African Angels: Der Chor der Cape Town Opera im Konzerthaus Dortmund

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Zwischen Oper, Traditional und Jazz: Der Chor der Oper Kapstadt tourt unter dem Namen „African Angels“ und war jetzt im Konzerthaus Dortmund zu erleben.

Von Edda Breski DORTMUND - Um die Wucht von Musik haben die alttestamentarischen Propheten gewusst: wie Musik erhebt und zerstört, wie sie die Anbetung fördert und bei Bedarf die rechte Gottesfurcht einflößt.

Aus den Kehlen der 18 Sängerinnnen und Sänger der „African Angels“ steigen die Mauern von Jericho empor als ein flirrender, schimmernder Akkord, ein großes Crescendo, eine herrliche Verkündung des Hochmuts, der sich spektralisierend auflöst. Das Werk ist vollbracht.

Die Südafrikaner waren zu Gast im Konzerthaus Dortmund. Hinter dem, wohl auf die bunte Werbewelt schielend entworfenen, Titel „African Angels“ verbirgt sich der wunderbare Chor der Oper von Kapstadt, eine Gruppe klassisch geschulter Sänger, die Verdi ebenso meistern wie Spirituals und Jazz. Seit drei Jahren ist der Chor mit seiner eigenen Musik-Show auf Tournee, er bespielt renommierte Konzerthallen von der Berliner Philharmonie bis zum Münchner Gasteig. Die „African Angels“ sind Musikbotschafter ihrer Ausbildungsstätte, der Cape Town Opera, bestens geschult unter ihrem musikalischen Leiter José Dias, der sie während der Shows am Klavier begleitet. Sie sind hoffnungsvolle schwarze Talente – es gibt bisher nur ein weißes Mitglied, eine Altistin – die die Tourneen mit den „African Angels“ nutzen, um sich im internationalen Markt bekannt zu machen.

Die Sänger sind sattelfest in Oper und traditionellem afrikanischen Lied, in Jazz und Pop, sie können in einer einzigen Phrase klassisch rein singen, dann Bluesnoten einfügen und mit einem poppigen Schnörkel enden. Die Ausdrucksreichtum der Gruppe ist so umwerfend wie die Energie der 18 in den durchchoreografierten Nummern, die sie singen.

Es gibt den Margarethenwalzer von Gounod und das hymnische „Come colours rise“ des südafrikanischen Komponisten Grant McLaghlan. Händels „Hallelujah“ geht über in Miriam Makebas „Pata Pata“. Nach „Oh when the saints“, das die Sänger herausjubilieren, schalten sie blitzschnell um und singen den Gefangenenchor aus „Nabucco“, aber nicht kraftvoll oder trotzig, sondern ernst und hoffnungsvoll. Ein toller Chor, der einen kompakten, differenzierten, leuchtenden Klang bieten kann wie in der Osterhymne aus „Cavalleria Rusticana“. Der Sopran kommt, wie alle Solisten des Abends, aus den eigenen Reihen, alle Solisten erleben ihre Rollen tief.

Es ist ein gefühlvoller Abend: Die „African Angels“ singen eine Hommage an Mandela, den Anti-Apartheid-Song „Weeping“ und vierstimmig eine ergreifende Version von Marta Keens „Homeward Bound“. Ironie als Stilmittel kommt nicht vor. Die Musik mit ihrer Kraft, so die Botschaft, muss ernst genommen werden. Dann funktioniert auch ihr Humor.

Die „African Angels“ spielen mit dem Repertoire, denn natürlich wissen sie, dass sie im Publikum kognitive Dissonanzen erzeugen, wenn sie mit traditionell gemusterten Hemden und Ketten, mit einer gigantischen, poppiggelben Blume als Accessoire „Fidelio“ singen. Darauf folgt ein traditioneller Song, den sie aber im klassischen Chorsatz beenden. Solche Details machen Freude. Ein Spaß ist „Im Feuerstrom der Reben“ aus der „Fledermaus“ zum Schluss – Champagnerlaune auf Xhosa verlangt den sehr diktionssicheren Sängern einiges an Konzentration ab.

José Dias am Flügel leitet den Chor samtweich von einem Stil in den nächsten, bereitet mit einer schattig-kühlen Einleitung einen Popsong vor und ebnet gelassen den Weg in die großen Werke der Opernchorliteratur.

Die Cape Town Opera war in den vergangenen 25 Jahren auch international mit einer Produktion von „Porgy and Bess“ unterwegs. Die Rollen dürfen, wie Gershwin selbst verfügte, nur von schwarzen Sängern aufgeführt werden. Die Sopranistin Ernestine Stuurman trägt „Summertime“ in luftige Höhen, Bassist Paul Madibeng lässt „I got plenty o’nutting“ träge hüpfen.

Das Klagelied „My Man’s Gone Now“ wird von einer kurzen Spielszene eingeleitet, dann singt Arline Jaftha, der in der Osterhymne zum dramatischen Sopran etwas die Durchschlagskraft fehlte. Sie macht aus großem Gefühl ganz große Oper.

Die „African Angels“ treten am 21. April in der Philharmonie Essen auf (Tel. 0201/8122200, www.philharmonie-essen.de). Weitere Informationen unter www.bb-promotion.com.

Quelle: wa.de

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