Neue Folgen

Ein Fiesling startet nochmal durch

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Christoph Maria Herbst alias Stromberg.

München - Die Fortsetzung hing wegen der stets nur mäßigen Quoten am seidenen Faden. Doch „Stromberg“ ist Kult und mit Preisen überhäuft. Dehalb darf  

Deshalb zeigt Pro Sieben nun zehn neue Geschichten aus dem Leben eines Bürohengstes, der mit Vorliebe seine Kollegen terrorisiert. 

Mann, ist der Mann ätzend. „Der Papa wird hier bald Chef“, bellt er jedem, der es nicht hören will, entgegen. Karriere, sülzt er weiter, sei wie die Tour de France: „Entweder Du fährst mit Schweineblut oder mit Windschatten – immer so knapp hinterm Arsch vom Vordermann.“

Wer solche Sätze sagt? Stromberg, Bernd Stromberg, gespielt von Christoph Maria Herbst. Der stellvertretende Leiter der Abteilung Schadensregulierung bei der Capitol-Versicherung startet bei Pro Sieben ab heute (22.15 Uhr) in zehn neuen Folgen nochmal durch – nach oben.

Bei seinem Aufstieg auf der Karriereleiter boxt und tritt Stromberg drauflos. Der Kantinenkoch ist dabei das kleinste Problem. Vor ihm quetscht Stromberg mit bloßer Hand den Heidelbeerkuchen aus und kommentiert: „Schmeckt wie Oma unterm Arm.“

Der Bürohengst empfiehlt dem „Kantinen-bin-Laden“, wie Stromberg den glatzköpfigen Küchenmeister nennt, sich selbst ins heiße Wasser zu stellen und als Würstchen servieren zu lassen. Stromberg wäre nicht Stromberg, würde er mit seinem Stil nicht ganz fürchterlich gegen die Wand fahren. Denn wenig später offenbart sich, dass der Kantinenchef kein geringerer als der Cousin eines Vorstandsmitglieds ist, und schon wird’s eng, was den Aufstieg betrifft.

Die widerliche Hauptfigur, in der jeder Zuschauer Züge von sich selbst (oder seinem Vorgesetzten) entdecken mag, ist für Hauptdarsteller Herbst ein „sadistischer Anteil in mir, zu dem ich stehe“, wie der 43-Jährige zugibt.

Quoten sind Nebensache

Die Serie, inzwischen in der vierten Staffel angelangt, hing länger am seidenen Faden, denn die Quoten waren nie überzeugend. Dafür wurden von der wie dokumentarisch wirkenden Produktion bereits 130 000 Stück als DVD verkauft, wie Pro Sieben mitteilt. Der Privatsender schere sich am wenigsten um die nüchternen Zahlen, behauptet Produzent Ralf Husmann: „Man vertraut auf eine langfristige Entwicklung.“

Die Originalvorlage der Serie stammt aus England und heißt „The Office“. Aber von diesem Vorbild hat sich Stromberg weit entfernt. Der deutsche Bürochef ist nicht so wie sein britischer Kollege ein großer Komiker. Er prahlt und wettert in einem Großraumbüro, in dem jeder seine eigene Technik entwickelt hat, der Willkür des widerlichen Chefs zu entgehen. Dabei – so erläutert Husmann – ist der eigentlich ein ganz einsamer Mensch auf der Suche nach Anerkennung.

Eine nächste Staffel von „Stromberg“ ist derzeit nicht in Planung. Vielmehr arbeitet die Produktion an einem Kinofilm. Husmann kümmert sich um die Finanzierung, die auch aus Fördermitteln bestehen soll. In den Sternen steht dagegen die Zukunft der zweiten Serie aus Husmanns Werkstatt. „Der kleine Mann“ entsprach bei Pro Sieben nach Quoten nicht den Erwartungen. Doch Husmann hofft auf die Wiederholung. Wenn dann die Marktanteile im Vergleich zur Premiere steigen, ist die Chance auf eine Fortsetzung deutlich höher.

Carsten Rave

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