Vincent van Gogh: Mythos und Wahrheit

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Die Ausstellung und der gleichnamige Katalog „Van Gogh at Work“ zeigen, wie der Künstler seine Meisterwerke wie „Das Schlafzimmer“ in mühevoller Arbeit entwickelte.

Vincent van Gogh gilt als geniales Naturtalent, der die Farben intuitiv auf die Leinwand auftrug und dadurch einzigartige Bilder erschuf. Die Ausstellung „Van Gogh at Work“ und der Ausstellungskatalog widerlegen den Mythos und zeigen, dass der Künstler stets diszipliniert an seinen Werken arbeitete.

Um kaum einen anderen Maler werden so viele Geschichten gesponnen wie um Vincent van Gogh. Es heißt, er habe wie im Wahn gearbeitet. Kritiker Julius Meier-Graefe behauptete sogar, bei ihm würde die Farbe „wie Blut herumspritzen“. Die Ausstellung „Van Gogh at Work“ in Amsterdam und der gleichnamige Katalog aus dem Hirmer Verlag bringen nun die Wahrheit über den Künstler ans Licht. Neueste Forschungsergebnisse zeigen, dass van Gogh seine weltberühmten Gemälde nicht nur seinem Talent zu verdanken hat, sondern hart dafür arbeitete. Er studierte Werke anderer Künstler, fertigte zahlreiche Skizzen an und entwickelte so systematisch seine einzigartige Technik.

Forscher auf der Suche nach dem wahren van Gogh

Dass es nun möglich ist, diesen anderen, völlig rationalen van Gogh zu erkennen, ist das Verdienst eines niederländischen Teams. Sieben Jahre lang haben die Forscher die Arbeitsweise van Goghs studiert. Mit modernster Computertechnik nahmen sie seine Werke unter die Lupe. Sie blätterten in seinen Skizzenbüchern und analysierten Farben und Materialien, die der Künstler verwendete. So kamen sie van Goghs Werk Stück für Stück näher.

Die Erkenntnisse dieser Untersuchung werden in der Jubiläumsausstellung „Van Gogh at Work“ in Amsterdam erstmals dem Publikum vorgestellt. Besucher wie Leser erhalten einen Eindruck davon, wie sich van Gogh zu so einem einzigartigen Künstler entwickeln konnte. Dabei werden Leben, Werk und Arbeitsweise des Meisters beleuchtet.

Akribische Arbeitsweise

Erst fünf Jahre vor seinem Tod malte van Gogh sein erstes vollständiges Gemälde. Das Bild mit dem Titel „Die Kartoffelesser“ zeigt eine arme Bauernfamilie beim Abendessen. Um sein Können unter Beweis zu stellen, wählte van Gogh eine schwierige Hell-Dunkel-Komposition. Er erhoffte sich mit diesem Bild den künstlerischen Durchbruch und überließ nichts dem Zufall.

Anhand unzähliger Skizzen konnten die Forscher beweisen, dass van Gogh die einzelnen Handbewegungen und die Mimik der Figuren so lange studiert hat, bis er sie aus dem Gedächtnis zeichnen konnte. Alle verwendeten Farben mischte er nach der Farbenlehre der Komplementärfarben. Briefe des Malers weisen darauf hin, dass er das fertige Ölgemälde befreundeten Künstlern zeigte und sie um Korrekturen bat. Er überarbeitete daraufhin das Gemälde mehrmals. Farbanalysen ergaben, dass mehrere Schichten Farbe übereinander aufgetragen wurden.

Diese Erkenntnisse zeigen, dass van Gogh unermüdlich an seinen Kunstwerken feilte. Sein Ziel war die Perfektion. Ehrgeizig entwickelte er so seinen eigenen Stil, der sich durch die einzigartige, expressive Pinselführung und leuchtende, satte Farben auszeichnet.

Der Katalog zur Ausstellung

Die Ausstellung „Van Gogh at Work“ ist seit dem 1. Mai 2013 im Van-Gogh-Museum in Amsterdam zu sehen. Sie zeigt alle Schaffensperioden des Künstlers – von den ersten Zeichnungen bis zu seinen berühmten Meisterwerken. Der gleichnamige Hirmer-Katalog begleitet die faszinierende Schau.

Darin schildern führende Kunstexperten, wie van Gogh gearbeitet hat und welche Künstlerkollegen ihn beeinflusst haben. Neben vielen seiner Werke sind auch besondere Exponate abgebildet. Fotos seiner Farbtuben und die Original-Palette des Malers vermitteln einen Eindruck davon, wie er seine leuchtenden Farben auf die Leinwand brachte. Vergleiche mit Werken anderer Meister offenbaren die Einflüsse auf van Gogh und verdeutlichen gleichzeitig seine ganz persönliche Handschrift.

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