Münchner Tatort: Ein kleines Meisterwerk

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Kriminalhauptkommissar Ivo Batc (Miroslav Nemec) findet Max (Günther Maria Halmer) auf dem Friedhof.

München - Im Münchner Tatort "Gestern war kein Tag" hinderte eine großartige schauspielerische Leistung die Zuschauer bis zuletzt daran, ein klares Urteil zu fällen. Die Kritik:

Er erinnert sich ganz genau an Fußballspiele aus grauer Vorzeit und kann über seinen Beruf fachsimpeln, doch er weiß nicht mehr, dass der Knödel Knödel heißt und wie man den Riegel einer Toilettentür öffnet. Glasermeister Max Lasinger, die Hauptfigur dieses neuesten Münchner „Tatorts“ (ARD) ist ein Mann mit vielen Facetten: Er ist mal hilflos und mal ungeduldig, mal still und mal zufrieden, und dann strahlt er wieder eine verstörende Falschheit aus.

Bilder zum Münchner Tatort "Gestern war kein Tag"

Bilder zum Münchner Tatort "Gestern war kein Tag"

Mit einer großartigen schauspielerischen Leistung hält Günther Maria Halmer diesen an Demenz leidenden Senior in der Schwebe zwischen „gut“ und „böse“ und hindert so die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl), aber auch den Zuschauer bis zuletzt daran, ein klares Urteil zu fällen. Hat Max seinen Sohn Bernd getötet – und wenn ja, ist dies seiner Verwirrtheit zuzuschreiben? Oder war es doch Vorsatz? Immerhin lässt Lasinger in manchen Momenten spüren, wie kompliziert das Verhältnis der Generationen war. So funktioniert dieser gut gearbeitete Krimi bis zur letzten Minute.

Die beliebtesten Tatort-Kommissare

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Das tut er aber auch, weil „Gestern war kein Tag“ eingebettet ist in ein authentisches Milieu. Die Schwiegertochter (wie so oft überzeugend: Johanna Gastdorf), der Enkel (Kai Malina) – in vielen kleinen, unspektakulären Szenen macht Regisseur Christian Görlitz die Überforderung der Angehörigen, aber auch deren materielle Not spürbar. Und dann ist da noch die junge Bulgarin Dana (berührend: Vesela Kazakova), die diesem Film eine weitere Dimension eröffnet, nämlich die des Pflegenotstands. Der ideale Nährboden für zynische Geschäfte mit menschlichem Leid.

Wachtveitls und Nemec’ Spiel ist anzumerken, dass sie dieses Drehbuch (Pim Richter und Daniela Mohr) gefangen genommen hat. Akribisch und ohne Mätzchen leisten die von ihnen verkörperten Kriminaler die Ermittlungsarbeit in diesem Fall, gelegentliche Meinungsverschiedenheiten eingeschlossen. „Passt scho!“ lässt Günther Maria Halmer seinen Max von Zeit zu Zeit sagen. „Gestern war kein Tag“ wäre damit nur unzureichend gewürdigt. Er ist ein kleines Meisterwerk.

Alle Tatort-Teams ab Herbst 2012

Rudolf Ogiermann

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