"Wetten, dass...?"-Drama: Samuel K. auf Intensivstation

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Über den Gesundheitszustand des verunglückten Kandidaten ist bislang wenig bekannt.

Düsseldorf - Erstmals hat Thomas Gottschalk eine “Wetten, dass...?“-Show nach einem Unfall abgebrochen. Über den Gesundheitszustand des verunglückten Kandidaten ist bislang wenig bekannt.

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Samuel Koch liegt auf der Intensivstation. Das sagte die Sprecherin der Universitätsklinik Düsseldorf, Susanne Dopheide, am Sonntagmorgen. “Ich kann im Moment noch keine Angaben machen, ob er operiert worden ist oder nicht - das richtet sich nach seinem Gesundheitszustand“, erklärte sie. “Wir müssen jetzt abwarten. Wir werden im Laufe des Tages dazu noch mal Stellung nehmen.“ Für 15.00 Uhr kündigte Dopheide eine Pressekonferenz der Klinik an. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut hatte am Samstag erklärt: “Die ersten Informationen über den Zustand unseres Wettkandidaten waren nicht eindeutig. (...) Unter dieser Voraussetzung konnten und wollten wir die Unterhaltungssendung nicht fortsetzen.“ Er kündigte eine gründliche Untersuchung des Unfalls an.

Gottschalk-Team erschüttert

Der schwere Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch hat das gesamte ZDF-Team von “Wetten, dass..?“ erschüttert. Der zuständige Sprecher des Mainzer Senders, Peter Gruhne, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag in Düsseldorf: “Wir sind erschüttert und warten auf Nachrichten, wie es dem Samuel geht.“

Der 23-Jähriger war bei dem spektakulären Versuch, fünf fahrende Autos zu überspringen, schwer gestürzt. “Ich habe die letzte Meldung bekommen und die lautet, dass er bei Bewusstsein ist, dass seine Eltern bei ihm sind und mit ihm gesprochen haben“, sagte Moderator Thomas Gottschalk am Samstagabend im ZDF-“heute journal“. Mehr könne er nicht sagen.

Gottschalk hatte wegen des Unfalls erstmals in seiner Karriere die erfolgreiche ZDF-Live-Show abgebrochen. “Wir wollen nicht auf heiter machen, wenn wir nicht heiter sind“, erklärte der Moderator. Der 23-jährige Samuel K. war bei dem Versuch verunglückt, mit Sprungfedern unter den Füßen über fünf fahrende Autos zu springen. Er prallte gegen einen der Wagen und blieb regungslos am Boden liegen. Rettungskräfte trugen den 23-Jährigen aus der Halle und brachten ihn in die Düsseldorfer Uniklinik.

Probleme schon bei den Proben

Samuel K. war bereits bei den Proben für die ZDF- Sendung gestürzt. “Der Wettteil klappt noch nicht“, hatte der 23- Jährige vor der Beginn der Liveshow der “Badischen Zeitung“ gesagt. “Bei den Proben am Donnerstag bin ich zweimal schwer gestürzt“, zitierte das Blatt den aus Baden-Württemberg stammenden Wettkandidaten. Die Proben hätten ihm zwar eine “gewisse Sicherheit“ gegeben. “Ich bin aber doch noch skeptisch“, sagte er.

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Kurz darauf brach Gottschalk die Sendung komplett ab. “Ich bringe es nicht fertig, jetzt hier weiter zu moderieren“, sagte Gottschalk kreidebleich. Es sei der erste derartige Abbruch in seiner Karriere. Die Zuschauer schickte er mit den Worten nach Hause: “Ich entlasse Sie ratlos. Ich bin ratlos, Sie sind ratlos - und traurig sind wir alle.“ In den Proben habe der Stunt funktioniert, meinte Gottschalk. Angekündigt hatte der Moderator die Wette mit den Worten: “Ich habe vieles gesehen in meiner Laufbahn, so gefürchtet hab' ich mich noch nie, dass dem jungen Mann etwas passiert. Ich kann nur sagen: Ich hoffe, alles geht gut.“

