Die Kritik zum Furtwängler-Tatort

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Als Fan völlig unglaubwürdig: Maria Furtwängler hier mit Filmsohn Maris Strauß und Stephan Waak im „Tatort“

München - Homosexualität in der Männerbastion - Die jüngste Tatort-Folge hat sich ein heißes Eisen vorgenommen. Wie die Macher das Thema umsetzten und wie Maria Furtwängler als Fußballfans wirkte:

Vielleicht ist es die leichte Aggressivität in der Stimme von Ben Nenbrook (Luk Pfaff), die das Thema dieses ARD-„Tatort“ am besten illustriert. Der Fußballprofi sitzt in der Umkleidekabine, blickt Charlotte Lindholm (als Fan leider völlig unglaubwürdig: Maria Furtwängler) und sagt: „Wissen Sie was? Die halbe Nationalmannschaft ist angeblich schwul, einschließlich Trainerstab. Es ist doch schon eine Art Volkssport, sowas zu verbreiten.“ Und zack, schon fühlt man sich ertappt. Hat man selbst nicht auch schon mal in einer bierseligen Runde darüber philosophiert? Wer bei Google „Jogi Löw“ eintippt, erhält als zweiten Suchvorschlag „Jogi Löw schwul“.

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Mit „Mord in der ersten Liga“ hat der NDR zweifellos ein heißes Eisen angefasst. Dabei erweist es sich als richtige Entscheidung, eine Frau ermitteln zu lassen, die sich dem Thema Homosexualität in der Männerbastion Fußball unvoreingenommen nähert. Das wirkt gerade im Zusammenspiel mit Lindholms Ermittlerkollege (und Hannover-96-Fan) Paul Näter (Fritz Roth), der seine Vorurteile ein ums andere Mal revidieren muss, mit Sätzen wie: „Das ist nicht meine Meinung, das sehen die Leute so.“

Der Plot mag bescheiden sein und das Drehbuch löchrig – beispielsweise kicken Spielerberater nun mal nicht mit auf dem Trainingsgelände, und wenn, dann haben sie bestimmt keinen Hund dabei. Ansonsten aber ist der Film erstaunlich nah dran an der ach so glamourösen Bundesliga-Welt. Selbst die Aufnahmen aus dem Stadion wirken – ausnahmsweise – echt. Und Regisseur Nils Willbrandt zeichnet ein stimmiges Bild von der Welt eines Fußballprofis, der ständig in der Angst leben muss, dass sein Doppelleben enttarnt wird.

Bleiben zwei Fragen. Erstens: Wollen wir den in Fall Eins überzeugenden Benjamin Sadler an der Seite von Maria Furtwängler wiedersehen? Unbedingt, ein harter Kerl wie der Journalist Jan Liebermann tut dem Eisklotz Charlotte Lindholm richtig gut. Und zweitens: Wie würden die Fans reagieren, wenn sich einer wie Ben Nenbrook wirklich outet? Sind die Fans im Stadion schon so weit, ihn wie jeden anderen Spieler zu bejubeln wie im Film? Oder haben die Macher die Realität zugunsten eines Happy Ends arg beschönigt? Unmöglich zu sagen.

Thierry Backes

 

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