Deutsche Serien erobern die Welt

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Horst Tappert alias „Derrick“: die meistgekaufte TV-Serie aus Deutschland

Oberinspektor Derrick ist bis heute einer der Bestseller des deutschen Fernsehens. Mit dem markanten Münchner Ermittler begann in den 80er Jahren ein internationaler Siegeszug für deutsche Fernsehformate.

Derrick mit Horst Tappert gehört zu den meistverkauften TV-Serien aus Deutschland und wurde in 108 Ländern ausgestrahlt. Auch der ARD-Tatort läuft auf der ganzen Welt und die RTL-Serie Alarm für Cobra 11 wurde in mehr als 100 Staaten verkauft.

„Das Ausland schätzt inzwischen unseren sehr hohen Produktionswert, die handwerklich sehr gut gedrehten Filme und die Erzählkraft der Storys“, sagt der Geschäftsführer der Firma ZDF Enterprises, Alexander Coridaß.

In Gesprächen mit den Vertreibern wird schnell klar: „Krimi, Action und Herz-Schmerz gehen immer.“ Letzteres war an der Telenovela Verliebt in Berlin mit Alexandra Neldel zu sehen: Lisa Plenske, die vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan wurde, war in Deutschland ein Quoten-Hit. Die Franzosen kauften von der Serie 645 Episoden, bestätigte Jens Richter, Geschäftsführer der ProSiebenSat.1-Vertriebsfirma SevenOne International.

Überhaupt greifen in erster Linie französische, italienische und spanische Sender bei deutschen Fiktion- Produkten zu. „In diesen Märkten ist auch das Geld zu machen“, wie Coridaß betont. Im englischsprachigen Raum haben deutsche TV-Filme und -Serien dagegen keine Chance. „Die akzeptieren keine Synchronisation“, sagt Richter.

80 Prozent des Umsatzes von Programmverkäufen – über den sich übrigens alle Befragten ausschweigen – macht beispielsweise RTL in Frankreich, Spanien, Italien und, bedingt, noch in Japan. „Bei Verkäufen etwa nach Taiwan oder Afrika kommen dagegen eher überschaubare Beträge zusammen“, sagt Dirk Schweitzer, zuständig für den Einkauf und Verkauf von fiktionalem Fremdprogramm bei RTL. Dabei ist der RTL-Renner Alarm für Cobra 11 bis nach China verkauft worden. Wie einst auch Horst Tappert „sprechen“ die Schauspieler dort natürlich Mandarin, sehr amüsant für deutsche Zuschauer.

„Derrick war der Ur-Knall des deutschen Auslandsvertriebs“, sagt Coridaß. Es folgte unter anderem der ARD-Tatort. Aktuell laufen diese Krimis laut Bavaria Media Television beispielsweise im Iran, in der Slowakei und in Ungarn.

Trotz vieler Erfolge für TV made in Germany im Ausland gibt es von internationalen Kunden durchaus auch Kritik. „Manchmal wird uns vorgeworfen, im Vergleich zu internationalen Erfolgsprogrammen zu langsam, zu hölzern und dialoglastig zu sein sowie Schauspieler ohne Leidenschaft und internationale Ausstrahlung zu präsentieren“, berichtet Coridaß.

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