Ergreifende Doku

Segantini: Erneuerer der Alpenmalerei

Schlicht gehaltene Dokumentation über Giovanni Segantini mit prägenden Aussagenund Einsichten des Künstler. Dennoch sehnt man sich nach bodenständigen Interviewfetzen. 

Einen Maler ins Kino zu bringen, ist nicht so einfach. Schließlich geht nichts über die Sogkraft von Öl und Leinwand. Manche Regisseure behelfen sich in solchen Fällen mit einem Biopic und erzählen die Lebensgeschichte des Malers in wuchtigen Filmbildern. Der Schweizer Regisseur Christian Labhart hat sich für eine schlichte Dokumentation entschieden.

Bescheiden, aber intensiv

Sein Porträt des 1858 im Trentino geborenen Giovanni Segantini, der die meiste Zeit seines Lebens staatenlos war, ist in der Wahl der Mittel bescheiden, in der Wirkung aber intensiv. Segantini war ein Vertreter des Symbolismus und Divisionismus. Er gilt als Erneuerer der Alpenmalerei und als Meister in der Darstellung des Lichts. Labhart geht in seiner Arbeit chronologisch vor. Auf Experteninterviews hat er verzichtet. Stattdessen zeigt er mal pittoresk, mal irritierend sachlich, wie Segantinis Lebensstationen heute aussehen, und kombiniert die Aufnahmen mit alten Fotografien, nostalgischen Zeichnungen und thematisch passenden Gemälden des Meisters.

Nicht immer lassen sich die Assoziationen nachvollziehen, manchmal wirken sie gewollt melancholisch und tiefsinnig, zumal ein Kammerensemble dazu bedeutungsschwanger musiziert. Ergänzt werden die Bilder durch eigene Aufzeichnungen Segantinis, die interessante Einblicke in dessen Welt- und Kunstbild gewähren. Dazu kommen Passagen aus Asta Scheibs Roman „Das Schönste, was ich sah“ über Segantini und dessen Frau Luigia Bugatti. Letztere verleihen der Doku einen solch poetischen-hymnischen Duktus, dass man sich nach Interviewfetzen mit einem Kunsthistoriker sehnt, der Segantini bodenständig und sachlich einordnet. 

„Giovanni Segantini – Magie des Lichts“

Regie: Christian Labhart

Laufzeit: 82 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie sich für Malerei interessieren.

Von Kathrin Hildebrand

Rubriklistenbild: © dpa

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