"The Company you keep": In der Tradition der Klassiker

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In Bedrängnis: Robert Redford spielt selbst die Rolle des Anwalts Jim Grant, der einst im Untergrund aktiv war

München - Robert Redford hat seinen Thriller „The Company You Keep“, in dem er auch die Hauptrolle spielt, ruhig inszeniert. Unsere Kritik:

„Weathermen“, „Wettermänner“, nannte sich Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre eine militante linksextreme Untergrundorganisation, die sich mit diversen Attentaten ins Bewusstsein der US-Bevölkerung bombte. Im Gegensatz zur deutschen RAF oder der Roten Brigaden in Italien verübte die gegen die Regierung und den Vietnamkrieg protestierende Gruppe jedoch keine gezielten Attentate auf Menschen.

30 Jahre später setzt die Geschichte ein, die Robert Redford nun in seinem Spielfilm „The Company You Keep – Die Akte Grant“ erzählt: Die Ex-Terroristin Sharon Solarz (Susan Sarandon) führt als Hausfrau mit Mann und zwei halbwüchsigen Kindern ein beschauliches Dasein – bis sie eines Tages an einer Tankstelle festgenommen wird. Solarz packt aus. Und bringt damit den seit jener Zeit unter falschem Namen lebenden Rechtsanwalt Jim Grant (Robert Redford) in höchste Kalamitäten. Der war einst in einen Raubüberfall verwickelt, bei dem ein Wachmann getötet wurde. Allerdings nicht von Grant, sondern seiner ehemaligen Freundin Mimi Lurie (Julie Christie). Trotzdem bringt Grant in höchster Bedrängnis seine Tochter rasch zum Bruder (Chris Cooper) und taucht unter. Parallel wird der Ex-Aktivist nun vom FBI und dem ehrgeizigen Journalisten Ben Shepard (Shia LaBeouf) verfolgt.

„The Company You Keep – Die Akte Grant“ ist im Vergleich zu aktuelleren Produktionen des Genres betont ruhig und leise inszeniert. Auf Getöse, schrille Töne und wilde Actionszenen, Spezialeffekte und Schusswechsel verzichtet Redford bewusst. Sein kluger Thriller steht deutlich in der Tradition von Klassikern wie „Die Unbestechlichen“ von Alan J. Pakula oder „Die drei Tage des Condor“ von Sydney Pollack, um einmal nur Filme mit Robert Redford zu nennen.

Redford, der damals selbst mit der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung sympathisierte, verklärt die Siebziger aber nicht. Er veranschaulicht vielmehr sehr glaubwürdig, was diese Menschen antrieb – und wie sie über die Jahrzehnte hinweg stets Getriebene blieben. Sein Politdrama feiert den investigativen Journalismus und erinnert an jene Zeit, in der im Spielfilm Hirn und Herz mehr wert waren als Muskeln und Moneten. Ben Shepard erscheint oft wie ein jungenhafter Nachfolger von Redfords Figur des Bob Woodward in „Die Unbestechlichen“. Doch in Redfords neunter Regiearbeit steckt mehr als eine Hymne auf den unbestechlichen Reporter. Sein an einen Roman von Neil Gordon angelehnter Film ist nämlich vor allem eine spannende Verfolgungsjagd mit einer beachtlichen, gewohnt souverän agierenden Starriege.

Ulrike Frick

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