Whisky mit Wodka - von verblassenden Träumen

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Whisky mit Wodka dreht sich um das Älterwerden und verblassende Träume.

Andreas Dresen führte die Regie bei Whisky mit Wodka und ist ein Garant für einen komischen und wahren Film über Beziehungen das Älterwerden und verblassende Träume.

Es gibt sie, alle paar Jahre wieder einmal. Die Filme, die man einfach lieben muss. Weil sie so komisch und wahr und groß sind, auch wenn sie auf den ersten Blick ganz klein und bescheiden erscheinen. Weil sie den Zuschauer unmittelbar ins Herz treffen und gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen bringen können. „Whisky mit Wodka“ ist so einer.

Hier geht‘s zum Trailer bei filmstarts.de.

Andreas Dresen, einer der vielseitigsten Regisseure Deutschlands, sorgte im vergangenen Jahr mit seinem Rentnersex-Film „Wolke Neun“ für Aufregung im Kinosaal. Nach so unterschiedlichen Produktionen wie „Halbe Treppe“, „Willenbrock“ oder „Sommer vorm Balkon“ liefert Dresen, das Schauspielerkind aus Gera, mit „Whisky mit Wodka“ eine melancholische Liebeserklärung ans Kino und an die Filmschaffenden, in der viel mehr steckt als nur der Film über den Film.

Als solcher fängt die Geschichte an: Der abgehalfterte Publikumsliebling Otto Kullberg (Henry Hübchen) soll in einer Romanze namens „Tango zu dritt“ mitspielen. Zusammen mit seiner Ex-Frau Bettina Moll (Corinna Harfouch), unter der Regie ihres neuen Gatten Martin Telleck (Sylvester Groth). Dieses Beziehungsdreieck bietet bereits eine ansehnliche Menge Sprengstoff, und abends im Wohnwagenpark an der Ostsee stolpern jede Menge Ahnungslose über die lose herumliegenden Zündschnüre. Die eigentliche Pikanterie der Dreharbeiten liegt jedoch woanders: Otto ist in der Branche als Säufer, Querulant und Weiberheld verschrien. Telleck fürchtet um seinen Film, der Produzent um sein Geld, und so wird der unbedarfte Theatermime Arno Runge (Markus Hering) als Ersatzspieler engagiert.

Von verblassenden Träumen

Alle Szenen werden fortan doppelt gedreht, was für einige Komplikationen sorgt. Die anfangs schier unglaubliche Doppelbesetzung hat es 1957 bei der DEFA tatsächlich einmal gegeben. Wolfgang Kohlhaase, der bereits das wunderbare Skript zu „Sommer vorm Balkon“ verfasst hat, wusste von dieser Produktion Kurt Maetzigs. Kohlhaases kurze, knappe Dialoge und wohl gesetzte Pointen sorgen für viele Lacher, doch man lacht nicht hämisch über die Figuren, sondern mit ihnen.

In heiterem Tonfall beschreibt Dresen das Älterwerden, das sich in einem Verblassen der Träume äußert. Er erzählt von verpassten Chancen, alter Liebe und neuen Rollen. Da wirkt alles echt, nichts aufgesagt, und Hübchen, Harfouch und Groth möchte man ewig zusehen beim Zurechtbiegen ihrer Lebenslügen. Der Blick der Kamera ist durchgehend abwartend, beobachtend, verfolgt die Personen bei allem, was sie tun. Dresen, bekannt für sein großes Herz für die kleinen Leute, ermöglicht dem Zuschauer einen Einblick ins Innenleben seiner Charaktere. Am Ende sind einem alle ans Herz gewachsen.

Von Ulrike Frick

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