Antonio Marra, Raimund Göbner in Ahlen

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Doppelpräsentation: Vor dem Gemälde „Ohne Rotwein würde die Malerei arm“ (2013) von Antonio Marra ist die Skulptur „Kajak“ (2015) von Raimund Göbner in Ahlen zu sehen.

AHLEN Wie eine Gebirgslandschaft türmen sich die rot-pink-lila-orange-gelben Flächen übereinander. Die Mitte leuchtet wie im Sonnenlicht, flimmert fast neonfarben, der untere Teil hält sich in gedeckten Tönen zurück. Das Bild „Hohe Schuhe, Langeweile oder in den Armen einer vernünftigen Frau“ (2014) von Antonio Marra ist ein Angriff auf die Sehnerven.

In der Ausstellung „Eine kontrastreiche Begegnung“ treten im Ahlener Fritz-Winter-Haus die Bilder des 1959 in Neapel geborenen Marra in einen spannungsvollen Dialog mit den bunten Holzskulpturen von Raimund Göbner. Die rund sechzig Arbeiten entstanden hauptsächlich in den letzten drei Jahren. Die beiden Künstler stellen oft gemeinsam aus.

Bereits 2013 präsentierte das Fritz-Winter-Haus die beeindruckenden und farbintensiven Werke des in Offenbach lebenden Marra in einer Einzelschau. Der Maler und Diplom-Geometriker mischt Elemente des italienischen Fauvismus, Impressionismus und der Konkreten Kunst und entwickelte ein komplexes System von plastischen Strukturen.

Schichten von Zellulose trägt er auf die Leinwand auf und durchkämmt sie mit der Rakel, so dass ein Rillenrelief entsteht. Dadurch verdoppelt sich die Malfläche, verschiedene Farben lassen sich auf die beiden Seiten der Rillen auftragen. Wechselt man den Standpunkt, verändert sich auch das Bild, es flimmert und vibriert und scheint sich mit dem Betrachter zu bewegen.

Deutlich wird das zum Beispiel bei „Und genau hier beginnt das Problem“ (2013). Von vorn betrachtet zeigt es ein Muster aus schwarz-weißen Querstreifen, durchzogen von orangen, gelben und grünen Längsstreifen. Von links gesehen verschwinden die farbigen Linien vollkommen, das Muster ist klar reduziert in Schwarz-Weiß.

Das Thema „Wechselbild“ ist nicht neu in der Kunstgeschichte. Bereits im Frühbarock gab es in zahlreichen Kirchen beispielsweise Madonnen-Bildnisse, die je nach Position des Betrachters andere Anblicke zeigten.

Freche Impulse setzen die Skulpturen des 1969 geborenen Raimund Göbner aus Donauwörth, die Momente des menschlichen Alltags zeigen. Es ist das erste Mal, dass figurative Arbeiten im Fritz-Winter-Haus zu sehen sind. Meist sind die gedrungenen Holzfiguren in der Bewegung gefangen, im Laufen, Staubsaugen, Fahrrad- oder Autofahren. Da ist etwa die „Grüne Ente“ (2014), grob aus Lindenholz geschnitten und mit Tempera und Bleistift bemalt. Die Insassen schauen aus dem Verdeck heraus und sind gleichzeitig auf die Windschutzscheibe gemalt. Der Mann im schwarzen Anzug klemmt im Reifen („Hamsterrad“, 2014), während der Mann im offenen Hawaiihemd Paddel und Boot festhält („Kajak“, 2013).

Bis 16. August; di, mi, sa 15 – 18 Uhr, so 11 – 18 Uhr und nach Vereinbarung; Tel. 02382/ 61582; www.fritz-winter-haus.de

Quelle: wa.de

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