MDR-Doku: Neustart nach dem Gefängnis

Ex-Knacki Jens hat keine Lust auf Arbeit -  er will lieber „Schnitzel essen“ 

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Jens B. wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. 

Jens B. (26) wurde schon in jungen Jahren straffällig. Auch nachdem er seine Haftstrafe abgesessen hat, zeigt er keine Reue für seine Taten. Kann so ein Neustart gelingen?

Markkleeberg - Vor drei Jahren zog Jens B. (26) mit einer Bande Monate lang durch Markkleeberg. Sie begingen Einbrüche, Diebstähle und versuchten Taxifahrer auszurauben. Auch die Eingangstür eines Discounters zertrümmerten sie mit einem Gulli-Deckel, klauten Alkohol, Zigaretten und Süßigkeiten. Doch die Jugendlichen wurden gefasst, Jens wurde zu zwei Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt. 

Nach dem Knast? „Rumsitzen“ und „Schnitzelessen“

Die MDR-Sendung „exakt“ hat Jens ein Jahr nach Haftantritt im Gefängnis besucht. Seine 51-jährige Mutter Bettina hat acht Kinder, einen festen Job oder eine Ausbildung kann keines ihrer Nachkommen vorweisen. Sie hoffte damals bei einem Besuch bei ihrem Sohn, dass der Knast ihn endlich zur Einsicht bringt und er eine Ausbildung im Gefängnis beginnt. Der Idee seiner Mutter konnte Jens jedoch nichts abgewinnen: „Im Knast eine Lehre? Als was bitte? Als Koch?“ Er hatte ganz anderes vor: „Rumsitzen“ und „Schnitzel essen“ stehe nach seiner Entlassung auf seinem Plan, so der junge Sachse damals. 

„Ich saß meine Strafe ab und daher tut mir auch nichts leid“

Dank guter Führung wurde der 26-Jährige im Mai 2018 frühzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Wie geht es nach dem Gefängnis weiter für den jungen Mann? Wie hoch stehen die Chancen, dass er nie wieder ins Gefängnis zurück muss? „Ich sage immer: Man sollte niemals nie sagen. Ich probiere, nicht nochmal rein zu kommen. Wenn es passiert, passiert es“, lautet Jens‘ Antwort. Reue empfindet er nach wie vor nicht: „Ich saß meine Strafe ab und daher tut mir auch nichts leid.“

Rückfallquote von 60 bis 70 Prozent

Die Doku begleitet den jungen Sachsen auch Monate nach seiner Entlassung. Auch vier Monate danach kann Jens immer noch keinen Job vorweisen. „Man saß jetzt so lange im Knast, da denkt man nicht gleich danach an Arbeit. Der Antrieb fehlt noch“, erklärt er. Das kann aber die Kürzung seines Arbeitslosengeldes bedeuten.  

Allerdings hat er mithilfe seines Bewährungshelfers Nico Richter mittlerweile eine Wohnung gefunden. Richter erklärt, warum dies so wichtig ist: „Je enger die Betreuung danach, desto geringer die Rückfallquote.“ Und die ist vor allem bei Menschen hoch, die Raub- und Diebstahldelikte begangen haben. Zu dieser Gruppe gehört auch Jens. Im Schnitt werden 60 bis 70 Prozent der jungen Inhaftierten wieder straffällig. 

Schließlich scheint Jens aber doch seinen Antrieb gefunden zu haben. Am Ende der Doku wird gezeigt, dass er nun eine Ausbildung bei der Deutschen Bahn beginnen will. Und auch eine Freundin hat er mittlerweile. Vielleicht wird er zu den 30 Prozent gehören, die doch noch die Kurve kriegen. 

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sp

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