Filme zu schlecht: Jury vergibt keine Preise

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Das Filmfestplakat am Forum am Deutschen Museum.

München - Es ist ein kleiner Skandal: Erstmals in der 20-jährigen Geschichte des Förderpreises Deutscher Film gibt es in diesem Jahr keinen Gewinner in der Kategorie Regie.

Man habe sich nicht auf einen Preisträger einigen können, sagten die Juroren - Regisseurin Caroline Link, Schauspieler Maximilian Brückner und Produzent Uli Aselmann - am Mittwoch beim Filmfest München. "Wir waren nicht glücklich mit der Auswahl und fühlen uns durch die nicht komplette Vorschlagsliste bevormundet", sagte Oscarpreisträgerin Link und sorgte damit für Wut und Enttäuschung bei den Nominierten und betretene Gesichter bei den Preisstiftern. Die vorgelegte Auswahl sei nicht repräsentativ für den jungen deutschen Film.

Auch einen Preisträger in der Kategorie Drehbuch wollte die dreiköpfige Jury deshalb nicht verkünden. "In den vergangenen Jahren sind Filme ausgezeichnet worden, die danach nie irgendwo gezeigt wurden, weil sie nicht gut genug waren", sagte Aselmann. "In diesem Jahr wollten wir ein Zeichen setzen."

Die Juroren konnten nur aus einer nach Angaben Links "komischen Liste" auswählen, die die Stifter des mit insgesamt 60.000 Euro dotierten Preises - Bayerischer Rundfunk, Bavaria Film und HypoVereinsbank - vorgelegt hatten. "Wir als Jury hätten die Liste gerne ergänzt, aber das war nicht möglich", sagte Link. Die Juroren forderten die Stifter auf, die Regularien und vor allem die Altersbeschränkung von 35 Jahren zu überdenken.

"Wenn Eure Ehe zerrüttet ist, müssen nicht wir Kinder darunter leiden", kritisierte der nominierte Nachwuchsregisseur Felix Fuchssteiner. Er fasste den Unmut und die Enttäuschung der Nominierten in Worte: "Das entwertet die Filme, die auf der Liste standen und das entwertet auch die Preisträger." Als Jurymitglied müsse man wissen, "dass man einen Job zu machen hat", sagte er.

Dabei gehörte sein Familiendrama "Draußen am See" noch zu den Gewinnern. Seine Hauptdarstellerin Elisa Schlott wurde als beste Nachwuchsschauspielerin geehrt und bekommt 5000 Euro, Produzentin Katharina Schöde bekam den erstmals verliehenen und mit 20.000 Euro dotierten Produzentenpreis. Der mit 5000 Euro dotierte Preis für den besten männlichen Schauspieler ging an Max Kidd für "Hangtime - Kein leichtes Spiel".

Die 30.000 Euro, die jetzt übrig bleiben, sollen an die Filmhochschule in München gehen - eine Entscheidung, die Fuchssteiner nicht verstehen kann. "Ich glaube nicht, dass es ein Problem in Deutschland ist, dass wir zu wenig Filmhochschulen haben", sagte er. "Danach wird es schwierig." Gut ausgebildeten Filmemachern fehle das Geld für gute Filme. Der Förderpreis sei nicht dazu da, Filme im Nachhinein zu finanzieren, sagte dagegen Aselmann. "Preise gibt es für ausgezeichnete Leistungen." Er bedauerte zwar, den Nominierten einen "Schlag ins Gesicht" verpassen zu müssen, betonte aber: "Die Diskussion, die jetzt angestoßen wurde, ist lange nötig."

Die Sponsoren sagten, sie respektierten die Entscheidung der Jury, verwiesen aber darauf, dass sie an das Filmfest München gebunden seien. Nur Filme, die auf dem Filmfest in der Reihe "Neue deutsche Kinofilme" laufen, dürfen den Preis gewinnen. "Uns sind die Hände gebunden aus den Vorgaben des Filmfestes", sagte HypoVereinsbank-Sprecher Hartmut Pfeifer. "Das Filmfest München stellt jedes Jahr in seinem Programm die besten neuen Filme vor und dokumentiert das aktuelle Filmschaffen in Deutschland und in der Welt", sagte Festivalleiter Andreas Ströhl. Link, Brückner und Aselmann sahen das wohl anders. "Das überrascht uns und enttäuscht uns", sagte Ströhl. "Aber wir können die Entscheidung der Jury nur mit Bedauern zur Kenntnis nehmen."

Von Britta Schultejans

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