Waldbrände: Russland kämpft gegen atomare Gefahr

Moskau - Tausende Einsatzkräfte kämpfen in Russland weiter gegen die Gefahr eines Übergreifens der schweren Waldbrände auf Atomanlagen und radioaktiv verseuchte Gebiete des Landes.

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In der Ural-Stadt Osersk, wo das große Atommüllaufbereitungs- und Lagerungszentrum Majak liegt, ist heute (Dienstag) eine Krisensitzung geplant. Bürgermeister Viktor Trofimtschuk rief für Osersk wegen der nahen Brände den Ausnahmezustand aus. Damit seien etwa Picknicks in den Stadtparks und umliegenden Wäldern verboten, wie die Staatsagentur Ria Nowsoti meldete. In ganz Russland wüten seit Wochen die schwersten Waldbrände seit Jahrzehnten. Die Feuerwalze nähert sich nach Angaben russischer Behörden immer wieder bedrohlich den Atomanlagen des Landes. Experten befürchten aber vor allem, dass die Waldbrände radioaktiv verseuchte Böden aufwirbeln und das Strahlengift in andere Regionen tragen. Vergangene Woche hatte in der Nähe der Atomwaffenschmiede Sarow der Wald gebrannt.

Verheerende Waldbrände in Russland

Verheerende Waldbrände in Russland

Am Sonntag näherte sich das Großfeuer dem Kernforschungszentrum Sneschinsk nahe Tscheljabinsk im Ural. Die Feuer wurden gelöscht. Auch im Gebiet Brjansk, wo die Böden seit der bisher schlimmsten Atomkatastrophe 1986 in Tschernobyl (Ukraine) besonders radioaktiv belastet sind, gab es zunächst Entwarnung. Die Flammen seien erstickt, die Messwerte in der Luft hätten keine erhöhte Radioaktivität ergeben, teilten die Behörden mit. Der Direktor des Instituts für sichere Atomenergie, Leonid Boloschow, warnte vor Panikmache. Die Atommülldeponien im Land seien durch einen mehrschichtigen Mantel aus Beton und Metall geschützt, so dass Feuer sie kaum beschädigen könne, sagte er. Dagegen äußerte sich die Umweltschutzorganisation Greenpeace besorgt über die immer neuen Nachrichten, dass das Feuer auch auf Atomanlagen übergreifen könnte.

Die Brände könnten schwere Folgen haben, warnte der Greenpeace- Atomexperte Christop von Lieven in der “Neuen Presse“ (Dienstag) aus Hannover. Vor allem die Feuer vor Majak 1500 Kilometer östlich von Moskau - 1957 Schauplatz der größten Atomkatastrophe vor Tschernobyl - seien gefährlich. “Es liegt viel radioaktives Material in der Umgebung, viel Material wurde damals einfach in einem See versenkt.“ Majak gelte bis heute als der größte radioaktiv belastete Ort und damit als eines der gefährlichsten Gebiete der Welt. “Wenn die Brände auf die Region übergreifen, könnte das radioaktive Material mitverbrennen: Das sind Partikel und Kleinstmaterialien, die bisher im Boden, im Torf, in den Pflanzen gebunden sind“, sagte Lieven. Wenn das freigesetzt werde, könnte es beim Löschen mit ins Grundwasser gespült oder bei Bränden mit dem Rauch hochgetrieben werden.

Zwar untersuche Greenpeace regelmäßig mutmaßlich stark kontaminierte Orte. “Aber bei dieser Häufung von Bränden, die jetzt in und um Moskau, im Süden und im Ural sind, können wir gar nicht überall sein“, sagte er. Die von einer Jahrhundert-Hitze und schweren Dürre begleiteten Brände, die bereits Wochen dauern, haben Russland in eine schwere ökologische, wirtschaftliche und humanitäre Katastrophe gestürzt. In der russischen Hauptstadt Moskau leiden die Menschen seit Tagen unter giftigem Smog.

dpa

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