Prügelattacke am Alexanderplatz

Freilassung Tatverdächtiger sorgt für Empörung

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Am Alexanderplatz in Berlin wird des Opfer der Prügelattacke gedacht

Berlin - Gegen die Freilassung von zwei Tatverdächtigen im Fall des tot geprügelten 20-Jährigen vom Berliner Alexanderplatz gibt es heftigen Widerstand.

Die Freilassung von zwei Tatverdächtigen im Fall des tot geprügelten 20-Jährigen vom Berliner Alexanderplatz hat für heftige Kritik an der Justizbehörde gesorgt. „Für die Ermittler ist das ein Schlag ins Gesicht“, sagte der stellvertretende Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Detlef Herrmann, am Freitag auf dapd-Anfrage. Die Staatsanwaltschaft setzt sich weiter dafür ein, die Männer in Untersuchungshaft zu bringen. Unterdessen wurde bekannt, dass ein weiterer Tatverdächtiger erst wenige Wochen vor dem Verbrechen ein Anti-Gewalt-Seminar absolviert hatte.

Das Opfer war in der Nacht zum 14. Oktober von mehreren jungen Männern am Alexanderplatz bewusstlos geprügelt worden. Der 20-Jährige starb am Tag darauf an seinen Verletzungen.

Der mutmaßliche Haupttäter hat nach Informationen des RBB erst kürzlich an einem Anti-Gewalt-Training teilgenommen. Der junge Mann soll das Seminar dem Bericht zufolge vor kurzem abgeschlossen haben. Ein Gerichtssprecher bestätigte, dass ein gesuchter Tatverdächtiger bereits einschlägig vorbestraft sei. Der 19-Jährige sei erst im Juni dieses Jahres wegen Körperverletzung und Nötigung zu zwei Wochen Dauerarrest und einem Seminarbesuch verurteilt worden. Bereits zuvor sei er wegen Delikten wie Körperverletzung bei der Polizei bekannt gewesen.

„Haftverschonung nicht hinnehmbar“

Zwei Tatverdächtige, die sich selbst gestellt hatten, waren am Donnerstagabend wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Ein Richter hatte in beiden Fällen keine Untersuchungshaft angeordnet. Zwar war gegen den 21-Jährigen wegen des Verdachts auf Körperverletzung mit Todesfolge Haftbefehl erlassen worden, dieser wurde jedoch wegen seines Geständnisses sowie seiner sozialen und familiären Bindungen „außer Vollzug gesetzt“, das heißt, der Mann wurde freigelassen.

„Angesichts der Schwere des Deliktes ist die Haftverschonung nicht hinnehmbar“, kritisierte der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner. Seine Behörde hat gegen die Entscheidung des Haftrichters Beschwerde eingelegt. Ein Entschluss darüber stand am Freitag jedoch noch aus.

Der zweite Tatverdächtige, ein 19-Jähriger, ist dem Sprecher zufolge verdächtig, einen Begleiter des 20-Jährigen angegriffen zu haben. Deshalb müsste er sich im Falle einer Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung verantworten. In diesem Fall prüfe die Staatsanwaltschaft noch, ob Beschwerde gegen die Entscheidung des Richters eingelegt werden könne.

Derzeit ist nur noch ein Tatverdächtiger in Haft. Der 19-Jährige war am Dienstag in Berlin-Wedding festgenommen worden. Die Polizei fahndet derzeit noch nach drei weiteren mutmaßlichen Tätern, die namentlich bekannt sein sollen.

Der stellvertretende GdP-Vorsitzende Herrmann kritisierte die Entscheidung des Haftrichters, fügte jedoch hinzu: „Staatsanwaltschaft und Richter handeln nach den geltenden Gesetzen.“ Ihre Entscheidungen müsse man hinnehmen. Er hoffe jedoch, dass die Beschwerde der Staatsanwaltschaft Erfolg habe. „Das wäre ein deutliches Zeichen mit abschreckender Wirkung“, betonte Herrmann.

dapd

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