Tribute von Panem: Amazone in naher Zukunft

Mit „Die Tribute von Panem“ mit Jennifer Lawrence kommt wieder eine Literaturverfilmung ins Kino. Lesen Sie hier die Kritik zu unserem Film der Woche.

Panem heißt das Nordamerika einer gar nicht weit entfernten Zukunft. In der erfolgreichen Roman-Trilogie, die Suzanne Collins von 2008 bis 2010 schrieb, ist das Land ein düsterer, karger Ort geworden, an dem die meisten Menschen in einen vorindustriellen Zustand zurückgefallen sind. Ein kleiner Prozentsatz der Gesamtbevölkerung lebt aber in einer futuristisch anmutenden Stadt namens Kapitol, genießt Privilegien und bestimmt, was in den umliegenden Distrikten passiert. So veranstalten die Reichen aus Kapitol beispielsweise alljährlich zur Ablenkung der Plebs und zur Vermeidung einer möglichen Revolte „Hungerspiele“: eine Art moderner, blutrünstiger Gladiatorenkampf, für den jeder Distrikt zwei Leute bereitzustellen hat und den letztlich nur einer überleben kann.

Gary Ross beginnt den ersten Teil der geplanten Film-Trilogie mit dem Auswahlverfahren für die Hungerspiele. Die 16-jährige Katniss (Jennifer Lawrence), die mit Pfeil und Bogen wie keine andere umgehen kann, meldet sich freiwillig für den Kampf, um ihre kleine Schwester davor zu bewahren.

Suzanne Collins darf man getrost in einem Atemzug mit Bestseller-Autorinnen wie „Harry Potter“-Erfinderin Joanne K. Rowling und „Twilight“-Schöpferin Stephenie Meyer nennen. Anders als ihre Kolleginnen hält sie sich mit einer – wenn auch eher naiven – Gesellschaftskritik nicht zurück. Die Macht der Medien, die Perversion des Reality-TV, die Konzentration von Privilegien und Macht in den Händen weniger Menschen, das Umkippen einer einst guten Regierungsform in eine Oligarchie – all das transportieren Collins und Ross sehr anschaulich für ihre Zielgruppe der 13- bis 20-Jährigen.

Optisch arbeitet der Regisseur in „Die Tribute von Panem“ stark mit dem Gegensatz der entfärbten Welt der Armen und der bunten, grotesk überzeichneten Science-Fiction-Welt der Reichen. Auf die Ausstattung und die Kostüme legte er viel Wert, was dem Interesse der jugendlichen Zielgruppe entsprechen dürfte. Doch die bravourös aufspielende Darstellerriege (allen voran Lawrence, Woody Harrelson, Lenny Kravitz und Donald Sutherland) spricht auch ältere Zuschauer an. Die insgesamt eher konventionelle Dramaturgie lässt sich verkraften in einem Actionfilm, der zur Identifikation eine ungewöhnlich spannende Frauenfigur bietet. (In München: Mathäser, Cinemaxx, Royal, Münchner Freiheit, Cadillac, Autokino, Museum-Lichtspiele, Cinema.)

„Die Tribute von Panem“

mit Jennifer Lawrence

Regie: Gary Ross

Sehenswert: Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Alien“ oder „Running Man“ mochten.

Rubriklistenbild: © Verleih

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare