Film der Woche

Bilder und Trailer zu „Public Enemies“

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Ein klassischer Gangster – und dennoch ein Auslaufmodell: Johnny Depp als John Dillinger .

München - In „Public Enemies“ erzählt Michael Mann das Leben des Gangsters John Dillinger überraschend anders. Hier gibt es den Kinotrailer und die Bilder zum Film der Woche.

Brechts alter Slogan hat wieder Konjunktur, dass ein Bankraub das geringere Verbrechen sei im Vergleich zu einer Bankgründung. John Dillinger , legendärer Gangster der Depressions-Ära, war schon zu Lebzeiten ein Auslaufmodell: In „Public Enemies“ sucht Dillinger (Johnny Depp) einmal Hilfe beim organisierten Verbrechen. Das aber macht seine Geschäfte längst per Telefon. Und hat für den noch mit Knarren operierenden Kollegen keine Sympathie: Seine Umtriebe sorgen für Unruhe, die schlecht ist für die Rendite.

Kinotrailer zu Public Enemies

Ist „Public Enemies“ also der Film zur Finanzkrise? Nein, das bleibt nur ein kurz aufblitzender Ansatz – wie so vieles. Michael Manns neues Werk ist ein Film der Fragmente und unaufgelösten Widersprüche: Er zieht Parallelen zwischen der Gründung des FBI und Bushs „War on Terror“, wo jeweils die Bedrohung durch „Staatsfeinde“ instrumentalisiert wurde, um die Befugnisse der Behörden massiv auszuweiten. Doch zugleich ist er auch eine jener archaischen Fabeln darüber, wie ähnlich sich Gejagter und Jäger – hier der Bundespolizist Melvin Purvis ( Christian Bale ) – im Grunde sind.

Die Bilder zum Film

„Public Enemies“: Bilder aus dem Kino-Film

Er ist ein Film voller historisch akkurater Details – zugleich aber auch einer über den Mythos des Volkshelden Dillinger. Er hat die Ausstattung eines Historienepos – aber er filmt ohne großes Schwelgen, oft fast reportagehaft mit Digitalkameras. Er ist ein unsentimentaler Actionfilm, der kein Feuergefecht auslässt – aber am Ende steht doch die tragische Liebe, die Treue von Dillingers Freundin Billie ( Marion Cotillard ) als das einzig Unbeugsame. Was „Public Enemies“ eher nicht ist: Der Film, den man sich von Michael Mann zu diesem Thema, mit dieser Besetzung erwartet hätte. Es ist kein „Heat“ in den Dreißigerjahren. Mann will hier auf etwas Spröderes hinaus.

Johnny Depp , immer für eine Überraschung gut, spielt Dillinger erstaunlich zurückhaltend: Als einen, für den auch Charisma und Charme nur präzise eingesetzte Werkzeuge, Waffen sind. Der selbst staunend und amüsiert beobachtet, was Polizei, Öffentlichkeit und Medien aus „ John Dillinger “ für ein Mythenwesen gemacht haben. Der noch immer Leinwand-Gangster bewundert. Nur einmal lassen Depp und Alphatier Bale beim Aufeinandertreffen richtig die Funken sprühen. Sonst porträtieren sie ihre Figuren vor allem als: Männer bei der Arbeit.

Man wird – nicht zuletzt aufgrund der Ultrakurz-Auftritte bekannter Darsteller – das Gefühl nicht los, dass hinter „Public Enemies“ noch ein vierstündiger Director’s Cut lauert. Welcher die ganzen Facetten enger verwebt, statt sie nebeneinanderzustellen. Aber dass ein Film komplexer ist als ihm letztlich guttut, ist ja nicht der schlechteste Vorwurf. (In München: Mathäser, Maxx, Royal, Münchner Freiheit, Atlantis, Gabriel, Cinema, Museumslichtspiele OV.)

Der Mythos John Dillinger in Film und Literatur

Im Gegensatz zu Michael Manns großem Kaleidoskop versucht Stephen King, sich dem Mythos John Dillinger über eine einzige (fiktive) Anekdote zu nähern: In der Kurzgeschichte „Der Tod des Jack Hamilton“ lässt er den Kumpanen Homer Van Meter (im Film: Stephen Dorff) von seinem Freund Johnnie erzählen. Die Story spielt kurz nach der spektakulären Schießerei im Waldhotel Little Bohemia.

Bei der Flucht wird ein Bandenmitglied von einer Kugel getroffen – und siecht über Tage hinweg in den Tod. So weit ist’s historisch belegt. Der große Lagerfeuererzähler King webt darum eine Legende über die Herkunft der Narbe auf Dillingers Oberlippe – und eine schöne Fabel um Untergangsahnung und Schicksalsergebenheit. Zu finden in der Sammlung „Everything’s Eventual“ (dt. „Im Kabinett des Todes“). Eine Verfilmung ist angeblich in Arbeit.

Thomas Willmann

„Public Enemies“
mit Johnny Depp, Christian Bale
Regie: Michael Mann
Sehenswert ****

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