem neue Techniken und Materialien.

Die Ausstellung mit dem Titel „Der Stoff der Malerei“ zeigt Arbeiten aus den letzten 25 Jahren. Während der Künstler in Frankreich und international in vielen wichtigen Museumssammlungen vertreten ist, ist sein Werk in Deutschland noch nahezu unbekannt. Auffällig ist Viallats radikale Reduktion auf Farbe und nur eine einzige Form, die er seriell per Schablone aufbringt. Etwas zwischen Pantoffeltier, Kartoffel und Fußabdruck, eine längliche, leicht geschwungene Form, die meist farbig umrandet und manchmal nur als Umriss vorkommt.

Gleichzeitig wandte sich Viallat von den vorgrundierten Standard-Leinwänden ab und nutzte alle nur erdenklichen Stoffe als Malgrund. So ist die pink-weiß-blaue Arbeit von 1988 auf Möbelstoff gemalt. Wie bei den Musterbögen im Möbelhaus lässt sich ein Stoff zur Seite klappen, darunter befindet sich eine neue Farbkombination. Der 1936 in Nimes geborene Künstler empfindet es als Herausforderung, Stoffe zu verwenden, die man ihm gibt oder die auf interessante Art zu ihm kommen. So zerlegte er eine Stofftasche, setzte seine grünlichen Formen darauf, malte den Rest violett. Lederbänder und Ösen geben noch Hinweise auf die frühere Verwendung, ansonsten sieht das Werk jetzt aus wie ein Kreuz (ohne Titel, 2005).

Der fleischrosa Vorhangstoff mit Rüschen ist ein Fundstück von einem Flohmarkt in Marokko. Überzogen mit schrill-rosa Formen ist das Werk (ohne Titel, 2004) ein Angriff auf Augen und Geschmack. Er habe neuerdings eine Faszination für Kitsch, erklärt der Künstler. Dazu passt die aktuelle Arbeit auf schillernden Paillettenstoff. Hier wirken die weißen Formen wie Lichtflecken, der Stoff vibriert und schimmert vor Augen.

„Cape Chinito“ (2012) war einmal der Umhang eines Toreros. Jetzt flattert ein gelber Stoffrest wie eine Fahne aus dem ovalen Gebilde, das Muster aus roten Formen wirkt angriffslustig und zugleich verspielt. Eine andere Arbeit ist unschwer als ehemaliger Sonnenschirm identifizierbar.

Fast alle Werke haben Knickspuren, die für Viallat wichtig sind, da sie auf die Zukunft verweisen. Es gehört für ihn zum Prozess, die Arbeiten nach Ende der Ausstellung zusammenzufalten. So lagern sie im Atelier, warten auf die nächste Entfaltung.

Eröffnung Freitag, 18 Uhr

Bis 19. 1.2014

Mi-Fr 14 bis 18 Uhr, Sa, So 12 bis 18 Uhr

Tel. 0234/2988901

www.situation-kunst.de

Katalog 20 Euro

Quelle: wa.de

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