Rettungsarbeiten an "Costa Concordia" wieder unterbrochen

Rom - Die Rettungsarbeiten am gekenterten Kreuzfahrtschiff “Costa Concordia“ sind am Mittwoch erneut unterbrochen worden. Was die Arbeiten erschwert: 

Messgeräte verzeichneten bei dem auf einem Felsen liegenden Wrack eine leichte Bewegung, sodass die Suche nach den noch 21 Vermissten eingestellt werden musste. Am Abend wurde bekannt, dass eine bislang als vermisst geltende Deutsche bereits in die Heimat zurückgekehrt ist. Das Auswärtige Amt ging zunächst weiterhin von zwölf vermissten Deutschen aus. Der Frage, ob es weitere Staatsangehörige gebe, deren Verbleib noch unklar sei, werde weiterhin nachgegangen, sagte eine Sprecherin der dapd.

Unterdessen bestritt der Kapitän, er habe das Schiff verlassen. Viel mehr sei er ins Wasser gestürzt, nachdem dieses Schlagseite erlitten habe. Die “Costa Concordia“ mit mehr als 4.200 Menschen an Bord war am Freitag vor der toskanischen Insel Giglio havariert.

Hier fliehen die Menschen von der Costa Concordia

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Zunächst müsse geprüft werden, ob sich das Schiff tatsächlich bewegt habe und falls ja, wie stark die Bewegung gewesen sei, erklärte Kommandeur Filippo Marini von der italienischen Küstenwache. In der Nacht hatten Rettungskräfte den über Wasser liegenden Teil der “Costa Concordia“ durchsucht. Weitere Vermisste wurden aber nicht entdeckt.

Bislang wurden elf Menschen tot geborgen. Ob unter den zuletzt gefundenen sechs Toten am Montag und Dienstag auch Deutsche waren, war nicht bekannt.

Luxusliner läuft auf Grund - Tote und Verletzte

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Das Auswärtige Amt in Berlin ging bislang von zwölf vermissten Deutschen aus: fünf aus Hessen, jeweils zwei aus Berlin, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen sowie einer aus Bayern. Meldungen, wonach unter den am Dienstag geborgenen fünf Toten auch Deutsche waren, könnten “derzeit nicht bestätigt werden“, hieß es.

Als erstes Todesopfer des Schiffsunglückes wurde in der Zwischenzeit ein ungarischer Violinist identifiziert, der zur Besatzung der “Costa Concordia“ gehörte. Das ungarische Außenministerium bestätigte am Mittwoch die Identifizierung der Leiche des Geigers Sandor F. Ein Pianist, der mit Sandor F. zusammen an Bord musiziert hatte, erklärte gegenüber der Zeitung “Blikk“, der Geiger habe kurz vor der Evakuierung noch Kindern geholfen, Schwimmwesten anzulegen. Plötzlich habe er sich entschlossen, noch einmal in seine Kabine zu gehen, um seine Geige zu holen. Dabei habe er eine Schwimmweste getragen. Die Leiche des 38-jährigen Musikers war im Schiffsinnern gefunden worden.

Kapitän unter Hausarrest

Der Kapitän der “Costa Concordia“, dem schwere Versäumnisse zur Last gelegt werden, wurde nach Angaben seines Anwalts aus der Untersuchungshaft entlassen und unter Hausarrest gestellt. Francesco Schettino war unbefugt vom Kurs des Kreuzfahrtschiffes abgewichen und zu nah an die Küste der Insel Giglio gefahren. Die Staatsanwaltschaft beschuldigt Schettino des Totschlags und wirft ihm vor, eine Havarie verursacht zu haben sowie sein Schiff verlassen zu haben, bevor alle Passagiere in Sicherheit gebracht wurden. Allein für den letztgenannten Vorwurf drohen Schettino bis zu zwölf Jahre Haft.

Medienberichten zufolge kehrte Schettino in sein Haus nahe Neapel zurück. Die Entlassung aus Untersuchungshaft sei gerechtfertigt, da keine Fluchtgefahr bestehe, erklärte der Anwalt des Kapitäns, Bruno Leporatti, am Mittwoch, vor Journalisten in Grosseto. Er verwies darauf, dass Schettino die Evakuierungsaktion vom Ufer aus koordiniert habe. “Er hat sich nicht abgesetzt.“ Der Kapitän sei erschüttert, sagte Leporatti.

Unterwasser-Fotos: Taucher suchen nach Kreuzfahrtunglück nach Vermissten

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Ein aufgezeichnetes Gespräch mit der Küstenwache belastet den Kapitän jedoch stark: Demnach war er bereits in einem Rettungsboot, als die Evakuierung noch in vollem Gange war, und kam dem Befehl nicht nach, auf das Schiff zurückzukehren, um die Rettungsarbeiten zu leiten. In dem Gespräch bestritt Schettino, dass Schiff verlassen zu haben. “Ich habe kein Schiff mit 100 Personen an Bord verlassen. Das Schiff hat plötzlich Schlagseite erlitten und wir wurden ins Wasser geschleudert“, sagte Schettino einem von der Tageszeitung “Corriere della Sera“ am Mittwoch veröffentlichen Protokoll zufolge.

Monti sichert Hilfe zu

Angesichts des drohenden Austritts von Treibstoff aus dem havarierten Kreuzfahrtschiff sicherte der italienische Ministerpräsident Mario Monti alle erdenklichen Maßnahmen zur Verhinderung einer Ölpest zu. Ebenso wie die Sorge um die Opfer sei die Vorbeugung und Eingrenzung von Öllecks eine Priorität der Behörden, erklärte Monti am Mittwoch vor Journalisten in London.

Eine Katastrophe wie vor der Insel Giglio hätte verhindert werden “können und sollen“, betonte er. Den rund 900 Einwohnern der toskanischen Insel dankte er für ihre Hilfe und die Aufnahme der 4.200 Passagiere und Besatzungsmitglieder des Kreuzfahrtschiffes.

Von Colleen Barry und Frances D'Emilio

Rubriklistenbild: © dpa

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