Die Ärzte spielen in Dortmund erst für Frauen, dann für Männer

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Zunehmend zotig: Bela B. (links) und Farin Urlaub in Dortmund. ▪

Von Kathrin Nolte ▪ DORTMUND–Auf einem roten Plüschsofa schwebten die Ärzte von der Decke hinab. Weiße Federn rundeten am Montagabend in der Dortmunder Westfalenhalle das etwas kitischig anmutende Bühnenbild ab. Vor rund 10 000 Frauen präsentierte sich die beste Band der Welt von ihrer weiblichen Seite.

Glitter, Feuerwerksfontänen, Rosen auf den Video-Leinwänden und ein übergroßes rotes Herz auf der Bühne zeigten, dass das Trio aus Berlin für diesen besonderen Abend in der Frauenwelt angekommen war. „Wenn alle Männer Mädchen wären, dann wäre die Welt perfekt“, meinte Farin Urlaub und fügte hinzu: „Ich meine natürlich alle, außer Bela und mir.“ Selbst die Eintrittskarten waren mit Blümchen in zartem Rosa und Pink gestaltet. Für die Punkrock-Band war es das erste Konzert für XX-Chromosomen. „Ein Jugendtraum geht in Erfüllung“, sagte Schlagzeuger Bela B..

Bevor Farin Urlaub die ersten Akkorde spielen konnte, flogen bereits die BHs und Unterhöschen auf die Bühne. Gewohnt routiniert rockte das Trio dann durch den Abend. Bei den Songs „Schrei nach Liebe“, „Elke“ und „Mädchen“ brauchten die Ärzte nur die ersten Takte anzuspielen, und das Publikum sang fast jede Zeile mit.

Auch mussten die drei Musiker ihre weiblichen Fans, meist um die 30 Jahre alt und nicht zum ersten Mal auf einem Ärzte-Konzert, nicht lange anspornen. „Frauen wissen, dass sie eine hohe La-Ola-Kompetenz haben. Männer sind da viel simpler gestrickt“, stellte Farin Urlaub schnell fest. Deshalb gingen die Wellen kreisförmig und von oben nach unten durch die Westfalenhalle. Eines Frauen-Klischees bediente sich die Band nur zu gerne, sie ließ die Menge kreischen, dass es in den Ohren dröhnte.

Das viel diskutierte Problem der Frauenquote lösten die Berliner Musiker an diesem Abend ebenfalls ganz pragmatisch: Selbst das Sicherheitspersonal bestand nur aus Frauen, und falls sich doch ein männliches Crew-Mitglied auf die Bühne verirrte, dann natürlich ausschließlich mit Langhaar-Perücke und Lippenstift. Je später der Abend und je älter die Songs, desto besser und zugleich obskurer wurde die Stimmung. Die Dialoge auf der Bühne zwischen Farin Urlaub und Bela B. rutschten jedoch auf ein immer zitier-unfähigeres Niveau ab und nahmen an Länge zu.

In einem standen die weiblichen Fans ihren männlichen Pendants in nichts nach: Die Masse pogte und tanzte ausgelassen im Innenraum der Halle und schüttelte ihr Haar bei den rockigen Klängen wild durch die Gegend. Und auch auf den Rängen hielt es kaum eine Frau auf ihrem Sitzplatz.

Nach der dritten Zugabe und dem letzten Song „Zu spät“ verließen Farin Urlaub, Bela B. und Rodrigo González schließlich die in meist rotes Scheinwerferlicht getauchte Bühne. Spät war es für die Musiker und die Fans geworden: Drei Stunden hatte das Trio die volle Aufmerksamkeit der Frauenwelt.

An gleicher Stelle traten die Ärzte gestern Abend noch einmal auf, dann aber ausschließlich für Männer.

Ab Mai 2012 gehen die Ärzte auf Tournee. Unter anderem spielen sie in Bremen (22.5.), Oberhausen (25./26.5., ausverkauft), Mannheim (8.6., ausverkauft), Köln (27.6., ausverkauft) Frankfurt (29./30.6., ausverkauft), Hannover (3./4.7., ausverkauft).

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Quelle: wa.de

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