Terrorwarnung: Deutsche Behörden winken ab

Berlin/Washington/London/Paris - Nach Reisewarnungen aus Washington und London an die eigenen Bürger winken die deutschen Sicherheitsbehörden weiter ab. Es gebe keine erhöhte Terrorgefahr.

Die USA warnen ihre Bürger vor möglichen Al-Kaida-Terroranschlägen in Europa. Wer nach Europa reise, solle wachsam sein - vor allem bei Flügen, Bahnfahrten und in der U-Bahn. Zwar rät das US-Außenministerium nicht von Reisen nach Europa ab.

Besondere Sorge herrscht auch in London: Das britische Außenministerium verschärfte seine Hinweise für Reisen nach Deutschland und Frankreich. In den US-Hinweisen werden keine einzelnen Länder genannt. Doch auch die Regierung macht aus ihrer Sorge keinen Hehl: Es empfiehlt Amerikanern, ihre Reisepläne vorsichtshalber bei US-Behörden zu registrieren. Es handelt sich dabei um einen Reisealarm (“travel alert“), nicht um eine Reisewarnung. Diese würde von Reisen nach Europa gänzlich abraten.

Keine Hinweise auf konkrete Gefahr

Dagegen meint das Bundesinnenministerium in Berlin weiterhin, es gebe keine konkreten Hinweise auf unmittelbar bevorstehende Anschläge. Derzeit gebe es keinen Anlass für eine Veränderung der Gefährdungsbewertung, sagte ein Sprecher am Sonntag. Der Reisehinweis der US-Regierung sei “vor dem Hintergrund der bereits in der vergangenen Woche in den Medien bekanntgewordenen Gefährdungshinweise zu betrachten“. Deutsche Sicherheitsbehörden gingen “allen vorliegenden Hinweisen mit der höchster Intensität nach und überprüfen ständig die gebotenen Sicherheitsmaßnahmen“.

Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), sieht keinen Grund zur Panik. “Das ist die amerikanische Reaktion auf die Kenntnisse, die wir hier in Europa schon seit geraumer Zeit haben“, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag). Sicherheitsbehörden hatten zunehmende Reiseaktivitäten von Islamisten aus Afghanistan und Pakistan nach Europa registriert. Das State Department reagiert mit der Alarm-Meldung auf Warnungen westlicher Geheimdienste vom vergangenen Mittwoch. Demnach planten schwer bewaffnete Terrorkommandos Aktionen in europäischen Städten.

Als Ziele wurden Städte in Deutschland, Frankreich und Großbritannien genannt. Ein Deutsch-Afghane, der von US-Truppen in Afghanistan festgehalten werde, habe entsprechende Hinweise gegeben. Nach Informationen der “Süddeutschen Zeitung“ (Montag) konnte inzwischen ein deutscher Diplomat mit dem Mann sprechen. Das Auswärtige Amt habe dies bestätigt, aber keine Einzelheiten genannt.

Warnungen ernst nehmen

“Aktuelle Informationen weisen darauf hin, dass Al-Kaida und verwandte Organisationen weiterhin Terrorangriffe planen“, teilte das State Department am Sonntag mit. Europäische Regierungen hätten bereits entsprechende Maßnahmen eingeleitet, heißt es auf der Internetseite des Ministeriums ohne konkrete Hinweise. Die Londoner Innenministerin Theresa May stellte sich hinter die Warnungen Washingtons. Die Sicht der US-Behörden decke sich mit der britischen Sichtweise, sagte sie. Großbritannien sei einer “wirklichen und ernsthaften Terrorgefahr“ ausgesetzt, fügte sie hinzu. Die Terrorwarnstufe bleibe auf der Stufe “ernst“ - das bedeutet, dass ein Terrorangriff hochwahrscheinlich ist.

Ähnlich äußerte sich auch der französische Verteidigungsminister Hervé Morin. Die Warnungen müssten ernst genommen werden. “Die Terrorgefahr existiert, und es kann uns jeden Augenblick treffen. Es werden weltweit ständig Netzwerke zerschlagen, die sich gebildet haben, um Attentate vorzubereiten. Es ist gut für die Franzosen, das zu wissen“, sagte er der Zeitung “Le Parisien“ (Sonntag). Die Regierung in Paris hatte bereits in den vergangenen Wochen die Sicherheitsvorkehrungen verstärkt.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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