Gottschalk, Talk & Castings: Ende einer Ära?

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Thomas Gottschalk (l. oben) , Harald Schmidt (r. oben) und Dieter Bohlen (r. unten) waren früher Quoten-Garanten, haben inzwischen aber eingebüßt. Heute ist nur noch Günther Jauch ein Publikumsmagnet.

Berlin - Thomas Gottschalk, Talkshows und Casting-Formate: Was früher Quotengarant war, will zurzeit kaum noch zünden. Endet gerade eine Fernseh-Ära?

Dämmerung in Deutschland: Reihenweise scheinen zurzeit Fernseh-Stars und Fernseh-Formate unterzugehen, die früher erfolgreich waren. Ein Niedergang lässt sich bei so unterschiedlichen Sendungen und Leuten wie “Deutschland sucht den Superstar“ (DSDS) oder den ARD-Talkshows bis hin zu Thomas Gottschalk oder Harald Schmidt beobachten. Lange Zeit erfolgreiche Konzepte und große Namen sind plötzlich keine Quotengaranten mehr. Sind die betroffenen Programme und Promis noch zu retten? Oder geht eine Ära zu Ende?

“Bei den Fernsehformaten rächt sich derzeit der fehlende Mut zur Innovation. Der Zuschauer ist der immer gleichen Abläufe in den Formaten überdrüssig geworden, daher sinken die Quoten“, sagt die Hamburger Medienwissenschaftlerin Joan Kristin Bleicher.

Was sie meint? Die RTL-Castingshow “DSDS“ zum Beispiel. Dieter Bohlen kommt mit der inzwischen neunten Staffel im Schnitt nicht mehr über fünf Millionen Zuschauer (die achte Staffel verfolgten noch durchschnittlich mehr als sechs Millionen). Alle Versuche, die typischen Castingshow-Mittel auszureizen (inszenierte Skandale, übertriebene Typisierung, Gezicke, Klischees) scheinen nicht mehr zu funktionieren - trotz kräftiger Hilfe von Boulevardmedien.

Ende der alten Show-Größen

Auch andere große Namen sehen sich mit schlechten Einschaltquoten konfrontiert. Thomas Gottschalk quält sich mit seiner Vorabendshow in der von ihm selbst so genannten “Todeszone“, dem ARD-Programm zwischen 19 und 20 Uhr. Und Ober-Zyniker Harald Schmidt hat den Kampf um seine Sat.1-Late-Night-Show bereits verloren (letzte Show am 3. Mai).

Die alten Show-Größen geben sich abgeklärt. Dieter Bohlen poltert sogar, alle Abgesänge auf seine Sendung seien bloß Neid (“... das Problem, das die Leute mit uns haben, ist einfach, dass wir wirklich über zehn Jahre jetzt einfach erfolgreich sind“). Doch hat er recht? Oder wenden sich die Deutschen von einer ganzen Generation ab - von den Entertainern, die in den 50er Jahren geboren wurden?

Jauch - ein Phänomen

Mit einer solchen Theorie würde man wohl an Günther Jauch scheitern. Dessen Beliebtheit lebt aber vor allem von dem Quiz-Konzept “Wer wird Millionär?“, das auch international nicht totzukriegen ist. Als öffentlich-rechtlicher Talkmaster und ARD-Hoffnungsträger schneidet er dagegen nicht viel besser ab als Anne Will. Seine Sonntagabend-Vorgängerin und fast alle anderen ARD-Talker, die seinetwegen im vergangenen Herbst umgesiedelt worden sind, müssen mit Einbußen bei den Einschaltquoten leben.

Die Talkshow-Schwemme

Womit das Dauerthema Talkshow-Schwemme angeschnitten wäre. Von Bundestagspräsident Norbert Lammert ist bekannt, dass er die vielen Gesprächssendungen im deutschen Fernsehen nicht ausstehen kann. “Es geht dabei vor allem um Unterhaltung und weniger um Information“, sagte er erst kürzlich wieder dem “Hamburger Abendblatt“. Die Sendungen böten kaum Gelegenheit, “ernsthafte Sachverhalte in fünf aufeinanderfolgenden Sätzen ohne Video-Einspielungen oder sonstige Unterbrechungen zu entwickeln“. Nur eine prominente Einzelmeinung?

Mit seiner Fundamentalkritik ist der 63-Jährige nicht allein. In der Piratenpartei zum Beispiel regt sich nach ersten TV-Erfahrungen in den vergangenen Monaten Widerstand. Der Berliner Abgeordnete Christopher Lauer (27) fragte rhetorisch in der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, ob sich Piraten eigentlich Talkshow-Besuche antun müssten: “Es geht in solchen Situationen nicht mehr darum, Standpunkte auszutauschen. Man verkommt zum Abziehbild und wird zum Teil einer Performance, die wenig mit der Realität zu tun hat.“

Haben sich also die Fernsehmacher vom Publikum entfernt? Die Expertin Bleicher vom Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg meint jedenfalls: “Jetzt ist die Zeit der Experimente mit Format-Innovationen gefragt, aber leider scheuen die Sendeanstalten offensichtlich den notwendigen Kostenaufwand.“

dpa

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