Gebührengelder verzockt

Früherer KiKA-Manager verurteilt

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Der Angeklagte Marco K. (3.v.r.) gibt m Montag im Landgericht in Erfurt vor der Verhandlung dem Mitangeklagten Klaus-Peter E. (2.v.l.) die Hand.

Erfurt - Er drehte das ganz große Rad und verprasste Gebührengelder in Millionenhöhe: Wegen des Betrugsskandals beim KiKA von ARD und ZDF muss der frühere Herstellungsleiter für insgesamt sechs Jahre und drei Monate hinter Gitter.

Das Landgericht Erfurt sprach den 45-Jährigen am Montag erneut der Untreue und Bestechlichkeit für schuldig. In die Strafe floss die erste Verurteilung des Mannes ein, der die abgezweigten Millionen größtenteils im Casino verzockte.

Der einstige KiKA-Manager räumte im jetzigen Prozess ein, den mitangeklagten Geschäftsführer einer Produktionsfirma zu Scheinrechnungen veranlasst zu haben, um mit dem Geld seine Spielsucht zu befriedigen. Der ebenfalls geständige Geschäftspartner wurde wegen Beihilfe und Bestechung zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Der einstige Herstellungsleiter habe letztlich ein großes Spiel aufgezogen, bei dem er über Jahre die Spielfiguren setzte, wie er sie brauchte, sagte die Vorsitzende Richterin Sabine Rathemacher. Sie sprach von einem ausgeklügelten System und einem Netz der Korruption. „Wer so spielt, möchte zeigen, dass er zu den ganz Großen gehört.“ Die mangelnden Kontrollen des federführenden MDR hätten die kriminellen Machenschaften erheblich erleichtert.

Die Kammer würde sich wünschen, dass der MDR so intensiv kontrolliere, wie die GEZ Gebühren eintreibe, sagte Rathemacher bei der Urteilsbegründung. Sie verglich den Fall des spielsüchtigen Managers mit dem eines Alkoholikers, der als Barmann eingestellt werde und die alkoholischen Getränke kontrollieren solle.

Die Staatsanwaltschaft hatte für den Ex-Herstellungsleiter sechseinhalb Jahre Haft und für den Geschäftsmann zwei Jahre auf Bewährung gefordert. Die Verteidigung plädierte auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von sechs Jahren für den Hauptangeklagten und eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten für den Geschäftsmann. Die beiden haben den KiKA zwischen 2006 und 2010 in insgesamt 44 Fällen um rund 1,5 Millionen Euro gebracht. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der frühere KiKA-Mananger war bereits im vergangenen Sommer zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Auch im inzwischen dritten Prozess um die abgezweigten Gebührengelder räumte er alle Vorwürfe ein. Er bekenne sich schuldig und übernehme dafür die persönliche Verantwortung, ließ er über seinen Anwalt mitteilen.

Der mitangeklagte Geschäftsführer der Produktionsfirma, der unter anderem Scheinrechnungen für Produktionen von „Bernd das Brot“ oder das Vorschulprogramm „Kikaninchen“ ausstellte, entschuldigte sich für sein Fehlverhalten. Er bereue seine Taten. Seine Firma spendierte dem einst mächtigen Mann im Sender im Gegenzug für Aufträge nicht nur eine Reise nach Las Vegas oder Fußballdauerkarten, sondern stattete ihm auch seine Zweitwohnung in Berlin mit Möbeln und Heimkino aus. Außerdem hob der Geschäftsführer größere Beträge von seinem Privatkonto für den klammen Fernsehmann ab.

dpa

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