"Titanic" ätzt gegen "Tatort"-Til Schweiger

Hamburg - Noch bevor Til Schweiger als neuer TV-Kommissar für den Hamburger “Tatort“ vor der Kamera steht, hagelt es Kritik und Häme. Kann der Komödienstar auch Kommissar?

Kaum eine Personalie in der populären ARD-Reihe hat derart für Schlagzeilen gesorgt, wie die Verpflichtung des “Keinohrhasen“ als Kommissar. Der 47-Jährige, der mit Romantic Comedys wie “Keinohrhasen“, “Zweiohrküken“ und “Kokowääh“ deutlich mehr Erfolge feierte als im Action- und Thriller-Fach, polarisiert.

So beschrieb das Satire-Magazin “Titanic“ seinen Lesern schon einige “Szenen“ aus den künftigen Schweiger-“Tatorten“, unter anderem die, “in der Schweiger kurzzeitig einen zweiten Gesichtsausdruck entdeckt und dadurch den Täter so verwirrt, dass der sich aus purer Verblüffung ergibt“. Auch die ersten Episodentitel stünden schon fest: “Keinalibimörder“, “Zweifrauenmörder“ und “Messerimrückentutwääh“.

59 Prozent der Deutschen könnten sich laut einer Umfrage den Schauspieler gut in der Rolle vorstellen, 41 Prozent sind dagegen. “Mach uns den Schimanski, Til!“, forderte etwa “Spiegel Online“ jüngst und sieht einen Imagewandel beim Frauenschwarm kommen: Schweiger könnte sich zum Action-Star entwickeln und versuchen, im “Tatort“ eine Figur zu entwickeln, die stark genug ist, auf der Leinwand zu bestehen. “Er könnte versuchen, dieser Figur etwas zu geben, was die “Tatort“-Kommissare, die zwischen Sozialtristesse, Psycho-Macken und launigen Kalauern herumfuhrwerken, eher nicht haben: eine mythische Qualität.“

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Der Hamburger Einsatzort fristete innerhalb der 18 “Tatort“-Reviere in den vergangenen Jahren - gemessen an den Einschaltquoten - eher ein Schattendasein. Ging Mehmet Kurtulus als verdeckter Ermittler Cenk Batu auf Verbrecherjagd, waren die Filme immer anders als der Rest und abseits der “Tatort“-Norm. Das gefiel zwar der Kritik, dem Publikum jedoch weniger. Nun kommt mit Schweiger ein Kinostar, dem das Gegenteil bestens vertraut ist: Mit seinen Komödien hat er Erfolg beim Publikum, bei vielen Kritikern dagegen nicht.

Der für den Hamburger Krimi zuständige Norddeutsche Rundfunk (NDR), in dessen “Tatort“-Revieren auch die erfolgreichen Teams um Maria Furtwängler (Hannover) und Axel Milberg (Kiel) ermitteln, wurde kritisiert, mit Schweiger als Quotengarant auf Nummer sicher zu gehen. Die Filme mit Kurtulus waren weit entfernt von erfolgreichen Ausgaben wie denen aus Münster oder jüngst aus dem benachbarten Kiel. Das Drehbuch für Schweigers ersten Einsatz als “Tatort“-Kommissar, der direkt bei der Hamburger Kriminalpolizei angesiedelt sein wird, entsteht laut NDR gerade erst, gedreht werden soll ab September nächsten Jahres. Fest steht indessen schon, dass Schweiger in der Kommissar-Riege mit am seltensten zu sehen sein wird: Nur eine Folge pro Jahr soll es aus Hamburg geben.

dpa

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