Winnenden-Schütze: Strafmaß für Vater gesenkt

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Das Gericht senkte das Strafmaß für den Vater des Amokschützen von Winnenden

Stuttgart - Im Revisionsprozess um den Amoklauf von Winnenden hat das Gericht den Vater des Täters zu einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Die Strafe lag damit leicht unter der des ersten Verfahrens. Die Stuttgarter Kammer sprach den 54-Jährigen am Freitag erneut der fahrlässigen Tötung in 15 Fällen und der 14-fachen fahrlässigen Körperverletzung für schuldig. Der Vater des Amokläufers hatte die Pistole unverschlossen im Kleiderschrank aufbewahrt, mit der sein Sohn am 11. März 2009 in Winnenden und Wendlingen 15 Menschen und sich selbst erschoss.

Die Staatsanwälte hatten auf die gleiche Strafe wie im ersten Urteil plädiert und angeführt, der Revisionsprozess habe keine neuen Erkenntnisse gebracht. Das bewerteten die Verteidiger des Vaters anders: Sie sahen nur einen Verstoß gegen das Waffengesetz und forderten, die Kammer solle von einer Strafe absehen. Der Angeklagte habe durch den Verlust seines Sohnes bereits genug gelitten, hieß es in der Begründung von Rechtsanwalt Hubert Gorka.

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Der zweite Prozess war nötig, weil der Bundesgerichtshof das erste Urteil wegen formaler Fehler kassiert hatte. Da damals nur die Verteidigung und nicht die Staatsanwaltschaft Revision beantragt hatte, konnte die Strafe für den Angeklagten diesmal nicht höher ausfallen als im ersten Verfahren.

Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe

Auf den Vater des Amokläufers von Winnenden kommen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe zu. Nach Schätzungen des Rechtsanwalts Jens Rabe summieren sich allein die Forderungen der Stadt Winnenden auf rund 9,4 Millionen Euro. Die Stadt hat die Albertville-Realschule nach der Tat wiederherrichten und umbauen lassen - auch um die dramatischen Bilder möglichst vergessen zu machen. Rabe vertritt die Stadt und 35 Einzelkläger. Dazu gehören Angehörige der Todesopfer vom 11. März 2009, aber auch Verletzte.

Die Forderungen der Einzelkläger addieren sich laut Rabe auf mehr als 1,5 Millionen Euro. Verhandlungen über außergerichtliche Einigungen mit der Haftpflichtversicherung des Vaters laufen. Eine Sprecherin der Allianz in München sagte: „Wir haben gegenüber den Betroffenen nach Abschluss des ersten Strafverfahrens im Jahr 2011 die Haftung anerkannt.“

Auch der Vater des Amokläufers streitet zivilgerichtlich, und zwar mit dem Zentrum für Psychiatrie in Weinsberg. Er will erreichen, dass die Klinik bis zu 8,8 Millionen Euro an möglichen Schadenersatzforderungen übernimmt, weil sie ihn nicht von der Gefahr berichtet habe, die von seinem Sohn ausging. Sein Klageentwurf liegt der Psychiatrie mittlerweile vor.

dpa

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