Erste Bilder: So sieht es im Horror-Reaktor aus

Tokio - Nach Tagen dramatischer Rückschläge in Fukushima vermeldet der AKW-Betreiber zumindest kleine Erfolg. Mittlerweile gibt es erste Bilder, die das Innere des Katastrophen-Reaktors zeigen - und ein schockierendes Video.

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Das japanische Militär hat mit Wasser-Abwürfen aus der Luft und Spritzkanonen am Boden Block 3 am Katastrophen-AKW zu kühlen versucht. Der Betreiber Tepco wertete den Einsatz am Donnerstag als Erfolg, weil Wasserdampf aus dem überhitzten Meiler aufgestiegen sei. Man habe offenbar das Kühlbecken getroffen. Die Behörden gaben aber keine Entwarnung. Seit dem Erdbeben vom Freitag versuchen Einsatzkräfte verzweifelt, eine komplette Kernschmelze im AKW zu verhindern.

Erste Bilder aus dem Horror-Reaktor

Japan-Katastrophe: Die Bilder vom Donnerstag

Die Brennelemente in Reaktor 3 enthalten hochgiftiges Plutonium und liegen teilweise frei. Die wichtige innere Reaktorhülle des Blocks 3 sei möglicherweise beschädigt, hatte Regierungssprecher Yukio Edano am Mittwoch berichtet. Später hieß es, die Hülle sei intakt. Die Angaben der Behörden sind seit Tagen oft widersprüchlich. Zumindest die Wettervorhersage sorgte für Erleichterung. Auch am Freitag soll der Wind von Fukushima in Richtung Osten wehen und damit giftige Strahlenpartikel auf den Pazifik hinaus tragen, meldete der Fernsehsender NHK. Die Millionen-Metropole Tokio - etwa 230 Kilometer davon entfernt - bekommt nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes DWD auch in den nächsten Tagen keine Strahlenwolken ab.

Japanische Bürger meldeten sich freiwillig, um die Arbeiter im havarierten AKW unterstützen. Unter den Freiwilligen sind Angestellte des Betreibers Tepco sowie anderer Firmen, wie der britische Sender BBC berichtete. Die letzten verbliebenen Arbeiter im Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima Eins sind nach Einschätzung des Präsidenten der Gesellschaft für Strahlenschutz “Todeskandidaten“. Die gewaltige radioaktive Strahlung sei für sie eine “Katastrophe“, die sie wohl früher sterben lasse, sagte Sebastian Pflugbeil der Nachrichtenagentur dpa am Donnerstag. Wie viele Menschen am Donnerstag an dem strahlenden Trümmer-AKW genau im Einsatz waren, blieb zunächst unklar.

Ob das große Atom-Desaster noch verhindert werden kann, entscheidet sich nach Einschätzung der Strahlenschutz-Gesellschaft vermutlich bis Samstag. Wenn die Kühlversuche am havarierten Atomkraftwerk an Block 4 scheiterten, komme es zur Katastrophe. “Das wird sich wahrscheinlich morgen (Freitag), spätestens übermorgen entscheiden, ob es noch gelingt, da irgendwas zu machen“, sagte Pflugbeil der dpa. Andere Fachleute betonten wiederholt, dass jeder Tag ohne volle Kernschmelze ein gewonnener Tag sei, um das ganz große Destaster noch zu verhindern. Auch am Freitag werde Block 3 wieder mit Wasser von außen bespritzt werden, sagte der Regierungssprecher Yukio Edano nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo. Bis dahin wollen Techniker zudem eine Notstromleitung in das Kraftwerk verlegt haben, mit deren Hilfe die Kühlaggregate der ebenfalls havarierten Blöcke 1 und 2 in Gang gesetzt werden sollen. 

Der Kühl-Einsatz am AKW wird seit Donnerstagmorgen auch aus der Luft geführt: Die Hubschrauber können nach Angaben des Fernsehsenders NHK 7,5 Tonnen Wasser fassen. Doch das zielgenaue Treffen ist schwierig. Die Strahlung über dem Reaktor ist noch deutlich höher als am Boden. Die Helikopter durften nicht über dem Kraftwerk kreisen, sondern mussten im Vorbeifliegen Wasser ablassen. Mehrmals ergoss sich ein riesiger Schwall über den Block 3, dessen Dach bei einer Explosion abgerissen worden war. Die radioaktive Strahlung am Atomkraftwerk betrug am Donnerstag nach Angaben von Verteidigungsminister Toshimi Kitazawa zwischenzeitlich 4,13 Millisievert pro Stunde. In Deutschland liegt der Grenzwert für zusätzliche radioaktive Strahlung bei 1 Millisievert pro Jahr. An einer relativ wenig verstrahlten Stelle innerhalb des AKW-Gebäudes soll ein Stromgenerator aufgestellt werden.

Wie Verteidigungsminister Kitazawa sagte, sind leistungsstarke Pumpen der US-Streitkräfte auf dem Weg nach Japan. Regierungssprecher Edano sagte am Donnerstag, die Kühlversuche in den Reaktoren 5 und 6 hätten noch nicht begonnen. Es bleibe noch “etwas Zeit“, bis es dort gefährlich werden könnte. Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo weiter mitteilte, sank der Wasserstand in Block 5, der Druck stieg. Regierungssprecher Edano berichtete, Japans Ministerpräsident Naoto Kan und US-Präsident Barack Obama hätten etwa 30 Minuten lang telefoniert und eine “enge Zusammenarbeit“ vereinbart. Obama habe versprochen, noch mehr Atomexperten nach Japan zu schicken. Allerdings kritisierten die USA am Mittwoch, dass die Evakuierungszone in Japan nicht groß genug sei.

Nach Informationen der internationalen Atombehörde IAEA wurden seit vergangenen Freitag mindestens 46 Mitarbeiter des AKW Fukushima verletzt. Ursache waren das Erdbeben, die Explosionen in den Meilern sowie die starke Verstrahlung. IAEA-Experten flogen von Wien Richtung Japan. Die Situation der Flüchtlinge in Japan verschärft sich derweil. In der Präfektur Fukushima verlassen immer mehr Menschen ihre Häuser und bringen sich in Sicherheit. Wie der Fernsehsender NHK berichtete, flohen weitere 28 000 Menschen vor der Gefahr radioaktiver Verstrahlung. Weiter im Nordosten kämpfen die Menschen unterdessen gegen bittere Kälte. Benzin und Nahrungsmittel werden nach der Erdbebenkatastrophe immer knapper. Die Zahl der offiziell registrierten Todesopfer nach dem Beben stieg am Donnerstag in Richtung 6000. Mindestens 9000 Menschen galten zudem noch als vermisst, wie NHK weiter meldete. Weitere schwere Nachbeben erschütterten am Donnerstag den Inselstaat. Die Behörden riefen die Menschen in der 35-Millionen-Metropole zum radikalen Stromsparen auf. Nur so könne ein Kollaps bei der Energieversorgung verhindert werden.

dpa

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