Droht der Nordsee eine Umweltkatastrophe?

Brand auf Frachter-Wrack: Wasserwerfer eingesetzt

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Der Notfall-Hochseeschlepper "Nordic" und das Mehrzweckschiff "Neuwerk" löschen den Brand auf dem Frachter "Purple Beach" in der deutschen Bucht in der Nordsee bei Helgoland.

Bremerhaven/Cuxhaven - Vor Helgoland liegt ein havarierter Frachter mit 6000 Tonnen Düngemittel. Der Kampf gegen Rauch und Hitze scheint erfolgreich, doch es bleiben offene Fragen.

Einsatzkräfte haben die Explosionsgefahr an dem Frachter "Purple Beach", der in der Nordsee in Not geraten ist, offenbar gebannt. Der Einsatz von Wasserwerfern an einem havarierten Düngemittel-Frachter zeigte Wirkung. Die Rauch- und Gaswolke sei deutlich reduziert worden.

Seit dem frühen Dienstagmorgen gibt es nach Angaben des Havariekommandos in einem Laderaum des mit Düngemitteln beladenen Frachtschiffs ein Feuer oder eine chemische Reaktion mit Wärmentwicklung und zeitweiliger Rauchentwicklung.

Wegen der möglichen Explosionsgefahr sowie der Rauchentwicklung an Bord wurde das 192 Meter lange Schiff vorsorglich geräumt. Was sich genau im Inneren abspielt, ist derzeit unklar.

Hitze in Laderaum gemessen

Experten des sogenannten Havariekommandos konnten das 192 Meter lange Schiff vor Helgoland am Mittwochvormittag nicht betreten, weil sich Gase bildeten und Explosionsgefahr befürchtet wurde. Ein Messtrupp stellte Hitze in einem Laderaum fest. Über dem Schiff stand eine Rauchwolke. Der Wind trieb den Geruch des Düngemittels bis zu den ostfriesischen Inseln und zum Festland. Die Einwohner wurden daher aufgefordert, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

Die 22-köpfige Crew und ein Brandbekämpfungsteam waren bereits am Dienstagabend vom Schiff zu Untersuchungen in Krankenhäuser geflogen worden. Schwer verletzt sei allerdings niemand, sagte Friedrich.

Eine Gefahr für die Umwelt gebe es derzeit nicht. Das könnte sich allerdings ändern, sollte der Frachter explodieren oder anderweitig Dünger ins Meer geraten.

Anwohner: "Komischer Geruch" in der Luft

Mehrere Einwohner von Bremerhaven und Cuxhaven hätten in der Nacht bei der Polizei angerufen und einen komischen Geruch in der Luft gemeldet, sagte der Sprecher des Havariekommandos, Michael Friedrich. Wegen des unangenehmen Geruchs wurden die Bewohner aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Die vorsorgliche Warnmeldung vor der Geruchswolke galt am Mittwochmorgen für einen großen Teil des westlichen Niedersachsens und der dortigen Nordseeküste. Gefahr würde durch die Wolke allerdings nicht bestehen.

Einsatzkräfte setzen Wasserwerfer ein

Die Notfallbekämpfungsschiffe legten einen Sprühnebel aus Wasser über den Havaristen, um die Geruchsbildung zu reduzieren. Der Einsatz der Wasserwerfer zeigte Wirkung: Die Rauch- und Gaswolke sei deutlich reduziert worden. Messungen hätten keine explosive Atmosphäre mehr ergeben, sagte ein Sprecher des Havariekommandos am Mittwoch in Cuxhaven, das den Einsatz koordiniert. Zuvor hatten Experten noch von einer möglichen Explosionsgefahr gesprochen.

Nach Messung der Analytischen Task Force des Havariekommandos sei ein Personaleinsatz auf dem Havaristen nicht möglich, hieß es. „Wir werden in dieser Situation keine Einsatzkraft gefährden“, teilte der Leiter des Havariekommandos, Hans-Werner Monsees mit. Chemische Reaktionen oder Explosionen seien nicht auszuschließen. Mehrere Spezialschiffe waren am Ort der Havarie, hielten aber einen Sicherheitsabstand von fünf Kilometern zur „Purple Beach“ ein.

Brandbekämpfungsspezialisten wollten keine Luke öffnen, um nicht zu riskieren, dass Sauerstoff in den Laderaum gelangt und ein Feuer anfacht oder eine Explosion auslöst. Der Plan, den betroffenen Bereich zu fluten, ließ sich zunächst nicht umsetzen.

Die Besatzung der "Purple Beach" hatte am Montagabend Rauchentwicklung in einem der Laderäume des 192 Meter langen Schiffs bemerkt. Der Frachter unter der Flagge der Marshallinseln liegt etwa 30 Kilometer westlich von Helgoland.

dpa/AFP

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