Unglücksmanöver auf Facebook angekündigt!

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Das riskante Manöver der "Costa Concordia" vor Giglio wurde einstimmigen Medienberichten zufolge über Facebook angekündigt.

Giglio - Das riskante Manöver der "Costa Concordia" vor Giglio wurde über Facebook angekündigt. Die Nachricht deutet darauf hin, dass der Kapitän das Schiff absichtlich so nah ans Ufer lenkte.

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Vier Tage nach dem tödlichen Kreuzfahrtunglück vor der italienischen Insel Giglio entwickelt sich die Rettungsaktion zu einer ganz eigenen Katastrophe: Sechs Leichen wurden aus dem Schiffswrack geborgen. Noch immer werden mindestens 18 Menschen vermisst – wie viele genau, ist noch immer unklar. Die Kreuzfahrtgesellschaft Costa Crociere veröffentlichte keine Passagierliste. Fest steht aber: Auch von zwölf Deutschen fehlt noch jede Spur. Neben jeweils einem Ehepaar aus dem Münsterland, und aus Berlin, zwei Frauen aus Baden-Württemberg sowie fünf Hessen befindet sich unter den Vermissten auch Gabriele Grube aus Oberasbach bei Nürnberg.

„Wir sind im Schiffsinneren runtergerutscht auf die andere Seite des Decks. Es ging nur abwärts und dann stand das Wasser schon vor uns. In der Passage habe ich dann Gabriele verloren“, schildert eine Freundin, die mit der 52-Jährigen an Bord des Luxusliners war, bei Antenne Bayern die dramatischen Augenblicke nach dem Kentern. Sie habe sich durch das eiskalte Wasser an Land retten können. Unter einigen Passagieren habe es einen Kampf um die Plätze in den Rettungsbooten gegeben. Anweisungen und ein koordiniertes Vorgehen der Crew habe es nicht gegeben: „Wir haben von den Offizieren nichts gehört.“

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Zahlreiche Passagiere bestätigten das Chaos. Dem deutschen Reiseunternehmer Stewa-Touristik zufolge habe eine Frau mit künstlicher Hüfte mehr als eine Stunde an der Außenwand des Schiffes an einer Strickleiter gehangen.

Unter den Kreuzfahrt­urlaubern befand sich auch Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (57). Der Politiker erhebt schwere Vorwürfe gegen die Schiffsführung: „Selbst für Laien war erkennbar, dass das Schiff in großer Gefahr war. Die höheren Chargen haben sich bei der Evakuierung nicht blicken lassen. Es waren lediglich die Matrosen und das Küchenpersonal, die sich um die Menschen gekümmert haben.“

Die Schiffseigner schieben die Verantwortung hingegen allein auf Kapitän Francesco Schettino. Der Kommandant habe menschlich versagt und sich nicht an die Vorschriften gehalten. Der in Untersuchungshaft sitzende 52-Jährige soll das Schiff bis zu 150 Meter dicht an die Insel gelenkt haben. Unglaublich: Wie am Montag bekannt wurde, steuerte der Kapitän den Ozeanriesen offenbar absichtlich so nah an die Küste von Giglio, um seinem dort geborenen Oberkellner Antonello Tievoli (48) eine Freude zu machen!

Um 21.08 Uhr – exakt 30 Minuten vor der Kollision mit dem Felsen – schrieb Tievolis Schwester Patrizia auf dem Online-Netzwerk facebook: „In Kürze wird die Concordia mit meinem Bruder sehr, sehr nah an uns vorbeifahren. Ein Riesengruß an meinen Bruder, der in Savona von Bord gehen wird, um ein bisschen Urlaub zu genießen.“ Laut Corriere della Sera soll Schettino für das Spektakel den Autopiloten ausgeschaltet haben und seinen Angestellten auf die Brücke gerufen haben: „Antonello, schau mal, wir sind ganz nahe an deinem Giglio“, prahlte der Kapitän. Tievoli soll nur noch gerufen haben: „Vorsicht, wir sind extrem nahe am Ufer.“

Wie die erste Auswertung der Black Box am Montag ergab, setzte der Kommandant um 22.10 Uhr den ersten Notruf an die Hafenmeisterei ab. „Zu Beginn hat die Brücke von einem technischen Defekt gesprochen, ohne zu definieren, worum es sich handelt“, sagte Oberstleutnant Polizist Italo Spalvieri. Dann habe man das Patrouillenboot gebeten, das Schiff abzuschleppen. „Das war, als ob man eine Ameise fragt, ob sie einen Elefanten verrücken kann.“

Schettino selbst verließ die aufgeschlitzte Costa Concordia nach dem Schiffbruch als einer der Ersten und überließ die Rettung seiner ahnungslosen Crew. Statt, wie von der Küstenwache aufgefordert, auf sein sinkendes Schiff zurückzukehren, soll der Kapitän sich in ein Taxi gesetzt haben. Sein unfassbarer Auftrag an den Fahrer: „Bringen Sie mich weit weg von hier.“

ISP

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