Fans von Justin Bieber traurig

Auf Gottschalks Gästeliste hatten die mit Robbie Williams wiedervereinigte Band Take That und der 16 Jahre alte Teenie-Schwarm Justin Bieber gestanden. Erwartet wurden auch die Hollywood- Schauspieler Cameron Diaz und Christoph Waltz, Sängerin Cher, Musiker Phil Collins, Mimin Alexandra Maria Lara sowie Hardy Krüger senior. Die jungen, zumeist weiblichen Fans von Justin Bieber reagierten verzweifelt, weil sie ihren Star nicht sehen konnten. Kreischend hatten sie ihrem Idol entgegengefiebert. Viele Mädchen waren in Tränen aufgelöst. Eine Jugendliche sagte, sie habe eine achtstündige Zugfahrt auf sich genommen, um Bieber in Düsseldorf sehen zu können. Als die Zuschauer die Halle verließen, konnten sie lediglich auf Robbie Williams einen Blick erhaschen, der ihnen kurz zuwinkte, dann aber ebenfalls verschwand.

Medienexperte: Quotendruck nicht schuld

Der schwere Unfall bei der ZDF-Show “Wetten, dass...?“ ist nach Einschätzung des Medienexperten Jo Groebel keine Folge von Quotendruck. Natürlich werde jetzt spekuliert, ob das ZDF angesichts der Konkurrenz durch das RTL-Format “Das Supertalent“ riskokofreudiger geworden sei, sagte Groebel am Sonntag auf dapd-Anfrage.

Erinnere man sich aber an die Geschichte der Sendung und an Shows in den 70er-Jahren wie “Wünsch Dir was“ oder “Spiel ohne Grenzen“, sehe man, dass es schon immer gefährliche Einsätze gegeben habe - “und das alles vor dem Quotendruck“. “Das Fernsehen braucht das Spektakuläre“, sagte Groebel. Mit dem Vorwurf, das ZDF habe fahrlässig gehandelt, wäre er sehr vorsichtig. Es sei auch immer die Frage, wieviel Eigenverantwortung ein Kandidat trage und wieviel Verantwortung ihm abgenommen werden müsse.

Die Sendung abzubrechen, sei die richtige und einzig mögliche Reaktion gewesen, sagte Groebel. “Man kann nach so etwas nicht weitermachen.“ Auch Moderator Thomas Gottschalk habe richtig und professionell reagiert. Er sei ein Moderator mit Lebenserfahrung und Verantwortungsgefühl, sagte Groebel weiter. Dies habe er auch in dem Moment nach dem Unfall bewiesen. Vorausgesetzt, der Unfall finde ein glimpfliches Ende, gehe er davon aus, dass Gottschalk die Show weiter moderieren werde. Er sei nicht der Typ, der aussteige, wenn es Probleme gebe. “Es ist schwieriger, in so einer Situation weiterzumachen“, sagte er und fügte hinzu: “Aussteigen ist einfach.“

Wie es mit “Wetten, dass...?“ weitergehe, werde auch davon abhängen, welche Folgen der Unfall letztlich für den Betroffenen habe. Das ZDF werde jetzt vermutlich ganz intensiv darüber nachdenken, welche Wetten in Zukunft akzeptiert würden. Seine Prognose: “Solche Wetten wird es nicht mehr geben“, sagte Groebel und verwies darauf, dass Wettkönig ohnehin meist jemand geworden sei, der eine skurrile, lustige Wette angeboten habe und nicht eine actionreiche.

ZDF kündigt Konsequenzen aus Wettunfall an

Unternehmenssprecher Alexander Stock verteidigte die Entscheidung für die riskante Wette. “Alle Wetten werden von Redaktion, Produktion und einem Sicherheitsingenieur des ZDF erst nach intensiver Begutachtung freigegeben“, erklärte Stock am Sonntag in Mainz. “Der Kandidat hatte in enger Absprache mit dem ZDF die Durchführung der Wette intensiv geprobt“, erläuterte er in einer Mitteilung.

“Herr Koch ist neben seinem Studium in Hannover als freier Akrobat und Stuntman tätig und aktiver Kunstturner“, betonte Stock. “Das ZDF wird den Ablauf und die Ursachen des Unfalls gleichwohl in allen Details noch einmal überprüfen und wird aus dem Ergebnis Konsequenzen bei der Auswahl von Wetten ziehen.“

mm/dpa/dapd

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