Nicht mehr auf Sendung

Viva nach 25 Jahren abgeschaltet - mit einer Panne zum Abschluss

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Viva-Moderator Mola Adebisi hält das Sender-Logo in den Händen.

Der Musiksender Viva ist Geschichte. Am 31. Dezember 2018 wurde der Sender nach 25 Jahren abgeschaltet - mit einer kleinen Panne zum Schluss.

Update vom 5. Februar: Nach 30 Jahren stellt der Regionalsender intv seinen Betrieb Ende Juni ein. Das bringt auch eine Veränderung im RTL-Programm mit sich.

VIVA-Logo auch nach Sendereinstellung noch auf Bildschirm zu sehen

Update vom 1. Januar, 19.28 Uhr: Es gab eine kleine Panne am Tag des Viva-Endes. Diese ist dem Portal dwdl.de aufgefallen. Denn eigentlich sollte Viva an Silvester um 14 Uhr abgeschaltet werden. Ab dieser Zeit sollte dann Comedy Central den Kanal übernehmen und eine Dauerschleife von „American Dad“ laufen.

Die Serie startete zwar - aber trotzdem war links oben noch viele Minuten lang das Viva-Logo zu sehen. „Ein wenig schien es, als wolle sich auch Viacom nicht so recht von VIVA trennen“, schreibt dwdl.de.

Viva nach 25 Jahren abgeschaltet: So hat sich der Sender verabschiedet

Unser Artikel vom 1. Januar, 12.39 Uhr:

Köln - Nach etwas mehr als einem Vierteljahrhundert auf Sendung ist der deutsche Musikkanal Viva Geschichte. Am Montagmittag um 14 Uhr wurde der Sender wie geplant endgültig abgeschaltet. Viva hatte am 1. Dezember 1993 den Betrieb aufgenommen und zeitweise große Erfolge gefeiert.

Viva endete so, wie vor 25 Jahren alles begann

Der letzte Musiktitel, den Viva nun im Jahr 2018 spielte, war durchaus symbolisch: Es handelte sich um „Zu geil für diese Welt“ von den Fantastischen Vier. 1993 war genau dieses Lied als erster Videoclip auf dem damals neuen Sender gezeigt worden. Viva endete so, wie es einst begann.

Das erste und letzte Video auf Viva: „Zu geil für diese Welt“

Der Anspruch war zu Beginn sehr groß. „Wir sind mehr als nur ein Fernsehsender, denn wir sind euer Sprachrohr und euer Freund“, lautete die Botschaft, mit der der gerade erst gestartete Sender seine Zuschauer begrüßte. Ausgesprochen wurde sie von Heike Makatsch, die weiter nachlegte: „Und ab heute bleiben wir für immer zusammen, okay?“ Aus dem „für immer“ wurden immerhin 25 Jahre.

Das sagte Viva zum Abschied

Auch am letzten Tag des Sendebetriebs wählte Viva große Worte. Über die Social-Media-Kanäle hinterließt der Sender die Botschaft: „Rest in Peace“ (Ruhe in Frieden).

Obwohl der Musiksender zuletzt weitgehend in der Bedeutungslosigkeit verschwunden war, sind die Erinnerungen an die große Zeit der 90er noch wach. Das zeigen die Kommentare, die Viva auf die Abschiedsbotschaft erhält.

Ein User schreibt stellvertretend für viele andere: „Ich wollt mich einfach mal bei EUCH bedanken dafür dass ihr uns 25 Jahre begleitet habt und für eure super Musik und Unterhaltungssendungen“.

Ein anderer Kommentar lautet: „Danke, dass Ihr einen Teil meiner Jugend geprägt habt.“

Es sind vor allem die Erinnerungen an eine erfolgreichere Zeit, die den Abschied vom großen deutschen Musiksender bestimmen. Emotionale Kommentare zu den letzten Jahren sind selten zu finden.

Lesen Sie auch: TV-Sender Viva wird abgeschaltet - und bekommt vorher noch einen mit

Der Aufstieg und Fall des Musiksenders Viva

Kaum ein Sender verkörperte das Lebensgefühl zwischen Backstreet-Boys-Poster, Inlineskates und Tamagotchi einst so sehr wie der Musikkanal aus Köln. Kaum ein Sender förderte auch in derart kurzer Zeit derart viele gute Moderatoren ans Tageslicht.

Angetreten war Viva als deutsche Antwort auf MTV. Die Betonung lag dabei durchaus auf „deutsch“. Auf Viva sollte deutsche Musik einen Platz haben, auch zur besseren Vermarktung. MTV sitze „auf einer Insel hinter dem Ärmelkanal“, erklärte Viva-Gründer Dieter Gorny. „Viva sitzt in Köln, mittendrin.“ Als Macher des neuen Senders stieg Gorny selbst zum „Paten der Popmusik“ auf. Mit MTV lieferte man sich einen erbitterten Kampf um Quoten.

Konkurrenz im Internet und Verkauf an den Konkurrenten MTV

Unter anderem mit YouTube fing später der Niedergang an. Im Internet entstand neue Konkurrenz, Musik wurde anders konsumiert. Auf Viva lief plötzlich sehr viel nervige Klingeltonwerbung. 2004 übernahm der amerikanische Medienriese Viacom, Eigner von MTV, Viva. Aus Konkurrenten wurden nun plötzlich Schwestern. Eine Vorzeige-Sendung wie „Interaktiv“ wurde gestrichen. Der Sturz in die Bedeutungslosigkeit war irgendwann kaum noch aufzuhalten.

Das Aus von Viva hatte Viacom bereits im Sommer angekündigt. Schon seit längerem hatte sich Viva einen Programmplatz mit dem Kanal Comedy Central geteilt. Dessen Sendezeit wird nun auf 24 Stunden ausgeweitet.

Stafan Raab ist wohl der erfolgreichste Ex-Viva-Moderator geworden.

Viva-Moderatoren blieben im Fernsehen erfolgreich

Bei dem Musiksender haben viele Moderatoren ihr Handwerk gelernt - unter anderem Stefan Raab, Charlotte Roche, Sarah Kuttner und Matthias Opdenhövel. Der Musiksender wurde für sie zu einem großen Karriere-Sprungbrett. Deshalb verteidigen viele frühere Angestellte auch den manchmal belächelten Job des Viva-Moderators.

Oliver Pocher (40, „Rent a Pocher“) begann seine Karriere ebenfalls im Musik-TV und blickt gerne auf diese Zeit zurück. „Natürlich wurden da immer Witze drüber gemacht. Es gab das Klischee vom Viva-Moderator, der bunte Klamotten trägt und bei dem man nicht sicher ist, ob er lesen und schreiben kann“, sagte Pocher der Deutschen-Presse Agentur. Man dürfe aber nicht vergessen, dass das genau den Charme ausgemacht habe. „Später hat man dann ja auch gesehen, dass bei den meisten sehr viel mehr dahinter steckte“, sagte Pocher. Auch er selbst habe Viva viel zu verdanken. „Ohne Viva wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin.“

Eine Band, deren Videos auf Viva hoch und runter liefen, waren die Backstreet Boys. Deren Liebling Nick Carter schockte nun mit einer angeblichen Morddrohung - die von seinem kleinen Bruder kam

dpa/rm

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