Tatort-Kritik: Wer ist Opfer, wer ist Täter?

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Spannendes Duell: Eva Mattes (vorne) und Karin Giegerich

Konstanz - Gerechtigkeitsliebe macht einsam. Das suggerieren die Szenen, in denen Regisseur Patrick Winczewski und sein Kameramann Ralf Nowak die Hauptfigur zeigen. Die Kritik:

Richterin Heike Göttler (Karin Giegerich) lebt in beeindruckendem Wohlstand, doch ihr Zuhause mutet kalt und unbelebt an. Und diese so kühl und kontrolliert wirkende Frau soll eine dunkle Seite haben und sich mit Männern zum Gewaltsex verabreden?

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Eine originelle Hypothese, aus der Autorin Dorothea Schön im neuesten „Tatort“ (ARD) aus Konstanz einen ansehnlichen Fall konstruiert hat. Es geht um die Frage, wer Täter und wer Opfer ist, um Vor- und (vermeintliche) Fehlurteile und darum, was sie in Menschen anrichten. Wie eine Art Motto wirkt das Wort der Juristin, sie spüre stets, ob jemand die Wahrheit sagt oder nicht. Auch der Zuschauer darf in „Im Netz der Lügen“ tief in die Gesichter der Beteiligten schauen und seine eigenen Schlüsse aus deren (Aussage-)Verhalten ziehen – auch wenn die Thesen des durch die Geschichte irrlichternden Psychologen (Marek Erhardt) etwas oberflächlich wirken.

Die Entdeckung dieses Films ist Karin Giegerich, die die Schablonen ihrer Serienrollen hinter sich lässt und die tiefe Sehnsucht dieser „Richterin Gnadenlos“ nach menschlicher Wärme spürbar macht. An ihrer Leistung wächst auch Eva Mattes als Kommissarin Klara Blum, die endlich wieder mehr zeigt als die Gutartigkeit der Lieblingstante von der Kripo. Dass die anderen Charaktere hinter diesem Duell zweier so unterschiedlicher Frauen etwas unscharf bleiben (oder krass überzeichnet sind wie beispielsweise der von Stephan Schwartz gespielte Gerichtspräsident), soll hier einmal nicht verurteilt werden.

Rudolf Ogiermann

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