Tabuthema: Ambulanz für pädophile Männer

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Können durch die Ambulanz für Pädophile Übergriffe auf Kinder eingedämmt werden?

Hannover - Vorreiter war die Berliner Charité: In Hannover hat eine Ambulanz für pädophile Männer die Arbeit aufgenommen. Experten wollen dort helfen, den sexuellen Missbrauch von Kindern zu verhindern.

Pädophile Männer können in Zukunft an der Medizinischen Hochschule in Hannover (MHH) Hilfe suchen. Mit dem Angebot soll sexueller Missbrauch von Kindern verhindert werden.

Am Mittwoch öffnete an der Klinik die bundesweit fünfte Ambulanz für Männer mit pädophilen Neigungen. “Wir müssen deren Einstellung verändern und bei ihnen Empathie schaffen“, sagte Sexualwissenschaftler Uwe Hartmann, der den Arbeitsbereich an der MHH leitet. “Pädophilie ist weiter ein Tabuthema. Es gibt großen Therapiebedarf.“ Barbara Schäfer-Wiegand von der Kinderschutzorganisation Hänsel & Gretel betonte: “Tätertherapie ist Kinderschutz pur.“

Die MHH folgt einem Pilotprojekt der Berliner Charité. Dort hatten Sexualmediziner 2005 mit dem Präventionsprojekt “Dunkelfeld“ begonnen. An die Anlaufstelle wandten sich bis März 2012 mehr als 1600 Menschen.

Ähnliche Angebote gibt es mittlerweile auch in Kiel, Regensburg und Leipzig. In weiteren Bundesländern gibt es den Angaben zufolge konkrete Planungen. Die Ambulanzen sollen ein Netzwerk bilden, das einheitliche Standards in Diagnostik und Therapie setzt.

In der kostenlosen Therapie sollen die Betroffenen lernen, besser mit ihren Impulsen umzugehen. Interessierte müssen jedoch Voraussetzungen erfüllen. Sie sollen ihr pädophile Neigung als Problem erkennen und sich freiwillig melden - also etwa ohne den gerichtlichen Druck einer Therapie.

Ziel der Behandlung ist die komplette Kontrolle des eigenen Verhaltens. Neben Gesprächen spielen auch Medikamente eine Rolle. Diese sollen nach Angaben von Klaus Beier, dem Leiter des Pilotprojekts an der Berliner Charité, die sexuellen Impulse der Pädophilen dämpfen helfen.

Studien zufolge fühlen sich in Deutschland etwa 250.000 Männer zwischen 18 und 75 Jahren sexuell zu Kindern hingezogen. Der Anteil von Frauen scheint verschwindend gering zu sein. Jährlich werden rund 15 .00 Fälle von sexuellem Missbrauch angezeigt, die Dunkelziffer wird etwa viermal so hoch geschätzt.

Das MHH-Projekt wird vom niedersächsischen Sozialministerium zunächst für drei Jahre mit insgesamt 360.000 Euro unterstützt. Die Hochschule rechnet mit bis zu 100 Menschen, die das Angebot jährlich nutzen. Hartmann zufolge gibt es bislang rund 40 Interessierte.

dpa

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