80.000 feiern im Regen

AC/DC sorgen in Köln für Hardrock der Superlative

Köln - Infernalisch laute Höllenglocken, Kanonenböller zum Abschied, Bombast auf den riesigen Videoleinwänden. Der Auftritt der australischen Hardrock-Legende AC/DC auf den Kölner Jahnwiesen am Freitagabend wird zu einer Leistungsschau der Superlative.

Etwa 80.000 Zuschauer sind gekommen, und sorgten den gesamten Tag über im Kölner Norden am Rheinenegie-Stadion für ein Verkehrschaos. Davor rockten bereits 100.000 auf dem Nürburgring zu dem bluesbasierten und extrem eingängigen Hardrock von AC/DC, 115.000 waren es sogar im österreichischen Spielberg - und, na klar, alle Konzerte sind ausverkauft.

Zum Auftakt gibt es den Titelsong des aktuellen Albums "Rock Or Bust". Dazu rast auf der Leinwand ein glühender Komet mit den Band-Initialen auf die Erde zu. Sänger Brian Johnson schreit schon hier mit seiner durch Whiskey- und Zigarettenkonsum veredelten Röhrenstimme gegen den Lärm an und tänzelt, während der mittlerweile 60-jährige Angus Young seinen zum Markenzeichen gewordenen Stakkato-Tanz vollführt - natürlich mit Schlips, weißem Hemd, schief sitzender Krawatte, der obligatorischen Schuluniform und blauer Samtmütze.

Am Ende von "Highway To Hell" hat Young seinen großen Auftritt, als ihm die Bühne für ein 15-minütiges Gitarrensolo alleine gehört und er ausschließlich durch gekonnte Griffe in die Saiten das Publikum zum Mitmachen animiert und Begeisterungsstürme auslöst.

Es ist das größte Open Air-Konzert in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr - und die, die gekommen sind, um den gealterten Rockveteranen um den Lead-Gitarristen Angus Young die Aufwartung zu machen, begeben sich auf eine Zeitreise durch ihr eigenes Leben. Und sie werden im zeitweise strömenden Regen von der 1973 gegründeten Band mit einem frenetisch gefeierten Best-of-Set unterhalten.

Und selbst die Fans, die in über 100 Meter Entfernung ganz weit weg von der Bühne stehen, spüren die Energie, die AC/DC mit einen druckvollen Live-Sound verbreitet. Auch sind sie sehr entspannt, trotz der Menschenmassen gibt kaum Rempeleien oder negative Stimmungen. Dazu passt die Ansage eines Ordners am Eingang: "Wir tasten nicht ab, das ist ein AC/DC-Konzert."

Deren Fans scheinen allgemein als nett und entspannt zu gelten. Und selbst ein kleines Mädchen bleibt die gesamten zweieinviertel Stunden mit blinkenden Teufelshörnern auf dem Kopf und in einer AC/DC-Fahne eingehüllt auf den Schultern ihres Vaters und macht begeistert mit.

Dabei waren die Nachrichten seit Anfang des Jahres rund um die Band alles andere als schön. Malcom Young, der schwer kranke Großmeister des Riffs und musikalischer Mastermind der Band, wird nie wieder auf einer Bühne stehen. Altersdemenz und Herzleiden lautet die Diagnose. Sein Neffe Stevie Young hat den Job geerbt und gibt optisch wie musikalisch als Stoiker in der zweiten Reihe einen glaubwürdigen Doppelgänger ab.

Und weil Drummer Phil Rudd Scherereien mit der Justiz hat, drischt erstmals seit 20 Jahren wieder Rückkehrer Chris Slade auf die Felle ein. Doch bei dem Konzert ist das alles vergessen. AC/DC lassen auch in veränderter Formation nichts aus - und es krachen auf der riesigen Bühne, die mit ihren stilisierten Hörnen wie das Tor zur Hölle wirkt.

Anders als bei der Vorgängertour mit einer entgleisten Diesellok als Bühnenbild geht es diesmal fast spartanisch zu. Die Lichteffekte wechseln dabei zu jedem Song, bei "Back In Black" gibt es als schickes Retroelement schwarz-weiße Bilder auf den gigantischen Leinwänden. Natürlich gibt es auch die vom Bühnenhimmel abgeseilte Riesenglocke ("Hells Bells"), ein Feuerwerk zum Ende und die Kanonenböller zum Abschlusslied "For Those About Rock (We Salute You)", und bei "Whole Lotta Rosie" taucht wie immer die vermutlich größte Gummipuppe der Welt auf.

Die dralle Bardame mit Strapsen und Dollarscheinen im Nylonstrumpf liegt mit ihrer ausladenen Oberweite lasziv auf den Verstärkertürmen. Die fünf Musiker darunter wirken im Vergleich dazu wie Däumlinge. Doch mit ihren zeitlosen Hits wie "Thunderstruck", "Dirty Deeds...", "T.N.T." zeigen sie, dass sie auch in neuer Besetzung musikalische Riesen sind. - Frank Zöllner

Setlist:

Rock Or Bust

Shoot To Thrill

Hell Ain't A Bad Place To Be

Back In Black

Play Ball

Dirty Deeds Done Dirt Cheap

Thunderstruck

High Voltage

Rock 'n' Roll Train

Hells Bells

Baptism By Fire

You Shook Me All Night Long

Sin City

Shot Down In Flames

Have A Drink On Me

T.N.T.

Whole Lotta Rosie

Let There Be Rock

Zugabe: Highway To Hell

For Those About Rock (We Salute You)

Quelle: wa.de

Rubriklistenbild: © Archivbild dpa

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