Verschüttete Kumpel sollen bei Laune bleiben

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Verschüttete Bergleute in Chile sollen von Psychologen bei Laune gehalten werden.

Santiago de Chile - Psychologen bereiten die seit fast sieben Wochen in einer Mine eingeschlossenen Arbeiter auf ihre Rettung vor. Fitness-Training und Rhetorikkurse sollen die Kumpel bei Laune halten.

Der chilenische Psychologe Alberto Iturra hat eine ungewöhnliche Aufgabe: Er soll die 33 in einer Mine in 700 Meter Tiefe eingeschlossenen Kumpel gegen Frust und Verzweiflung wappnen. Und das nur mit Hilfe einer Videoverbindung und mit schriftlichen Nachrichten. Iturra aber ist zuversichtlich, dass er die Kumpel, die am Donnerstag seit sieben Wochen in ihrem Verlies ausharren, noch weitere Wochen - bis zur Rettung - bei Laune halten kann. Dabei setzt er vor allem darauf, die Bergleute zu beschäftigen. Er arbeitet zwar mit einem Team von Ärzten und anderen Spezialisten zusammen, aber seine wertvollsten Helfer sind die Verschütteten selbst.

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“Sie (die Kumpel) waren sehr geschickt und haben viele Probleme schon selbst gelöst, indem sie sich organisiert haben“, lobt Iturra die in der Kupfer- und Goldmine San José in der Atacama-Wüste verschütteten Arbeiter. “Sie haben sich von Anfang an eine gut strukturierte Tagesroutine ausgedacht, die sich an den Mahlzeiten orientiert“, erzählt der Psychologe. Dies geschah schon in den ersten 17 Tagen nach dem Einsturz des Stollens am 5. August, als die Kumpel vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten und ganz auf sich selbst gestellt waren.

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Erst am 22. August konnten sie durch ein enges Bohrloch auf sich aufmerksam machen: “Uns 33 geht es gut. Wir sind im Schutzraum“, stand auf einem Zettel aus der Tiefe. Seither werden sie von der Oberfläche nicht nur mit Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten versorgt, sondern auch mit Nachrichten von Angehörigen, die seit Wochen über der Mine im harschen Wüstenklima etwa 800 Kilometer nördlich von der Hauptstadt campieren. Per Bildtelefon können die Verschütteten mit ihren Frauen, Brüdern und Kindern sprechen. Sie erhalten - wohldosiert - auch Zeitungen, können Live-Übertragungen von Fußballspielen sehen und Videos über ihr Leben in der Tiefe produzieren.

Von oben kommen aber nicht nur die Botschaften der Angehörigen, sondern auch Vorschläge von Iturras Team für die Vorbereitung auf den Tag X, an dem die Kumpel an die Oberfläche gezogen werden. Die Ideen hätten die Eingeschlossenen sehr gut angenommen, sagt Iturra. “Zusammen mit Ärzten bieten wir medizinische Sprechstunden an, leiten die Arbeiter beim Fitness-Training an und als Psychologen versuchen wir, sie zu positivem Denken anzuhalten“, sagt Iturra. Dies alles sei aber nur möglich und erfolgreich, weil sich die Verschütteten von Anfang als seelisch sehr stabil erwiesen hätten.

Die Organisation eines Tagesablaufs unter Tage ziele darauf ab, die Wartezeit mit möglichst normalen und vertrauten Tätigkeiten zu füllen. Dabei helfe alles, was den Kumpeln in die Tiefe geschickt würde: Musik, Videos, Zeitungen, Briefe der Angehörigen - und die Mahlzeiten. Die Arbeiter haben feste Zeiten, an denen sie aufstehen und Körperpflege betreiben. Es gibt Lesezeiten und sogar Rhetorikkurse für den Augenblick der Rettung, wenn die Kumpel plötzlich im Blitzlichtgewitter vor den Mikrofonen von Journalisten aus aller Welt stehen werden. Nur auf die gute Vorbereitung wollen sich die Kumpel aber offenbar nicht verlassen: Sie beten auch gemeinsam, um Hilfe von ganz oben zu erbitten.

dpa

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