Andreas Beck begeistert mit Solo-Abend „Helden wie wir“ in Dortmund

Der Held der Grenzöffnung: Andreas Beck spielt Klaus Uhltzscht in „Helden wie wir“. Foto: Hupfeld

Dortmund – Die Wahrheit über die Maueröffnung, nicht weniger verspricht uns dieser Klaus Uhltzscht, der so normal vor uns hintritt. Er war es, der die Grenzöffnung zustande brachte, mit runtergelassener Hose vor der Kontrollstelle.

Thomas Brussigs satirischer Mauerfallroman „Helden wie wir“ wird im Studio des Theaters Dortmund zum hinreißenden Bühnensolo von und mit Andreas Beck. Er verwandelt sich in diesen so verklemmten, von Minderwertigkeitsgefühlen gedrückten, aber auch überschwenglichen, großmäuligen Uhltzscht. Er hat das schon einmal gemacht, vor 25 Jahren an seiner ersten Berufsstation in Eisleben. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls bringt er das noch einmal auf die Bühne, in 80 herrlich unterhaltsamen Minuten.

Brussig hatte mit Uhltzscht eine Simplicissimus-Geschichte mit DDR-Biografie überblendet. Klaus ist ein angepasster Junggenosse, der mit dem real existierenden Sozialismus weniger Probleme hat als mit seiner Sexualität. Kein Wunder: Der Vater, der offiziell im Außenhandel arbeitet, gehört tatsächlich zur Stasi. Und da landet natürlich auch der Sohn, der mit Umsturz, Revolution und Wiedervereinigung aber auch gar nichts am Hut hat. Es geschieht ihm einfach nur so, wie Brussig in seiner Geschichte zeigt, die sehr hübsch das Politische mit dem Erotischen verbindet. Am Ende ist es eine Macho-Pose, ein Schwanzvergleich, der das System sprengt.

Beck spielt, führt Regie und hat sogar sein Bühnenbild mit Elizaweta Veprinskaja entworfen. Da steht ein Spind, am Rand mit einem schwarz-rot-goldnen Streifen gesäumt, wie ein Grenzpfahl. Daneben ein Stuhl. Mehr braucht Beck nicht. Er verwandelt sich, mal in den kleinen Jungen, der vom Vater als Versager gescholten, von der überbehütenden Mutter getröstet wird. Da wird der Spind gekippt zum Tisch. Beck spricht Vater, Mutter, Kind. Und da genießt man alle Nuancen seiner Sprechkunst. Wie er die Mutter das „sexy“ mit dem weichen, stimmhaften „S“ intonieren lässt. Wie er den peinlichen Moment seiner ersten Erektion einfängt, wo die Mutter an der Toilettentür rüttelt – warum ist die abgeschlossen?

Später gibt er den mit ihren Größen protzenden Kameraden in der Ausbildung Stimmen, neben denen er nur der „kleine Trompeter“ ist. Und lässt den sächselnden Oberleutnant Eulert die „Negation der Negation“ erklären. Und den besoffenen Major lallend verraten, warum Eulert als Spitznamen „Unterschrift unleserlich“ trägt.

Manchmal kommen die Mahnungen der Mutter aus dem Off, als Stimme gewordener Komplex. Oder ein Mann nuschelt Stasi-Aufträge, Anke Zillich und Uwe Schmieder erledigen das souverän. Und dann wieder reicht es, dass Beck einen Hut und einen Mantel auf dem Stuhl arrangiert, um zu verraten, welchem Staatsratsvorsitzenden Uhltzscht mit einer Blutspende das Leben rettete.

Dieser ebenso unterleibsfixierte wie komische Text ist wie für Andreas Beck gemacht. Hier wird die Einheit mit befreiendem Lachen gefeiert.

7., 25.12.,

Tel. 0231/ 50 27 222, www.theaterdo.de

Quelle: wa.de

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