Tannöd: Kritik und Trailer zum Film

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Der Film lebt durch herausragende Darstellerinnen wie Monica Bleibtreu, Julia Jentsch oder Brigitte Hobmeier (Bild).

München - Herausragende Schauspielerinnen wie Brigitte Hobmeier verhindern, dass die Verfilmung von „Tannöd“ völlig misslingt. Lesen Sie hier die Kritik zu „Tannöd“

So ist das in den dunklen Wäldern der bayerischen Provinz: dunkel nämlich und gar schröcklich. Ständig raunt der Wind und das Verderben dräut in der Dämmerung. Die Verfilmung des immens erfolgreichen Historienromans „Tannöd“ ist im Grunde die Antithese des Heimatfilms, aber bedauerlicherweise versäumt er es, mehr als das zu sein. Der Roman bezieht sich auf ein wahres Verbrechen aus dem Frühjahr 1922, das unaufgeklärt geblieben ist. Sechs Menschen werden auf einem Einödhof erschlagen – ohne erkennbares Motiv oder Tatverdächtigen. Der Film von Bettina Oberli verlegt die Geschichte in die 50er Jahre und macht daraus eine Art Sittengemälde einer Gesellschaft, die alles Übel der Vergangenheit einfach ausblendet. Eine wenig subtile Anspielung auf die junge Bundesrepublik und ihre Schwierigkeiten mit der Aufarbeitung des „Dritten Reiches“.

Überhaupt wird hier so verblüffend plump mit Archetypen und Metaphern gearbeitet, dass man zwischendrin an hinterhältige Satire glauben könnte. Aber es ist alles leider sehr, sehr ernst gemeint. Tief in die dumpfe Volksseele soll geblickt werden, wo es all das gibt, wovor sich zivilisierte Städter fürchten dürfen: rohe Gewalt, inzestuöse Triebe und das lauernde Böse des primitiven Landbewohners.

Das wird nicht nur mit platter Selbstzufriedenheit vorgeführt, sondern auch erschreckend dilettantisch. Im erkennbaren Bemühen Kunst zu schaffen, werden düstere Bilder auf die Leinwand geworfen, die völlig sinnentleert und verloren dastehen. Wobei die so genannte Handlung ohnehin ziellos vor sich hin mäandert und die an sich hochfaszinierende Geschichte fahrlässig ignoriert. Der Kriminalfall wird mit wurstiger Einfallslosigkeit aufgelöst und ansonsten wird Anti-Folklore zelebriert. Handwerklich so stümperhaft, dass einem zwischendrin tatsächlich der Atem stockt. Es gibt Szenen, die so duster sind und derart bescheiden aneinander montiert, dass man sich ein klein wenig veralbert vorkommen könnte.

Derart miserablen Schmarren abzuliefern, erfordert entweder bewundernswerte Chuzpe oder totale Ignoranz. Sicher, es ist erkennbar, welche Idee von ihrem Film Oberli hatte, aber – und das ist das Problem des modernen Kunstbegriffs generell – wem nützt es was? Hätte DaVinci sich mit der Idee des Porträts einer schönen Frau begnügt, gäbe es heute keine Mona Lisa.

Man muss sie halt auch malen. Oberli kann von Glück sagen, dass sie herausragende Darstellerinnen wie Monica Bleibtreu, Julia Jentsch oder Brigitte Hobmeier zur Verfügung hatte, die das Schlimmste verhindern, sofern das überhaupt möglich ist. Aber gerade der wunderbaren Monica Bleibtreu hätte man einen würdigeren Abschied im Kino gewünscht als diesen Bastard aus missglücktem Kunstgewerbe und zynischer Marketingaktion.

Zoran Gojic

Bewertung: 2 Sterne

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