Big Day Out in Anröchte mit Kraftklub und Jan Delay

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Enthusiastisch und voller Hingabe: Felix Brummer von der Band Kraftklub tanzt und feiert mit den Fans in Anröchte. Das Big-Day-Out-Festival war ein großer Erfolg und bereits zum achten Mal das Rock-Pop-Spektakel im Kreis Soest.

ANRÖCHTE - „Liebe Big-Day- Out-Gemeinde, ich stehe total auf Festivals, die man für die Vielfalt des Line-Ups einfach gern haben muss. Ob Rock, Hip-Hop oder Funk – es geht doch darum, dass wir hier gemeinsam ausrasten und die beste Zeit unseres Lebens haben!“ Sandra Nasic beschrieb den rund 7000 Musikfans auf dem Anröchter Rathausplatz – eine offizielle Besucherzahl wurde nicht genannt –, worauf es in ihren Augen bei einem perfekten Musikfestival ankommt.

Bei der achten Auflage des Big-Day-Out-Festivals war die Frontfrau der Göttinger Rockband Guano Apes somit genau richtig: Mit Kraftklub, Farin Urlaub, Jan Delay, den H-Blockx und K.I.Z reihten sie und ihre Band sich in ein perfektes Band-Crossover ein.

Besonders deutlich wurde diese musikalische Vielfalt am Freitag, dem ersten der beiden Festivaltage: Bereits um 16.30 Uhr – nach den Auftritt von Radio Havanna – drängten sich die Festivalbesucher vor der Mainstage. Der Grund, warum der Rathausplatz aus allen Nähten platzte: die H-Blockx – die musikalische Personifikation des Big Day Outs. „Gemeinsam mit Farin Urlaub haben wir vor vielen Jahren die Schlauchdusche beim Big Day Out in Anröchte erfunden. Der heutige Tag beweist: Es hat sich nichts verändert – ihr seid die Geilsten!“, erinnerte sich Frontmann Henning Wehland an sein erstes Big Day Out. Im Anschluss beschenkte er – mit Unterstützung der Anröchter Feuerwehr – die tausenden Fans mit eben einer solchen Schlauchdusche.

„Für uns ist dieses Festival eines der wichtigsten in Deutschland. Auch in Zeiten des Internets geht es doch immer noch darum, live zu spielen und gemeinsam zu feiern. Das war damals mit 400 Leuten vorm Rathaus so und so ist es auch heute“, so Wehland.

Auf der Hauptbühne folgte das Berliner Hip-Hop-Quartett K.I.Z. Vor sechs Jahren standen sie erstmals auf der Big-Day-Out-Bühne. Lyrisch haben sich die Rapper gewandelt. An diesem Freitagabend dröhnten einige sozialkritische Stücke wie „Hurra die Welt geht unter“, oder „Boom Boom Boom“ aus den Verstärkerboxen. Aber auch ihre satirische Facette hatten sie mit in die 10 000 Einwohner Gemeinde im Kreis Soest gebracht. Zum Klassiker „Hahnenkampf“ artete sogar eine fedrige Kissenschlacht im Publikum aus.

Der offizielle Headliner des Abends, Jan Delay, vollzog am Ende des Abends die größte Entführung der Big-Day-Out-Geschichte. Er packte sich die tausenden Feierwütigen und stattete „Wacken“ einen Besuch ab – zumindest musikalisch. Nachdem man nach ein paar Minuten nach Anröchte „zurückgekehrt“ war, ging die Reise durch die typisch Delay’sche rosa Glitzerwelt. Auch zu Klängen der Red Hot Chili Peppers und Macklemore brachte er die Meute zum tanzen.

„Am goldenen Firmament, auf der Suche nach ‘Action’, fanden wir Anröchte. Nun lasst uns zusammen übertrieben eskalieren“, forderte der Hamburger die Fans auf. Übertrieben eskaliert wurde dann zu Klassikern wie „Klar“, „Oh Jonny“, „Irgendwie, irgendwo, irgendwann“ und Songs seiner aktuellen Platte „Hammer und Michel“. Zu den Klassikern gehörte auch „Feuer“.

