Antonio Marras Bilder im Fritz-Winter-Haus

„Aussage gegen Aussage“ (2010) nennt Antonio Marra sein Gemälde, das in Ahlen zu sehen ist.  -  Foto: Gay

Von Marion Gay - AHLEN–Ein geschwungenes, schwarz-weißes Zebramuster zieht sich über die Leinwand. Oder doch nicht. Eher ist es eine grell-bunte, klar geometrische Linienkomposition. Oder vielleicht beides?

Das Bild „Da kommt was ins Rollen“ (2011) verwirrt – je nach Blickwinkel zeigt es ein völlig anderes Motiv. Es ist eine von 45 aktuellen Arbeiten des in Offenbach lebenden Künstlers Antonio Marra, unter dem Titel „Bilderwandel (Ein Bild – 3 Variationen)“ zu sehen im Ahlener Fritz-Winter-Haus.

Der Titel sagt es: Jedes Gemälde hat drei oft vollkommen unterschiedliche Erscheinungsvariationen.

Der Künstler, nicht nur Maler sondern auch Diplom-Geometriker, hat ein ausgeklügeltes, komplexes System von plastischen Strukturen entwickelt. So trägt er eine Schicht von Zellulose auf die Leinwand auf, die er anschließend mit der Rakel durchkämmt, so dass ein Rillenrelief entsteht. Nun hat sich die Malfläche praktisch verdoppelt, er kann zum Beispiel eine Seite grün malen, die andere rot. Wechselt der Betrachter seinen Standpunkt, verändert sich auch das Bild.

Besonders deutlich wird das im Gemälde „Wenn der Maler sich aufschwingt, erlahmen die Pinsel“ (2011). Hier hat Helga Gausling, Leiterin des Fritz-Winter-Hauses, seitlich einen Spiegel angebracht. Während anscheinend eine geometrische Komposition aus drei roten Farbflächen an der Wand hängt, lässt sich im Spiegel etwas wie eine rot-grün-blau gesprenkelte Blumenwiese erkennen.

Marra, der 1959 in Neapel geboren wurde, plant seine Motive mathematisch genau. Manchmal sind noch die dünnen Konstruktionslinien in Bleistift vorhanden. Akribisch füllt er die filigranen, nur wenige Millimeter breiten Flächen mit Farbe. Dabei arbeitet er im Liegen, muss sein Bild ständig von der Mitte und den Seiten kontrollieren, ob das geplante Muster noch stimmt.

Im Bild „Aussage gegen Aussage“ (2010) vibrieren die Grün- und Blautönen, die ein Gitter aus intensivem Rot in Schach hält. Von rechts betrachtet verwandelt sich das Bild in ein Zickzackmuster. Von links ist es dagegen eine klare Komposition aus diagonalen Streifen.

Das Thema „Wechselbild“ ist nicht neu in der Kunstgeschichte. Bereits im Frühbarock gab es in Kirchen beispielsweise Madonnen-Bildnisse, die je nach Position des Betrachters andere Anblicke zeigten. Marra jedoch erhebt das Prinzip der wechselnden Perspektive zum Mittelpunkt seiner Malerei. Es geht ihm dabei nicht um das Motiv, sondern um drei Motive und ihre unterschiedliche Farb- und Formwirkung, um die Bewusstwerdung von Sehen und Erkennen und damit auch immer um das Moment der Überraschung.

Daher sind die neuesten Arbeiten des Künstlers nur konsequent: Es sind zwei bunt bemalte Säulen (2013), um die es sich herumgehen lässt. In der Bewegung verändert sich das Objekt. Mal dominieren Streifen, mal eher Kästchen, die Farben flimmern und tanzen vor Augen.

Eröffnung am Samstag, 23. März, 15 Uhr; bis 31. Mai, di, mi, sa 15 – 18 Uhr, so 11 – 18 Uhr;

Tel. 02382/ 61582

www.fritz-winter-haus.de

Quelle: wa.de

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