Polizeiruf 110: Der kurioseste seit langem

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Sophie Rois als Hauptkommissarin Tamara Rusch, Horst Krause als Polizeihauptmeister Krause.

Brandenburg - Ein bizarrer Nicht-Mord, ein Opfer, das keines sein will, und zwei Polizisten, die offenbar keiner braucht. Kann man so etwas im engeren Sinn noch Krimi nennen - vor allem, wenn der Praktikant erst am Ende seine lang ersehnte Leiche zu sehen bekommt?

"Die Gurkenkönigin“ ist jedenfalls der kurioseste „Polizeiruf 110“ seit langem.

Und als wäre das nicht genug, muss sich Polizeihauptmeister Krause (Horst Krause) auch mit einer neuen Chefin arrangieren. Die erfrischend uneitle Sophie Rois (Kriminalhauptkommissarin Tamara Rusch) sprang für Maria Simon ein und verwandelt die Brandenburger Szenerie noch mehr in ein Skurrilitätenkabinett.

Zu dem nur Krause schwer Zugang findet. All das fängt Ed Herzog vor der Spreewaldkulisse grotesk und mit wunderbaren Personenstudien ein: Da führt Polizist Wolle (Fritz Roth) telefonisch eine Häschen-Ohren-Debatte, während auf der anderen Leitung ein Einbruch gemeldet werden will. Da singt Kommissarin Rusch ihrer Gegenspielerin und Chefin aller Gurken Luise König (Susanne Lothar) auf deren biestige Anordnung hin ein Kinderschlaflied vor und kuschelt anschließend mit Schauerpuppen. Da spielt die Geburtstagspartyband eine Art Ost-Rock‘n‘Roll zum Tanz, während die Patriarchin das Lebenselixier der eigenen Familie verhökert. Und während all dem sitzt Polizeihauptmeister Krause mit Schäferhundmischling Haduck auf der Treppe und testet – klar – Gurken.

Nur am Ende darf auch er aktiv werden, darf auf seinem Polizeieinsatz samt Boot und Ziege das bestätigen, was er eh längst wusste. Die beiden Chefinnen sind ihm mental sowie spielerisch in seinem eigenen Revier überlegen. Er bleibt auf der Strecke. Und wird so selbst zum Exot unter all den Kuriositäten.

Angelika Mayr

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