Nach Auftritten von Awaiting Downfall, Past MD, La Confianza, den Killerpilzen, Kapelle Petra, Betontod, Zugezogen Maskulin und Heisskalt brachten die Guano Apes die Menge vor der Hauptbühne am Samstagabend endgültig in Feierlaune: Die Rockband aus Göttingen hatte am Vorabend noch ein Konzert in Slowenien gespielt – der Auftritt in Anröchte war eine Herzensangelegenheit: „Die Guano Apes waren eine der Bands, die 1998 den Big-Day- Out-Grundstein gelegt haben. Sie sind uns immer treu geblieben“, versprach Dirk Epping, Vorsitzender der Jugendzentrums Initiative (JZI), vor dem „Apes“-Konzert. Er sollte recht behalten: Sängerin Sandra Nasic trat gewohnt energiegeladen auf die Bühne und brachte die Masse zum Ausrasten. Titel wie „Big in Japan“, „Lord of the Boards“ und „Open Your Eyes“ standen auf der Setlist.

Der Auftritt des Headliners Kraftklub war zum Abschluss der achten Festival-Auflage eine Geschichte für sich. Rückblick: Samstag, 6. August 2011 – eine Newcomer-Band namens Kraftklub betritt die Nebenbühne des sechsten Big-Day-Out-Festivals in Anröchte, das nunmehr alle zwei Jahre stattfindet. Damals hatte das Quintett aus Chemnitz noch nicht einmal sein erstes Album veröffentlicht. Vier Jahre später – am 1. August 2015 – spielten Kraftklub erneut auf dem Anröchter Rathausplatz. Doch nun standen sie als Headliner des Festivals auf der Hauptbühne und das (nach 2013), bereits zum zweiten Mal.

Als Frontmann Felix Brummer die Fans auf dem restlos gefüllten Rathausplatz fragte, wer bereits 2011 bei ihrem ersten Auftritt dabei gewesen sei, gingen hunderte Hände in die Luft. „Da müssen einige Leute lügen. So viele waren damals insgesamt gar nicht vor der Bühne“, scherzte der Bandleader.

Vor ihrem Auftritt am Samstagabend, mischten sich die fünf Musiker selbst unter die Fans. Nach einer Runde Flunkyball „im Garten eines Reihenhauses in Anröchte“ posteten sie auf ihrem Instagram-Account ein Bild mit der Unterschrift „auch mal den Hampelmann in der Wall of Death machen. Sorry“, und richteten dies an die Band Zugezogen Maskulin, deren Auftritt sie zuvor besucht hatten. Zugezogen Maskulin spielten auf der kleinen Festival-Bühne, so wie Kraftklub bei ihrem ersten Big Day Out.

Tausende Fans jubelten euphorisch, als die ersten Töne des Headliners aus Chemnitz dröhnten. Sie konnten jede Textzeile des Opener-Songs „Für immer“ mitsingen. Felix Brummer zeigte sich überwältigt: „Das ist der absolute Wahnsinn!“

Zum Song „Deine Gang“ brachten sie die Fans in Ekstase: Mit einem mobilen Gerüst fuhren sie durch das Publikum. Zurück auf die Bühne ging es in einer ganz speziellen Fortbewegungsmethode. „Wir sind die Erfinder des Wett-Crowdsurfens – ihr seid dafür verantwortlich, dass es hier schnell weitergeht“, so Brummer zu den Fans, die die Musiker auf den Händen zurück auf die Bühne tragen sollten. Das „Rennen“ gewann der Frontmann.

Zur Beatles-Version von „Songs für Liam“ regnete es Konfetti, und die Chemnitzer sorgten für einen perfekten Abschluss. Das Veranstalter-Team der JZI strahlte nach dem Kraftklub-Auftritt und dem Ende der achten Veranstaltungsauflage pure Glückseligkeit aus: „Alle Bands waren ebenfalls zufrieden und haben mit ihrer guten Stimmung das Publikum angesteckt“, sagte Mitorganisatorin Franziska Pollei.

Daniel Schröder

Quelle: wa.de

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