Ein guter Tag zum Sterben

"Stirb langsam": Zurück in die 80er

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Wenn der Vater mit dem Sohne: John McClane ( Bruce Willis, li.) reist nach Moskau, weil sein Sohn Jack ( Jai Courtney) in Gefahr glaubt. Daneben: Sebastian Koch als Komarov.

Berlin - Mit "Stirb langsam - Ein guter Tag zum Sterben" wird Bruce Willis als John McClane aus den 80ern ins Jahr 2013 geholt. Ob das gelingt, erfahren Sie in unserer Kinokritik.

Die schauen alle keine Bond-Filme, oder? Da könnte man doch lernen, wie man alte Action-Ikonen in die Gegenwart holt, wie man sie so de- und remontiert, dass sie wieder relevant sind. „Goldeneye“, „Casino Royale“, „Skyfall“ haben doch gezeigt, wie man selbst einen einstigen imperialistischen Macho für und in unsere post-kolonialistische, -feministische, -moderne Zeit rettet.

Und wenn aus der heiligen Dreifaltigkeit des Achtzigerjahre-Actionkinos einer hätte noch immer funktionieren können, dann doch bitte wohl Bruce Willis als John McClane. Schwarzenegger: okay, dass der mit dem Altern nicht zurechtkommt. Der stand für den Androiden, für die damalige Obsession mit künstlichen Körpern. Geradezu traurig sein Versuch, in „Last Stand“ jetzt mit Schildkrötenhals als Bewahrer einer reaktionären, waffengeilen USA zu reüssieren. Stallone war dazu stets die ädrigere Alternative, der patriotische Natur-Herkules. (Steroide? Welche Steroide?) Er hat immer gegen die Moderne gekämpft, und tut das unverbrüchlich, nur mit weniger Erfolg.

John McClane aber war vom ersten „Stirb langsam“-Film an der Mann der bedrohten Mittelschicht, ein verletzlicher Jedermann im Unterhemd, der ramponierte Triumphe feierte gegen eine scheinbar übermächtig widrige Welt. Und Bruce Willis hat sich auf der Leinwand wesentlich präsenter gehalten als seine Kollegen. Das wären doch Voraussetzungen, auch 2013 etwas Sinnvolles mit ihm anzufangen. Wann von der Krise des alternden, weißen, amerikanischen Mittelstands-Mannes erzählen, wenn nicht jetzt? Es ist nicht so, dass der fünfte „Stirb langsam“-Film das gar nicht weiß – er flüchtet davor nur in Vogel-Strauß-Blindheit und Nostalgie. Was muss man mehr wissen als: Hier sind wieder die bösen Russen der Feind!? Als hätte der Kalte Krieg nie aufgehört.

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Der Anfang hat noch Potenzial: McClane glaubt seinen Sohn in Moskau zum Gangster geworden und in Gefahr. Und macht sich auf, ihn zu retten. Freilich ist der Sprössling in Wahrheit US-Geheimagent, und Papas Haudrauf-Manier zertrümmert die ausgetüftelte Mission. Hier hat der Film auch seinen Action-Höhepunkt: Eine äußerst ausgedehnte Autocrash-Show mit positiv altmodischem Rummmms und äußerst hübschen Ideen. Keine der diversen späteren Ballereien kommt da noch mal ran. Und statt McClane weiter als destruktiven Dinosaurier zu inszenieren, macht auch die (für die reine Gradlinigkeit der „Stirb langsam“-Serie unnötig verstrickte) Handlung Rückschritt um Rückschritt.

Nicht McClane muss sich ändern, sondern die ganze Welt zurück in die Achtziger. Das Vater-Sohn-Verhältnis wird in Feuerpausen in improvisierten Therapie-Gesprächen wieder zurechtgerückt. Und der Film macht sich tatsächlich auf nach Tschernobyl (die Älteren unter den Lesern werden sich erinnern), wo McClane endlich wieder zum strahlenden Helden wird. Und eben nicht wie schon 1995 in „Goldeneye“, wo James Bond verunsichert durch den Park voller demontierter Insignien des Sowjetreichs tapste. Sondern eine unironische Auferstehung in Ruinen.

Aber gerade diese bizarre, rückwärtsgewandte Fantasie sorgt für das Gefühl, dass John McClane leider inzwischen genau dorthin gehört: auf den Abwrackhaufen der Geschichte, zum toxischen Sondermüll.

von Thomas Willmann

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