Datenschutz

Bei WhatsApp können bald Fremde mitlesen - und die EU ist Schuld

Die Whatsapp-App auf einem Smartphone. (Symbolbild)
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Die EU will sich durch eine Hintertür mehr Zugriff auf u.a. WhatsApp-Chats verschaffen.

Die EU will die Verschlüsselung in Messaging-Diensten wie Whatsapp und Signal durch eine Hintertür umgehen. Datenschützer sind alarmiert.

Brüssel - Es ist ein Angriff auf die sichere Kommunikation im Netz: Die EU-Mitgliedsstaaten planen die sichere Verschlüsselung EU-weit zu verbieten. Sie wollen durchsetzen, das noch in diesem Jahr einen Beschluss verabschiedet wird, der Messaging-Dienste wie Whatsapp und Signal dazu zwingt, eine Hintertür einzubauen. 

Sicherheitsbehörden: Hintertür bei Whatsapp & Co. soll Mitlesen ermöglichen

Die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bei WhatsApp funktioniert nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Die WhatsApp-Nachricht des Absenders wird also mit einem Schloss geschützt, den Schlüssel dazu hat nur der Empfänger. Alle anderen können die Nachricht nicht lesen.

Für Sicherheitsbehörden stellt das eine klare Barriere für ihre Ermittlungen dar. Sie machen sich seit Jahren dafür stark, eine Art Hintertür bei Messaging-Diensten einzubauen. Der Terroranschlag in Wien* ist für die Politik nun ein weiterer Anlass, mehr Überwachung zu fordern. Denn um in WhatsApp-Chats mitzulesen, müssen Behörden Trojaner auf den Endgeräten von Zielpersonen installieren*, das ist relativ aufwändig.

Laut einem geleakten Dokument ist eine Resolution geplant. Diese fordert Behörden und Geheimdiensten einen Geheimschlüssel für verschlüsselte WhatsApp-Nachrichten zu ermöglichen. Das Dokument wurde als geheim klassifiziert und liegt dem ORF-Sender FM4 vor. Darin steht, dass der Beschluss noch im November bearbeitet werden soll. Die Maßnahme erfolge im Interesse der öffentlichen Sicherheit, heißt es. Denn Kriminelle würden immer wieder die Verschlüsselungsmethoden der Messaging-Dienste für ihre Zwecke missbrauchen.

Messenger: WhatsApp-Chats von Normalbürger in Gefahr

Außerdem seien die Behörden darauf angewiesen, Beweise aus WhatsApp und Co. sichern zu können, wie etwa bei Kindesmissbrauch, Terrorismus oder Cyberkriminalität. Das eigentliche Problem würde dabei jedoch nicht gelöst: Kriminelle und Terroristen könnten andere Apps mit mehr Sicherheit für ihre illegalen Aktivitäten nutzen.

Die Kommunikation zwischen Normalbürgern wäre durch das Mitlesen der Behörden unsicher*. Schließlich ermöglicht eine Hintertür im Sicherheitssystem von WhatsApp und Co., dass nicht nur Sicherheitsbehörden sie benutzen. Das ist vielen Datenschützern ein Dorn im Auge.

Auch FDP-Europapolitikerin Nicola Beer äußert sich: „Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist in einer digitalen Welt Kern geschützter Kommunikation zwischen Bürgern, die wir nicht leichtfertig aufbrechen dürfen“. *FNP ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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