Alvin Ailey Companie in Köln beim Sommerfestival

+
Symbiotische Beziehung: Der Pas de deux aus der Choreografie „Lift“, die Aszure Barton mit dem Alvin Ailey American Dance Theater einstudiert hatte, ist in der Kölner Philharmonie zu sehen.

Von Achim Lettmann -  KÖLN Die Tänzer zeigen vor allem ihre Rücken. Sie stehen nebeneinander auf der Bühne der Kölner Philharmonie vom Publikum abgewandt. Ihre Körper nehmen den Rhythmus der perkussiven Musik Curtis MacDonalds auf. Zu sehen sind ihre Rückenmuskeln, wie sie kontrahieren, sich strecken, bündeln und formen.

Dieser wirkmächtige Minimalismus erstaunt. Die aktuellste Choreografie der Alvin Ailey Company aus den USA ist am Anfang eine Body-Performance. „Lift“ (2013) nennt sie Aszure Barton, der erstmals ein Auftragswerk zusammen mit dem American Dance Theater entwickelte. In Köln feierte diese Arbeit Europapremiere.

Die Tanzcompanie Alvin Ailey American Dance Theater war bereits 2011 am Rhein. Sie steht für Bühnenereignisse, die alljährlich das Kölner Sommerfestival aus dem Veranstaltungskalender herausheben. Zur 27. Auflage der Festivalreihe zeigt die Formation aus New York ein zweigeteiltes Programm, bei dem vor allem „Gastspiel B“ Premieren bietet. Mit „Lift“ wird demonstriert, wie intensiv Direktor Robert Battle daran arbeitet, das Repertoire des Dance Theaters zu erweitern. „Lift“ ist eine ungemein souveräne Choreografie, die aus Rhythmusfolgen und -wechseln der Percussionschläge Körperbewegungen letztlich aus dem Trommelschlag an sich entwickelt. Choreograf Aszure Barton erinnert mit „Lift“ an das Erbe Alvin Aileys (1931–89), den Gründer der Company, der die afroamerikanische Kultur im Tanz bewahren wollte. Der Rhythmus von „Lift“ lässt an schwarzafrikanische Tänze denken, wenn sich Männer zu einer Stammesgruppe formieren, und wenn sie in der Bewegung ihre Selbstbestimmung finden. Diese Bewusstwerdung des afroamerikanischen Ursprungs ist in „Lift“ auch eine coole Show, weil glänzende Muskeln zu Schau gestellt werden, und weil später die Frauen herrlich braundurchwirkte Röcke und goldfarbene Haarreifen tragen.

Zur Rhythmusspur meldet sich ein dunkles Saxophon. Der Bühnenhintergrund ist in rotes Licht getaucht. Ein Paar zeigt einen symbiotischen Tanz. Sie legt den Kopf auf seine Brust, beide suchen eine gemeinsame Schrittfolge. Anstrengung ist spürbar und der Eindruck, dass es zur Zweisamkeit keine Alternative gibt. Am Ende kommt die 19-köpfige Company zusammen. Die Tänzerinnen klopfen rhythmisch auf ihre Oberschenkel. Ihre stampfenden Schritte wechseln mit Ballettfiguren ab, wieder findet sich eine Gruppe, auch weil Einzelne mit ihrer Klasse herausstechen und die Formation immer wieder schließen. Das ursprünglich Gemeinsame des Tanzes wird als frühe soziale Kraft gefeiert.

Erstmals ist in Deutschland auch Bill T. Jones Choreografie „D-Man in the Waters (Part I)“ von 1989 zu sehen. Zur Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, Oktett für Streicher in Es-Dur, op. 20, stellt sich eine Gruppe in einer Reihe auf und sucht immer wieder die Linie zueinander. Sie suchen immer das Miteinander. Einmal tanzt ein Mann zwischen vier Frauen, die er nacheinander in der gleichen Fallbewegung hält und wieder aufrichtet. Oder zwei helfen beim Fortkommen eines Dritten. Sie geben alles, mit Tempo rutschen, springen, laufen und rollen sie auf die Bühne. Dabei bleiben sie aufrecht und heiter, auch Unregelmäßigkeiten können ihre Leichtigkeit nicht stoppen. Dass die Formation grün-gelbe Khaki-T-Shirts und Hosen tragen, erinnert an militärische Einheiten und Soldaten.

Ein verrückter Bewegungsclip ist „Takademe“ (1999) von Robert Battle. Dem rhythmischen Silbengesang von Sheila Chandras folgen die Hände, Arme, Füße, Beine, Ton für Ton, Silbe für Silbe, so dass ein Stakkato an Bewegungen entsteht. Das ist ganz spielerisch und selbstsicher getanzt, denn erst folgt der Tänzer den Sprechtönen, dann interpretiert er sie und dass es mal getrieben aussieht, scheint auch gewollt. Etwas zum Staunen.

Der Repertoire-Abend in Köln wird von dem herrlich fröhlichen „Arden Court“ (1981) von Paul Taylor eröffnet – auch erstmals in Deutschland. Zur Barockmusik von William Boyce gelingen große Tanzfiguren des Modern Dance, die unprätentiös, aber mit Eleganz vorgeführt werden. Lebensfreude, Optimismus pur.

Der Tanz

Perfekte Körper zeigen afroamerikanische Rhythmen, kuriose Choreografien und herrlich fröhliche Tänze zu klassischer Musik.

Alvin Ailey American Dance Theater in der Kölner Philharmonie.

Bis 27. Juli, Programm B

Kölnticket: 0221 /28 01;

Philharmonie: Tel. 0221/204080

www.koelnersommerfestival.de

Quelle: wa.de

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare